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Artikel vom 08. January 2013 10:17, 272 mal gelesen

Schülerprojekt

„EssBar“ soll Bares abwerfen

Zehntklässler aus dem Landkreis Cham gründen eine eigene Firma und eröffnen ein Schülercafé

Autor: Kerstin Weinzierl
Sie haben ihre eigene Firma gegründet: Die Schüler der Klasse 10bM der Mittelschule Roding sind stolz auf ihre "EssBar". (Foto: Weinzierl)

Sie haben ihre eigene Firma gegründet: Die Schüler der Klasse 10bM der Mittelschule Roding sind stolz auf ihre "EssBar". (Foto: Weinzierl)

Roding/Landkreis Cham. Sie arbeiten. Vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss. Jeder hat einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Ihre Motivation? Die eigene Firma. Ihre Geschäftsidee? Ein Schülercafé. 21 Jugendliche der Klasse 10 bM der Mittelschule Roding haben zu Beginn dieses Schuljahres eine Schüler-GmbH gegründet und stecken seitdem viel Herzblut in das Unternehmen. Der Gewinn, den sie - hoffentlich - erwirtschaften, soll am Ende des Schuljahres in ihre Abschlussfahrt in die Toskana fließen.

Zwei Monate es ist nun her, dass die "EssBar" an der Grund- und Mittelschule Roding eingeweiht wurde. Zusammen mit ihrem Klassenlehrer Josef Baumann und Förderlehrer Siegfried Martinitz haben die Schülerinnen und Schüler ein Geschäftsmodell entwickelt, es nach wochenlanger Planungsphase in den Lehrplan der zehnten Klasse integriert und in die Realität umgesetzt.

Ein Blick zurück: Viele bürokratische Hürden müssen im Vorfeld überwunden werden: die Ausarbeitung eines detaillierten Geschäftsplans mit Zielsetzungen, Organisation und Kapitalplanung, die Erstellung einer Satzung, der Vertragsabschluss mit der Schulleitung, der Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Bei der Gründungsversammlung wählen die 21 Gesellschafter, alle Schüler der Klasse 10bM, ihre Geschäftsleitung: Kristina Goza und Andreas Kaiser. Die beiden sind es dann auch, die die Bewerbungsgespräche führen. Sie sichten die eingereichten Bewerbungsunterlagen (jeder Schüler der Klasse musste sich bewerben) und besetzen die einzelnen Abteilungen: Einkauf, Marketing/Deko, Produktion, Finanzen und Personalabteilung. Für das Café wird ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss der Schule umgestaltet, die benötigten Elektrogeräte und Möbel stiften Firmen und Privatpersonen. Die Marketingabteilung wird aktiv, sucht einen Namen für das Café, entwirft ein originelles Logo - "EssBar - Wohlfühloase der Grund- und Mittelschule Roding" - und rührt die Werbetrommel. Um die Kundenwünsche in Erfahrung zu bringen, wird eine Marktanalyse durchgeführt: An alle Klassen der Schule werden Fragebögen verteilt und ausgewertet. So entsteht ein Speiseplan ganz nach den Bedürfnissen der Schüler.

Das Schülercafé wird auf drei Standbeine gestellt: den Verkauf "Schüler für Schüler" vor Unterrichtsbeginn und in der Mittagspause, das Angebot für Lehrer (Kaffee und hin und wieder Kuchen werden ins Lehrerzimmer geliefert) sowie das Catering bei Schulveranstaltungen wie Weihnachtsfeiern oder Elternabende.

So sieht das Logo des Schülercafés aus.

So sieht das Logo des Schülercafés aus.

Disziplin und Arbeitseifer

Für den Verkauf erstellt die Personalabteilung einen Arbeitsplan: pro Schicht zwei Schüler. Diese bereiten die Speisen zu, verkaufen, rechnen ab und räumen auch wieder auf. Die beiden Geschäftsführer haben inzwischen die Erfahrung gemacht, dass nicht alle "Mitarbeiter" mit dem gleichen Eifer dabei sind. Hier ist das Geschick der Geschäftsleitung gefragt: Disziplin und Arbeitseifer einfordern, dabei aber die Kritik in motivierende Worte kleiden. "Da steht man manchmal bei seinen Mitschülern schon als der Buhmann da, das ist gar nicht so einfach", erzählt Kristina. Doch sie ist sich zusammen mit Andreas einig: Es macht trotz allem viel Spaß, in seiner eigenen Firma zu arbeiten.

Ort zum Wohlfühlen

Welche Bilanz zieht die Geschäftsleitung zwei Monate nach der Gründung des Unternehmens? "Es läuft super!" Schüler wie Lehrer sind gleichermaßen von dem Schülercafé begeistert. Den jungen Unternehmern ist es gelungen, einen Ort des Zusammentreffens zu schaffen, an dem sich die Schüler wohlfühlen. Zu einem Renner hat sich inzwischen das überbackene Schinken-/Salami-Baguette entwickelt. Zufriedene Kunden, eine gut laufende Firma, die schwarze Zahlen schreibt - was wünscht man sich als Jungunternehmer mehr? Spätestens bei der Abschlussfahrt in die Toskana darf gefeiert werden.

Kommentare zum Artikel


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von rundbogen am 09. January 2013 10:46
Gute Idee

Die Idee gefällt mir persönlich sehr gut. Ich finde, solche Projekte sollten Schüler öfter angehen. Vor allem wird doch oft gejammert, dass die Schuleigene Kantine nicht gut ist - so kann man das Problem ...mehr doch gewinnbringend lösen. weniger

Antworten Lesenswert (9)

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