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Artikel vom 06. December 2012 10:51, 218 mal gelesen

Berufsportrait: Erzieherin

„Was wir zurückbekommen, ist unbeschreiblich“

Sabrina und Eva machen eine Ausbildung zur Erzieherin

Autor: Julia Gabauer
Eva spielt gerne mit den Kindern. (Fotos: Julia Gabauer)

Eva spielt gerne mit den Kindern. (Fotos: Julia Gabauer)

Mit Kindern spielen, Bauklötze aufräumen und manchmal ein aufgeschlagenes Knie verbinden - das stellen sich viele unter dem Beruf "Kindergärtnerin" vor. Dass Kindergärtner aber mittlerweile Erzieher heißen und viel mehr können müssen als das, wissen Sabrina Korn und Eva Bornmann. Die beiden 18-Jährigen machen eine Ausbildung zur Erzieherin im Kindergarten Maria Schutz in Aiterhofen.

Die Kinder der "Sonnenblumen-Gruppe" toben so unbeschwert und lachend herum, wie es für dieses Alter typisch ist. Mittendrin im Gewusel sitzt Eva und malt mit einem ihrer Schützlinge. Die Lautstärke scheint sie völlig kalt zu lassen. "Es ist wichtig, sich für jedes einzelne Kind Zeit zu nehmen und dabei aber keines zu bevormunden", erklärt die Auszubildende. Den Kindergarten Maria Schutz besuchen Kinder von drei bis sechs Jahren. In der "Gänseblümchen-Gruppe" werden außerdem Schulkinder bei den Hausaufgaben betreut. Die ganz Kleinen ab einem Jahr können in der Kinderkrippe "Pusteblume" aufgenommen werden. Die Krippe ist der tägliche Arbeitsplatz von Sabrina. Die 18-Jährige kümmert sich hier um Kinder von bis zu drei Jahren. Weil ihre Schützlinge so klein sind, muss sie auch schon mal Windeln wechseln. Etwas, an das viele nicht gleich denken. "Dieser Beruf bedeutet viel Verantwortung", betont Sabrina. Obwohl der Kontakt mit Menschen im Vordergrund steht, geht es aber nicht nur darum. "Hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Abspülen und Putzen stehen bei uns auf der Tagesordnung", sagt Eva. Erzieherinnen findet man aber nicht nur im Kindergarten. Besonders die Arbeit im Heilerziehungsbereich ist anstrengend und fordert sowohl körperlich als auch geistig. "Da muss man Heimbewohner waschen, sie hochheben, mit auf die Toilette gehen", zählt Eva auf. Sie spricht aus eigener Erfahrung, denn bevor sie diese Ausbildung angetreten hat, hat sie ein soziales Jahr im Behindertenheim abgeleistet.

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Nicht auf die leichte Schulter nehmen


Obwohl Berufsanwärter natürlich Freude am Umgang mit Menschen haben müssen, sind auch gute Noten wichtig. Der mittlere Bildungsabschluss wird mindestens vorausgesetzt. "Bei einer Drei in Deutsch und Englisch kommen schon schiefe Blicke", sagt Eva. Die Berufsschule selbst ist ebenfalls nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Dabei besucht man ein- bis zweimal die Woche spezielle Fachakademien und lernt das theoretische Handwerk in verschiedenen Fächern. Die Ausbildung dauert fünf Jahre. Sie beginnt mit zwei Vorpraktikumsjahren. Das erste kann entweder in einem Kindergarten oder einer Krippe abgeleistet werden, das zweite in einer Krippe oder einer anderen heilpädagogischen Einrichtung, wie einem Kinder- oder Behindertenheim. Auf diese zwei Jahre folgt die Prüfung zur Kinderpflegerin. Ist die bestanden, folgen zwei Jahre Vollschule und danach die Prüfung zur Erzieherin. Hat man es bis zu diesem Punkt geschafft, leistet man noch ein Jahr Berufspraktikum ab. Die allgemein verbreitete Berufsbezeichnung "Kindergärtnerin" ist übrigens veraltet. Aber nicht nur die Bezeichnung hat sich geändert. Dieser Beruf ist dem gesellschaftlichen Wandel sehr stark unterworfen. "Es gibt heutzutage viel mehr Patchwork-Familien und Scheidungskinder als früher", sagt Schwester Teresa, die Kindergartenleiterin in Aiterhofen. Da werde man oft mit anderen Konflikten konfrontiert als früher. "Manchmal müssen wir in unserem Beruf für die Kinder eine Konstante sein, die sie anderswo nicht haben."

Sabrina spielt gerne mit den Kindern.

Sabrina spielt gerne mit den Kindern.

Trotz aller Modernität sind Männer aber immer noch Mangelware. "Es interessieren sich höchstens in Einzelfällen mal Männer für diesen Beruf. Überwiegend kommen Frauen zu uns", bestätigt Monika Wagner, Teamleiterin der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Deggendorf. Etwas, was sich - wie Sabrina und Eva finden - dringend ändern müsste. "Es gibt oft Vorurteile, wenn ein Mann als Erzieher arbeitet. Hier sollte auch für Männer Gleichberechtigung gelten", findet Sabrina. "Die Kraft von Männern könnten wir oft dringend brauchen", fügt Eva hinzu. Aber nicht nur auf Kraft kommt es an. "Für mich ist es wichtig, dass Bewerber Pflichtbewusstsein und Konsequenz mitbringen, gepaart mit der Liebe zum Kind", stellt Schwester Teresa heraus. Man müsse sich in das Gegenüber hineinversetzen können, offen und flexibel sein. Ungeduld und Egoismus seien dagegen fehl am Platz. Die beiden 18-jährigen Mädchen haben diese Ansprüche erfüllt. "Ich finde es toll, wie wir an der Entwicklung der Kinder teilhaben können", sagt Sabrina. Und Eva fügt hinzu: "Durch unsere Arbeit mit Menschen erleben wir immer Abwechslung. Und was wir von ihnen zurückbekommen, ist unbeschreiblich."

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