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Artikel vom 01. März 2012 17:07, 272 mal gelesen

Held im Hintergrund

Wie werde ich Film-Stuntman?

Keine Angst: Damit dem Stuntman bei solchen Feuerstunts nichts passiert, trägt er vorher eine feuerabweisende Paste auf, das sogenannte "Water Gel". (Bild: Peter Brandstätter, BvS)

Keine Angst: Damit dem Stuntman bei solchen Feuerstunts nichts passiert, trägt er vorher eine feuerabweisende Paste auf, das sogenannte "Water Gel". (Bild: Peter Brandstätter, BvS)

Von Julia Gabauer

Fliegende Fäuste, durchgehende Pferde und ganz nebenbei explodiert noch ein Auto. Solche Szenen fesseln die meisten Zuschauer an den Kinosessel. Aber wenn es auf der Leinwand raucht und knallt, sind die Schauspieler nur selten zu sehen. Die gefährlichen Auftritte übernehmen trainierte Stuntleute. Sie haben gelernt, in brenzligen Situationen die Nerven zu behalten. Freistunde hat nachgeforscht: Wie wird man Film-Stuntman?

"Diese Arbeit ist voller Action und geeignet für Leute, die den Nervenkitzel und das Adrenalin gernhaben", sagt Film-Stuntman Erik Markus Schütz aus Straubing, der schon in Filmen mit Jackie Chan und Sylvester Stallone zu sehen war. Übermut und Angst sind jedoch fehl am Platz. Er liebe das Riskio, aber es sei wichtig, jeden Stunt vorsichtig anzugehen und vor dem Drehen mehrmals zu prüfen. "Man sollte sich im Klaren sein, dass man ganz besonders genau und präzise arbeiten muss, um Gefahren und Unfälle zu vermeiden", betont er.

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Der Bundesverband deutscher Stuntleute (BvS) beschreibt den Stuntman als "Double von Schauspielern in riskanten Szenen". Einen staatlich vorgegebenen Ausbildungsweg gibt es dafür nicht. Grundvoraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. In der Praxis haben sich einige Vorberufe als nützlich erwiesen, zum Beispiel aus dem technischen, sportlichen oder handwerklichen Bereich. Auch ein Studium wie das der Kunst- oder Geisteswissenschaften ist förderlich.

Aus dem Fenster fallen und dabei gut aussehen
Ein Stuntman sollte viele Fähigkeiten mitbringen. Ohne eine hohe körperliche Fitness, eine gute Auffassungsgabe und Teamgeist kommt er kaum aus. Schnelles Reaktionsvermögen ist ein Muss. Und Fremdsprachen? Die sind vorausgesetzt! Auch Schauspielerei gehört dazu. Immerhin geht es nicht einfach nur darum, aus einem Fenster zu fallen, es soll auch gut aussehen. In der Anfangszeit des Films übernahmen es einige Schauspieler noch selbst, die gefährlichen Szenen auszuführen. Mittlerweile ist es umgekehrt: Der Film-Stuntman übernimmt in seiner speziellen Szene die Rolle des Schauspielers unter den besonderen Stuntbedingungen.

Ein bestimmtes Berufsrisiko bleibt dabei natürlich nicht aus. "Kleinere Verletzungen wie Schürfwunden sind nicht selten", räumt Erik Markus Schütz ein. "Aber ernsthaft verletzt habe ich mich noch nie." Schutzausrüstung und Spezialeffekte wie Green Screen und CGI spielen eine große Rolle. Sie können die Arbeit eines Film-Stuntmans erleichtern und manche Stunts nach mehr aussehen lassen, als sie sind. Letzten Endes entscheidet aber immer der Stuntman selbst, ob er einen Stunt durchführt oder nicht. "Solange die Planung stimmt, würde ich generell alles versuchen. Außen an einem Helikopter dranhängen wäre mal cool", sagt der Profi.


Ein Zwölf-Stunden-Tag und Filmstars als Kollegen
Wer sich dazu entschließt, in den Stuntbereich einzusteigen, kann das auf mehrere Arten tun. Viele Berufsanwärter besuchen private Lehrgänge oder bringen sich selbstständig einiges bei. Das bestätigt auch Schütz: "Ich trainiere seit meiner Jugend mit Gewichten und Kampfsport und habe mich in vielen Bereichen selbst ausgebildet." Stuntschulen mit Ausbildungskursen wie Akrobatik und Fechten gibt es zwar, allerdings haben sie unterschiedliche Aufnahmebedingungen und kosten zwischen 1500 und 2000 Euro pro Ausbildungsjahr. Auch private Kontakte können in dieses Business führen.

An Jobs kommt ein Stuntman ähnlich wie ein Schauspieler: Er geht zu Castings, zeigt, was er kann und idealerweise heuert ihn die Produktion an. Nach der muss sich ein Stuntman auch richten, wenn es um die Arbeitszeit geht. Die kann zu jeder Tages- und Nachtzeit, Sommer wie Winter sein. Der BvS veröffentlicht auf seiner Webseite Gagenrichtlinien, um eine angemessene Bezahlung sicherzustellen. Als freiberufliche Künstler bekommen Stuntleute 750 bis 900 Euro Tagesgage. Ein Drehtag bedeutet dabei zwölf Stunden Arbeit. Dauert der Dreh länger, gibt es pro Stunde 100 Euro Zuschlag.

"Film ist mein Leben"
Der Alltag eines Film-Stuntmans ist also alles andere als alltäglich. Er arbeitet unregelmäßig, ist viel und oft im Ausland unterwegs und steht häufig unter Zeitdruck. Außerdem muss er ständig dazulernen und sich weiterbilden, um für seinen Beruf fit und konkurrenzfähig zu bleiben. Das erfolgt einerseits während der Arbeit und andererseits eigenständig. "Learning by doing" heißt die Stuntman-Devise. Dafür bringt der Beruf aber auch gewisse Vorteile. Zum Beispiel Filmstars privat kennenlernen und am Gesamtprodukt Film mitarbeiten, das sein Publikum begeistert. Darum sollte ein Stuntman Leidenschaft für den Film mitbringen. Oder wie Erik Markus Schütz es sagt: "Film ist mein Leben. Das war es schon immer."

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