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Artikel vom 01. März 2012 16:58, 433 mal gelesen

"Ich will Emma ein schönes Leben bieten"

Eine ungewollte Schwangerschaft hat das Leben der 16-jährigen Lisa von Grund auf verändert

Eine ungewollte Schwangerschaft ruft viele Fragen hervor.

Eine ungewollte Schwangerschaft ruft viele Fragen hervor.

Ein unscheinbares Haus in einer der unzähligen Gassen in Regensburgs Altstadt - hier ist das "Haus Mutter und Kinder" der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg untergebracht. Und dieses Haus, genauer gesagt ein kleines Appartement in der Einrichtung, ist seit knapp einem Jahr das Zuhause von Lisa (alle Namen von der Redaktion geändert). Lisa ist 16 Jahre alt und seit sechs Monaten Mutter einer kleinen Tochter. Heute hält sie die kleine Emma verliebt im Arm, strahlt sie an und drückt sie. Doch hinter Lisa liegt ein harter Weg.
"Früher wollte ich nur jedes Wochenende weggehen, Party machen und Spaß haben. Alles andere hat mich nicht interessiert", erinnert sich die 16-Jährige. Auch die Schule war nur Nebensache - nach der Hauptschule hat sie keine Lehrstelle gefunden und absolviert stattdessen das berufsvorbereitende Jahr an einer Berufsschule.

Im Februar letzten Jahres ändert sich das Leben von Lisa jedoch schlagartig. Über zwei Wochen ist dem jungen Mädchen ständig übel, sie muss sich übergeben und fühlt sich matt und antriebslos. Besorgt fragt sie ihre Oma, was denn mit ihr los sein könnte und die meint nur: "Entweder hast du dir einen Virus eingefangen oder du bist schwanger."

Ein Besuch beim Frauenarzt bestätigt den Verdacht: der Schwangerschaftstest ist positiv, Lisa ist bereits in der 14. Woche. "Zuerst war ich einfach nur geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal mit 16 Mutter werde. Außerdem hatte ich ja auch meine Periode weiter bekommen und hab überhaupt nicht zugenommen", erzählt die zierliche Blondine.

Vaterschaftsklage läuft
Der Vater? "Wir waren mal für vier Wochen zusammen und in dieser Zeit haben wir auch einmal ohne Verhütung miteinander geschlafen. Ich hab gedacht: das eine Mal passiert schon nix." Ein Fehler. Bis heute will der 17-Jährige nichts von seiner Tochter wissen, streitet sogar die Vaterschaft ab und derzeit läuft eine Vaterschaftsklage über das Gericht. "Ich will ihn überhaupt nicht mehr sehen, denn ich bin so sauer und enttäuscht, dass er sein eigenes Kind so verleugnet", sagt sie
Nach vielen bangen Momenten beichtet Lisa schließlich ihrer Mutter, was passiert ist. Und auch die ist erst einmal entsetzt. "Doch dann hat sie mir gesagt, dass sie mich auf jeden Fall unterstützen wird." Eine Abtreibung kam für Lisa sowieso nicht in Frage. "Das hätte ich einfach nicht übers Herz gebracht", sagt sie.

Faul und schlecht gelaunt
Doch dann fangen die Probleme erst an. Lisas Eltern leben getrennt, die 16-Jährige wohnt bei ihrer Mutter und deren neuen Partner. "Während der Schwangerschaft war ich einfach furchtbar drauf, ich war ständig schlecht gelaunt, faul und wollte einfach nichts tun", gibt sie zu. Viele Wochen habe sie gebraucht, um überhaupt zu realisieren, dass in ihrem Körper ein kleines Wesen heranwächst, für das sie nun Verantwortung übernehmen muss - und das ein Leben lang.

- - -gt; Hier gehts zu unserer Verlosung von "Teenagermütter" von Antje Diller-Wolff.
Die Streitereien mit dem Stiefvater nehmen überhand und irgendwann wird Lisa klar: "Ich muss hier raus." Mit Hilfe des Jugendamtes bekommt sie einen Platz im "Haus Mutter und Kind", das auch drei Plätze für minderjährige Schwangere und alleinerziehende Frauen ab 16 Jahren anbietet. Hier kommt sie zur Ruhe und mit den Wochen stellt sich auch die Vorfreude auf ihre Tochter ein. "Der Austausch mit den anderen Frauen hier, die Gespräche mit den Sozialpädagoginnen und die Unterstützung meiner Familie und einiger weniger Freundinnen haben mir sehr geholfen", sagt sie. Geholfen auch dabei, den Spott und das Gerede der anderen auszublenden. "Nicht jeder hat verstanden, dass ich das Kind unbedingt bekommen wollte. Viele haben gesagt, ich würde mir mein Leben verbauen", erinnert sie sich.

Ein fröhliches Kind
Doch das Gegenteil ist geschehen. Mittlerweile ist die kleine Emma ein halbes Jahr alt und in Lisas Leben hat sich vieles zum Positiven gewendet. "Emma ist ein sehr fröhliches und pflegeleichtes Kind, die Zeit mit ihr ist wunderschön", erzählt sie und strahlt. Ihre Tochter habe aus ihr einen anderen Menschen gemacht, denn nun wisse sie, worauf es im Leben ankommt. Partys und Alkohol seien ihr nicht mehr wichtig, obwohl sie es natürlich genießt, jedes zweite Wochenende mit ihren Freundinnen abends wegzugehen. Dann kümmert sich nämlich ihre Mutter um die Kleine und Lisa hat Zeit für sich. Auch um eine Ausbildungsstelle ab September will sich Lisa kümmern, am liebsten als Einzelhandelskauffrau. "Aber ich nehme das, was ich kriege, schließlich möchte ich Emma ein schönes Leben bieten", sagt sie.

In wenigen Wochen zieht Lisa sogar aus dem "Haus Mutter und Kind" aus in eine eigene kleine Wohnung. Und auch die Liebe ist in ihr Leben zurückgekehrt: Seit einigen Monaten hat die 16-Jährige einen neuen Freund, der Emma akzeptiert wie seine eigene Tochter. "Das ist der absolute Wahnsinn, ich hätte nie gedacht, dass ich so jemanden finde", strahlt Lisa. Und das möchte sie auch allen anderen mitgeben, die gerade in einer ähnlichen Situation sind. "Natürlich ändert sich erst einmal alles, wenn man ungeplant schwanger wird. Aber jeder sollte versuchen, etwas daraus zu machen", sagt sie. Jeder könne es schaffen, man bekomme überall Hilfe und es sei einfach schön, Mutter zu sein.
Von Eva Rothmeier

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