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Artikel vom 03. February 2012 03:03, 538 mal gelesen

Mit 17 sein eigener Chef sein

Christian Mainka leitet eine Computerfirma

Christian hat sich seine Firma von Grund auf selbst aufgebaut.

Christian hat sich seine Firma von Grund auf selbst aufgebaut.

Von Tanja Pfeffer

Paket über Paket stapelt sich in der kleinen weißen Küche in Wiesenfelden. An dem runden Esstisch sitzt ein blonder Junge in einem weißen T-Shirt mit seinem Firmenlogo auf der linken Brust. Christian Mainka ist gerade mit dem Mittagessen fertig, schon klingelt das Telefon. Mit einem Mitarbeiter eines Logistikunternehmens klärt er verschiedene Liefertermine. Dabei ist der 17-Jährige energisch. "Dass meine Kunden zufrieden sind, ist mir sehr wichtig. Wenn da Liefertermine nicht eingehalten werden, kann ich sehr unbequem werden." Christian ist Geschäftsführer des IT-Unternehmens "Mainkas-Multimediaservice".

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Etwa 300 Emails werden täglich abgearbeitet

Mit diesem Anruf beginnt heute Christians "Arbeitstag". "Etwa 300 Emails bearbeite ich täglich", erzählt Christian. "Darunter sind Bestellungen, Anrufbenachrichtungen und viele Newsletter." Dabei achtet der junge Wiesenfeldener auf Professionalität. Wer in Wiesenfelden anruft, landet erst in einem Callcenter in Berlin. "Wir haben diese Rufumleitung eingeführt, weil die Kundenanrufe zu Hause überhandgenommen haben", erklärt Christian. Für jeden Anruf bekommt er eine Benachrichtung und arbeitet diese am Nachmittag ab. Da werden Zahlungseingänge geprüft, mit Kunden telefoniert, Rechnungen geschrieben und nach neuen Produkte gesucht. "In dieser Branche gibt es fast täglich neue Sachen." Darüber informiert sich Christian über verschiedene Newsletter. "Zudem habe ich Geschäftskontakte zu verschiedenen IT-Firmen", erklärt der Jungunternehmer.

Rundum-Service für Multimedia
Aufgebaut hat sich Christian seine Firma von Grund auf selbst: Vom Internetauftritt bis zum Onlineshop hat er alles selbst programmiert und gestaltet. Das habe ich mir selbst beigebracht", sagt Christian. Und was er nicht wusste, hat er in diversen Internetforen abgefragt. Heraus kam ein "Rundum-Service für Computer, Fernseher, Hi-Fi und mehr", wie auf seiner Visitenkarte zu lesen ist.

Angefangen hat Christian vor etwa drei Jahren mit Sammelbestellungen auf Amazon. "Ich wollte die Versandkosten sparen. Also habe ich in meiner Klasse sämtliche Bestellungen gesammelt und abgewickelt", sagt Christian. Später hat er sein Taschengeld als Zwischenhändler aufgebessert. Der 17-Jährige hat Laserpointer aus China importiert und über seinen Shop weiterverkauft. Gelagert werden die Pakete in seinem Kinderzimmer. Heute würde das nicht mehr gehen. Etwa 200 000 Artikel hat er im Sortiment. "Da müsste ich in einem Hochregal schlafen. Ich habe meine Produkte bei externen Firmen ausgelagert oder fordere sie erst bei Bestellung an", erklärt Christian.

Seit Oktober 2010 ist aus dem Hobby Ernst geworden. Das Gewerbe läuft offiziell über seinen Vater, die Generalvollmacht aber liegt bei Christian. "Das heißt, dass ich alle Verträge selbst unterzeichnen darf." Seine Eltern haben dabei keine Bedenken. So lange er keinen Blödsinn macht, lassen sie ihm freie Hand. Im Gegenteil: Sie sind stolz auf den Ehrgeiz ihres Sohnes. Deshalb wird die Firma demnächst auch ganz auf Christian überschrieben.

Christians Vater arbeitet übrigens auch in dieser Firma - als Logistikmitarbeiter verpackt er die Sendungen vorschriftsgemäß. Eine Vater-Sohn-Firma der anderen Art also. Christians ist mit seiner Firma so erfolgreich, dass er - zusammen mit seinem Vater - den Lebensunterhalt seiner Familie finanzieren kann.

Auch ein guter Schulabschluss ist für Christian wichtig

Wichtiger als seine Arbeit sind Christian aber gute Noten in der Schule. Der Zehntklässler macht in diesem Jahr die Mittlere Reife an der Ludmilla-Realschule in Bogen. Lernen und arbeiten bekommt er dabei gut unter einen Hut: "Mit zuverlässigen Partnern und einem gut strukturieren Tagesplan ist das kein Problem", sagt der 17-Jährige. Anderen Hobbies oder eine Freundin hat Christian nicht: "Die Firma ist mein Hobby! Langsam geht's ans Eingemachte."

Dennoch achtet Christian darauf, dass er sich am Wochenende etwas Zeit freischaufelt. "Ich bin unter der Woche jeden Tag von 6 Uhr bis 20 Uhr am Lernen oder Arbeiten, da spanne ich am Wochenende etwas aus." Zu lange kann ein Geschäftsführer seine Firma aber nicht alleinelassen. "Als ich eine Woche auf Klassenfahrt war, ist hier das Chaos ausgebrochen", erzählt Christian und schmunzelt.

Was er nach der Schule macht, weiß Christian schon genau: Er hat ein Jobangebot eines internationalen IT-Unternehmens bekommen. Dort startet er - ohne Ausbildung - in einer Führungsposition. Sein Unternehmen wird er trotzdem noch weiterführen. Wie er das schaffen wird? "Auch das ist nur eine Frage der Organisation."

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