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Artikel vom 02. Oktober 2012 16:29, 127 mal gelesen

Trendsport: Dragsterfahren

Er schafft 200 Meter in 8,3 Sekunden

Pirmin Schmid ist Dragster Junioren-Europameister – In der nächsten Saison warten 2 300-PS-starke Motoren auf ihn

Ein erfolgreiches Team: Pirmin und sein 72 PS starker feuerroter Dragster. (Foto: Kerstin Weinzierl)

Ein erfolgreiches Team: Pirmin und sein 72 PS starker feuerroter Dragster. (Foto: Kerstin Weinzierl)

Seinen Namen hat Pirmin Schmid einem der erfolgreichsten Skirennfahrer aller Zeiten zu verdanken, dem Schweizer Pirmin Zurbriggen. Seine Eltern verfolgten dessen spektakuläre Rennen in den 80er Jahren, heute fiebern sie mit ihrem eigenen Sohn mit. Denn genauso wie sein Namensvetter liebt der 16-jährige Pirmin Schmid die Geschwindigkeit. Die Herausforderung sucht er allerdings nicht auf Skiern, sondern in einem feuerroten Dragster. Mit seinem 72 PS starken Geschoss schafft er die Achtelmeile (rund 200 Meter) in 8,3 Sekunden.
In Atzenzell, einem idyllischen Ort im westlichen Landkreis Cham, ist Pirmin zu Hause. Hier steht, auf Hochglanz poliert, sein liebstes "Spielzeug": In einer kleinen Halle wartet sein Dragster auf das nächste Rennen. Daneben thront das 2 300-PS-starke Gefährt seines Vaters, selbst ein passionierter Motorsportfreund. Mit diesem Dragster seines Vaters möchte Pirmin, so sein großes Ziel, im nächsten Jahr um die Siege kämpfen. Dann wird er Geschwindigkeiten um die 360 Stundenkilometer erreichen.

Ein ferngesteuerter Dragster unterm Weihnachtsbaum

Angefangen hat alles vor fünf Jahren mit dem Besuch eines Dragster-Rennens zusammen mit seinem Vater. Von der ersten Sekunde an war der damals Elfjährige von diesem Sport fasziniert. Er war sich sicher: "Das will ich auch machen!" Mit einem ferngesteuerten Mini-Dragster als Weihnachtsgeschenk glaubte Pirmin`s Vater, die Leidenschaft seines Sohnes für diese Sportart auf einfache Weise stillen zu können. Doch weit gefehlt! Pirmin gab keine Ruhe und so stand im Jahr darauf ein echter Dragster unterm Weihnachtsbaum. Es dauerte nur wenige Monate, da war auch Pirmins Vater so "verrückt", sich ebenfalls einen Dragster zu kaufen und selber Rennen zu fahren.

Warum gerade dieser Sport? "Weil es sonst keiner macht", meint Pirmin, der auch leidenschaftlich Downhill fährt, auf Wakeboard und Snowboard steht oder zu Pfeil und Bogen greift. Er ist einer von deutschlandweit nur sechs oder sieben Dragster-Fahrern, die in seiner Altersklasse (Junior-Nationals) an den Start gehen. Und dann ist da natürlich noch die Beschleunigung, erzählt Pirmin mit einem Leuchten in den Augen. Er fährt die Achtelmeile (rund 200 Meter) in 8,3 Sekunden.

Schon viele Male stand Pirmin ganz oben auf dem Treppchen. Die Pokalsammlung wird immer größer.

Schon viele Male stand Pirmin ganz oben auf dem Treppchen. Die Pokalsammlung wird immer größer.

Ein zeitlicher und finanzieller Kraftakt

Trainingsmöglichkeiten gibt es keine. "Du kaufst dir einen Dragster, meldest dich zu einem Rennen an und schaust, was dabei rauskommt." Der Rennleiter entscheidet, ob du zu weiteren Rennen zugelassen wirst. Und bei Pirmin lief es gleich in seiner ersten Saison überraschend gut: Er holte sich den dritten Platz bei der Junioren-Europameisterschaft. Sein bislang größter Erfolg war der Europameistertitel im vergangenen Jahr.

Etwa fünf Rennen fährt Pirmin pro Saison, in Deutschland und Europa. Für die Familie ein zeitlicher und finanzieller Kraftakt. Zu den Rennen wird der Schüler der Maristen-Realschule Cham freigestellt, dennoch schafft er es vor allem aus zeitlichen Gründen nicht, bei allen Rennen um die Deutsche Meisterschaft an den Start zu gehen. "Für ein Rennen schnell mal an die Nordsee hochzufahren, ist einfach nicht drin", meint Pirmin mit etwas Wehmut in der Stimme. Denn genau diese Punkte gehen ihm dann bei der Gesamtwertung ab und kosteten ihn im vergangenen Jahr sogar den Titel um die Deutsche Meisterschaft. Heuer zählen die "NitrOlympX" am Hockenheimring im August zu seinem größten Erfolg: Er holte sich den zweiten Platz beim Rennen um die Deutsche Meisterschaft.

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Pirmins großes Ziel: die Competition-Klasse

Pirmins großes Ziel ist es, in der kommenden Saison mit dem Dragster seines Vater in der Competition-Klasse, der höchsten Amateurklasse, an den Start zu gehen. Damit würde er auf Anhieb fünf Wettkampfklassen überspringen. In der Competition-Klasse ermöglichen Motoren mit einer Leistung von 2 300 PS eine Beschleunigung gleich einem Düsenjet. Nicht umsonst wird das Drag-Racing als der schnellste, spektakulärste Motorsport der Welt bezeichnet. Das O.K. des Rennleiters hat Pirmin bereits in der Tasche, auch sein Vater macht sich keine Sorgen um seinen Sohnemann. Er vertraut ihm zu 100 Prozent. Lediglich die Mutter hat noch Bedenken. Zwar hatte ihr Sohn bisher noch keinen Unfall, doch ist die Gefahr bei 2 300-PS-starken Motoren natürlich weitaus größer. Pirmin selbst kennt keine Angst, er möchte endlich das Gefühl erleben, von dem sein Vater schwärmt: "In den ersten zwei Sekunden weißt du gar nicht, was los ist!"

Nach jedem Rennen wird der Motor komplett zerlegt

Sollte Pirmin im nächsten Jahr in der Competition-Klasse fahren, wird ihm sein Vater dessen Dragster überlassen, statt selber Rennen zu fahren, und sich mit einem sechsköpfigen Team aus Mechanikern und Freunden um den Motor kümmern. Nach jedem einzelnen Rennen, sprich nach 400 Metern, ist der Motor im Eimer und muss komplett zerlegt und neu zusammengeschraubt werden.
Außerdem wird künftig auch Pirmins achtjähriger Bruder Timo die Unterstützung des Vaters brauchen. Er möchte nächstes Jahr erstmals bei den Junior-Nationals an den Start gehen. Den Rennwagen stellt ihm leihweise der BDRC, Deutschlands größter Dragster Club, zur Verfügung. Auch die 18-jährige Schwester Verena ist vom Dragster-Virus infiziert und besitzt seit drei Jahren die Lizenz für die Juniorenklasse. Vielleicht tourt ja die Familie Schmid im kommenden Jahr mit drei Rennwagen an Bord quer durch Deutschland und Europa.

Von Kerstin Weinzierl


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