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Artikel vom 06. September 2012 14:03, 172 mal gelesen

Mit 100 durch den Eiskanal

Der 18-jährige Philipp Mölter fährt Bob – und war schon bei Olympia

Das ist nichts für Angsthasen: Mit mehr als 100 Stundenkilometern, wenige Zentimeter über dem Eis, rast Phillip durch den Eiskanal.

Das ist nichts für Angsthasen: Mit mehr als 100 Stundenkilometern, wenige Zentimeter über dem Eis, rast Phillip durch den Eiskanal.

In seiner Freizeit rast Philipp Mölter mit mehr als 100 Stundenkilometern durch den Eiskanal. Zehn Jahre lang ist er Skeleton gefahren, seit eineinhalb Jahren fährt er Bob. Im Winter hat der Bobpilot mit gerade mal 18 Jahren an den Olympischen Winterspielen der Jugend in Innsbruck teilgenommen. Jetzt hat Philipp Abitur gemacht, im Oktober beginnt er ein Studium in Rosenheim - die Hochschule kooperiert mit dem Münchner Olympiastützpunkt. Denn seinen Sport will er unbedingt weitermachen.

Philipp Mölter kommt aus Velden in Niederbayern - nicht gerade die Hochburg des Winter- und Eissports. Deshalb hat er schon nach der siebten Klasse den ersten Schnitt gemacht: Er hat das Gymnasium in Vilsbiburg verlassen und ist auf die Christophorus-Schule in Berchtesgaden gewechselt, eine Eliteschule des Sports. Der junge Bobpilot hat sich damit klar für seinen Sport entschieden. Das hat sich ausgezahlt: Bei den Olympischen Winterspielen der Jugend erreichte er mit seinem Anschieber Richard Oelsner den sechsten Platz.

Kopf voran den Berg hinunter

Die Teilnahme bei der Jugend-Olympiade war ein Coup: Damals war Philipp Mölter erst knapp über ein Jahr lang Bob gefahren. Erfahrung im Eiskanal hatte er dennoch: Vorher war der 18-Jährige Skeletonfahrer. Bäuchlings, den Kopf voran, wenige Zentimeter über dem Eis, raste er die Bahnen hinunter. Angst darf man da nicht haben. Die hat er auch nicht. Mit dem Skeletonfahren hat er mit sieben Jahren angefangen. Mit seinem Vater, der ebenfalls Bob fuhr, als Anschieber, ging er zu einem Probetraining der Bobabteilung des BSC München. "Ich war von Anfang an begeistert", erzählt er. Die Geschwindigkeit, das Risiko, der Kick eben, das war aufregend. Etwas ganz anderes als andere Sportarten.
Er kann das beurteilen, er hat schon immer gern und viel Sport gemacht: Fußball, Leichtathletik, im Tennis spielte er sogar in der Bezirksliga. Doch Skeleton betrieb er leidenschaftlich, es wurde immer mehr. Und immer aufwendiger. In Niederbayern konnte er schlecht trainieren, also ging es jedes Wochenende zum Training nach Berchtesgaden. Irgendwann wurde es zu viel, noch dazu neben der Schule. Die Frage war: mehr trainieren oder den Sport aufgeben? Philipp entschied sich für den Sport und damit für den Schulwechsel. Nur so konnte er seinen Sport vernünftig in seinen Alltag integrieren.
Sechster Platz bei Olympia, das Abitur in der Tasche, jetzt will Phillip Mölter erst mal studieren - neben dem Sport.

Sechster Platz bei Olympia, das Abitur in der Tasche, jetzt will Phillip Mölter erst mal studieren - neben dem Sport.

Ein gewöhnlicher Schultag beginnt um 7 Uhr mit Frühstück, "das lassen die meisten Sportler aber ausfallen", sagt Philipp lachend. Bis 13 Uhr ist Schule, dann Mittagspause. Ausgerechnet während der Qualifikation für Olympia kam noch Nachmittagsunterricht bis 16 Uhr dazu. Selbst in dieser Schule gibt es beim G 8 für Sportler keine Ausnahme. Von 17 bis 20 Uhr ist Training, anschließend ist Zeit, um für die Schule zu lernen. Für Philipp ist in seinem letzten Schuljahr einiges zusammengekommen: viel Unterricht, die Qualifikationsrennen - und das Abitur. Ab Anfang Oktober war der 18-Jährige unterwegs, um sich für Olympia zu qualifizieren. Drei Wochen lang hatte er dreimal täglich Training. "Von den fünf Piloten sind zwei schon in den ersten zwei Wochen rausgeflogen." Er war weiterhin dabei.

Vom Skeleton zum Bob

Dabei war er erst gut ein Jahr zuvor von Skeleton auf Bob umgestiegen. Als der Landestrainer ihn 2010 fragte, ob er es nicht mit dem Bob versuchen wolle, zögerte Philipp nicht. "Ich wollte immer schon Bob fahren." Doch bislang war er dafür zu jung; das war erst ab 18 erlaubt, weil die körperliche Belastung, zum Beispiel für die Wirbelsäule, sehr hoch ist. Mittlerweile darf man mit 16 Bob fahren. In der vorletzten Saison hat Philipp Mölter daher beides gemacht: Bob und Skeleton. Er war auf allen Skeleton- und vielen Boblehrgängen, die jeweils mehrere Tage dauern.

Qualifikation für Olympia

Teilweise ist er von einem direkt zum anderen gefahren. Das Training hat sich gelohnt. Bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele ging es für drei Piloten in Innsbruck weiter, auch für Philipp. Er fuhr bei zwei Rennen auf den ersten und zweiten Platz. Bei den anschließenden Rennen in Winterberg kam er auf den vierten und sechsten Platz. Das reichte. "Ich hatte da schon wesentlich mehr Punkte zusammen als die anderen deutschen Piloten", sagt Philipp. Geschafft: Olympia! "Ich habe mich gefreut wie ein Schnitzel." Wenn Philipp Mölter von den Winterspielen der Jugend erzählt, leuchten seine Augen. Er berichtet vom riesigen Olympischen Dorf, von den vielen Nationen, die dort zusammenkommen und sich gut verstehen, von Freundschaften, die dort geschlossen werden und Olympia überdauern. Eine Medaille hat er am Ende nicht bekommen. Es lag wohl vor allem an den Kufen. Er hatte sich auf ein Schneerennen vorbereitet. Just am Wettkampftag schneite es aber nicht, es fror sogar wieder. "Und ich bin blöd dagestanden mit Schneekufen." Pech. Er gelangte so aber zu der Erkenntnis, dass dabeizusein viel wichtiger ist als der sportliche Wettkampf. "Der ist nur die Krönung am Ende."

Sport und Studium

Jetzt beginnt erst einmal ein weiterer Abschnitt. Ab Oktober studiert Philipp Mölter Mechatronik in Rosenheim. Das Abitur hat er trotz des Wettkampf-stresses gut hinbekommen. Die Hochschule hat er auf Anraten eines Laufbahnberaters des Olympischen Sportbunds gewählt; sie kooperiert mit dem Olympiastützpunkt München. So kann er seinen Sport auch neben dem Studium intensiv weiterbetreiben. Denn die Jugend-Olympiade war erst der erste Höhepunkt in der Karriere des Bob-Piloten. Als jugendlicher Leistungssportler kommt immer ein nächster Schritt, "man hat nie das Gefühl, etwas zu erreichen", sagt er. Jetzt hat er etwas erreicht. Aber: "Im Bob ist er noch ein Baby", sagt sein Vater. Bis 26 kann Philipp noch bei den Jugend-Winterspielen teilnehmen. Und dann kann die Erwachsenen-Olympiade kommen.
In der nächsten Saison stehen auch die Deutsche Meisterschaft und die Deutsche Juniorenmeisterschaft an. Außerdem sind Philipp Mölter und sein Vater dabei, ein Anschieberzentrum aufzubauen: Gemeinsam mit Sportleiter Werner Forster von der Turngemeinde Landshut wollen sie eine richtige Mannschaft zusammenstellen. Für alle, die künftig mit mehr als 100 Stundenkilometern einen Eiskanal hinabrasen wollen.

Von Katrin Filler

Bobfahren (2 Einträge)

 


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