Ein Teil des Gebirges ist herausgebrochen, jetzt muss der Hohlraum mit Spritzbeton gesichert werden. Foto: Kerstin Weinzierl
Mit einer ersten symbolischen Sprengung wird der "Tunnelanschlag" und damit der Start der Tunnelbauarbeiten gefeiert. Der "Vortrieb" beginnt. Als Vortrieb bezeichnet man das Herausbrechen des Gebirges und das Sichern des entstehenden Hohlraums. Dieser Vortrieb hat in Furth im Wald etwa neun Monate gedauert. Dabei wurde Tag und Nacht und sieben Tage die Woche gearbeitet.
Für den Tunnelvortrieb gibt es mehrere technische Möglichkeiten. Beim Deschlberg-Tunnel hat man die weit verbreitete "Neue Österreichische Tunnelbauweise" angewandt. Dabei wird das Gebirge mit einem speziellen Tunnelbagger oder durch Sprengung ausgebrochen und anschließend das Material abtransportiert. Dies bezeichnet man als "Schuttern". Sofort wird das Gebirge mit Spritzbeton gesichert.
Immer wieder musste gesprengt werdenIn Furth im Wald wurde in den meisten Bereichen gesprengt. Dazu wurden Löcher in die "Ortsbrust" (das ist die Stelle, an der sich der Vortrieb momentan befindet) gebohrt und diese anschließend mit Sprengstoff gefüllt. Im Bereich des "besten Gebirges", das ist im Tunnelbau das Gebirge mit großer Festigkeit, konnten zwei Meter auf einmal (Abschlagslänge) herausgesprengt werden. Dort wo das Gebirge weniger fest war, vor allem am Anfang des Tunnels, waren teilweise nur 80 Zentimeter möglich.
Den kompletten Querschnitt des Tunnels kann man aus statischen Gründen nicht auf einmal herausbrechen. Deswegen gibt es eine Unterteilung in drei Bereiche: Ganz oben wird zunächst die "Kalotte" herausgebrochen (in der Fachsprache: vorgetrieben). Dann folgt unterhalb die "Strosse" und ganz unten die "Sohle".
Solange der Spritzbeton zur Sicherung des Gebirges noch nicht fest oder noch gar nicht angebracht ist, müssen sich die Arbeiter im ungesicherten Bereich aufhalten. Eine sehr gefährliche Arbeit! Der Bau des Deschlberg-Tunnels ist Gott sei Dank unfallfrei verlaufen. Glück Auf!
100 000 Kubikmeter GebirgeInsgesamt sind aus dem Tunnel Deschlberg etwa 100.000 Kubikmeter Gebirge herausgebrochen worden. Dies ergäbe auf einem Fußballfeld eine 25 Meter hohe Schüttung oder anders gerechnet etwa 8.000 vollbeladene Lastwagen.
Mit dem Abschluss des Vortriebs und der aufgebrachten Schale aus Spritzbeton (Außenschale) ist ein Tunnel aber noch lange nicht fertig. Da sich der Tunnel weit unter der Erdoberfläche befindet, sammelt sich rund um den Tunnel das Grundwasser. Um zu verhindern, dass Wasser in den fertigen Tunnel gelangen kann, wird der Tunnel mit einer zwei Millimeter starken Bahn aus Kunststoff abgedichtet.
Danach wird die Innenschale des Tunnels betoniert, diejenige Betonhülle, die später beim Durchfahren des Tunnels für den Autofahrer zu sehen ist. Mit dem hierfür nötigen "Schalwagen" konnte in Furth täglich ein zehn Meter langer Abschnitt auf einmal betoniert werden.
Beton statt AsphaltDie eigentliche Straße, der Fahrbahnbelag, besteht im Deschlberg-Tunnel aus Beton. Beton ist im Vergleich zu Asphalt langlebiger. In einem Tunnel hat eine Betonfahrbahn aber auch noch einige weitere Vorteile. Zum einen ist Beton heller als Asphalt, die Kosten für die Beleuchtung des Tunnels können dadurch verringert werden. Zum anderen brennt Beton (im Gegensatz zu Asphalt) nicht.
Ein aufgerissenes DrachenmaulWenn ein Tunnel fertig ist, sieht man eigentlich nicht allzu viel. Die Gestaltung der "Portale", das sind die Einfahrtsbereiche, ist deswegen von großer Bedeutung. Da Furth im Wald auch als Drachenstichstadt wegen des gleichnamigen Volksschauspiels sehr bekannt ist, haben die Tunnelportale die Form eines aufgerissenen (Drachen-) Mauls.
Mehr von dieser Maßnahme und anderen interessanten Straßenbauprojekten können unter
www.stbar.bayern.de nachgelesen werden.
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