Intelligente Haustechnik im Trend
Im Interview: Markus und Christian Pohl, Pohl Elektrotechnik GmbH Roding.
Elektrotechnikermeister Markus Pohl. (Foto: Josef Heigl)
Photovoltaik-Anlagen und Hausinstallation sind die Schwerpunkte der seit mehr als 40 Jahren bestehenden Rodinger Firma Pohl Elektrotechnik GmbH. Der mittelständische Betrieb mit Elektrotechnikermeister Markus Pohl sowie Kaufmann und Elektrotechniker Christian Pohl sowie acht weiteren Mitarbeitern betreut Kunden in einem Einzugsgebiet bis nach München. Die beiden Geschäftsführer antworten auf Fragen der Chamer Zeitung/Rodinger Kurier:
Wie hat der Ausstieg aus der Atomenergie den Markt für regenerative Energien verändert?
Die Leute haben sich sehr für Photovoltaik interessiert und auch Investitionen getätigt.
Wie hat sich der Anspruch der Kunden an ihre Elektroinstallation daheim gewandelt?
Die Kunden nehmen die Vorzüge von Automatisierung und Netzwerktechnik gerne in Anspruch. Beispielsweise wird über ein zentrales Gerät vom Wohnzimmer aus alles mögliche gesteuert: Heizung, Lüftung, Beschattung, Beleuchtung. Wenn zum Beispiel ein Fenster offen steht, regelt sich die Heizung automatisch herunter. Und wer das Haus verlässt, kann über eine zentrale Steuerung überprüfen und regeln, wo Licht brennt, Geräte eingeschaltet sind oder Fenster offen stehen, ohne einen Raum betreten zu müssen. In Wetterfeld entsteht derzeit ein Musterobjekt mit LCN-Steuerung.
Wie ist der Stand der Förderung privater Anlagen derzeit?
Ab 1. Januar bekommt man 24,43 Cent je Kilowattstunde für die Einspeisung, 2010 waren es noch 28,74 , vor Jahren sogar fast 50 Cent. Doch nicht nur die Netzeinspeisung wird vergütet, auch der selbst verbrauchte Strom. Damit sparen die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen zusätzlich Stromkosten, die sie sonst an ihren Energieversorger hätten entrichten müssen.
Warum rentiert sich Photovoltaik auch 2012?
Die Anlagen sind beträchtlich günstiger geworden. Es gibt zehn Jahre Produktgarantie und als Leistung werden für eine Laufzeit bis 20 Jahre noch 80 Prozent garantiert.
Rechnen sich Wärmepumpen?
Wärmepumpen laufen schon seit 30 Jahren, die Technik wurde weiterentwickelt, doch das Produkt an sich wird zu wenig vermarktet. Das liegt daran, dass die Investitionskosten für ein Einfamilienhaus bei mindestens 10000 Euro liegen, und Gas- oder Ölbrenner wesentlich billiger sind. Gewisse Dienstleister können zudem mit Wärmepumpen weniger verdienen, was Wartung und Folgekosten betrifft. Die Quote für Wärmepumpen im Neubaubereich liegt in Deutschland bei nur 25 Prozent, in Österreich sind es 50, in der Schweiz gar 70 Prozent.
Warum ist die Gewinnung von Erdwärme so wenig verbreitet?
Bohrungen sind sehr teuer, Flächenkollektoren für Erdwärme günstiger, allerdings braucht man da mindestens 250 bis 300 Quadratmeter nicht überbaute Fläche. Diese Energiealternative ist bei uns eher etwas für Enthusiasten. Wer vordergründig die Effektivität im Auge hat, wird eher kein Geld für Erdwärme-Anlagen in die Hand nehmen.
Welche Rolle spielt die Natursteinheizung?
Natursteinheizungen sind tot. Sie tragen bei Neubauten nicht zum regenerativen Anteil bei. In Altbauten mag man eventuell eine solche Heizung dort einsetzen, wo vorher Speicheröfen standen. Oder mal im Badezimmer, um Handtücher zu trocknen.
Wo finden sie aus energetischer Sicht die größten Schwachstellen im Privathaus?
Klar bei Fenstern, Türen, Dach und im Keller. Oder wenn beispielsweise ein Kühlschrank schon 15 Jahre alt ist.
Als Elektrotechnik-Firma braucht man Fachleute. Finden Sie das Fachpersonal, das Sie brauchen?
Nein, definitiv nicht. Zwei bis drei Leute suchen wir im Jahr, aber weder das Arbeitsamt noch der freie Markt kann unseren Bedarf decken. In den letzten drei Jahren haben wir nur einen Lehrling bekommen. Realschüler wären von der Schulbildung her optimal für unsere Branche, ein guter Quali geht aber auch. Doch nicht wenige Bewerbungen weisen hier erhebliche Schwächen in Naturwissenschaften und Deutsch auf, und da ist man bei uns falsch.
Welche Wünsche und Anregungen haben Sie als Handwerksbetrieb an die Politik?
Die sprunghafte Veränderung der Förderfristen 2010 war ja erbärmlich. Es gab keine Planungssicherheit, die Art der Vorgabe aus der Politik war geradezu geschäftsschädigend. So etwas darf nicht wieder passieren!
Das Interview führte Josef Heigl.
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