Zukunftsthemen Neue Trends: Was kommt nach Hygge?

Was wird sich im Jahr 2018 ändern? Foto: ccvision.de

Nach all den Jahresrückblicken ist es an der Zeit, nach vorne zu schauen. Was bringt 2018, welche Trends verfestigen sich, welche poppen auf? Wir haben mit Tristan Horx vom Zukunftsinstitut in Frankfurt telefoniert.

Vor einem Jahr haben Sie im Gespräch mit der Freistunde den Hygge-Trend vorhergesagt. Mittlerweile gibt es Zeitschriften und viele Bücher, die uns diese dänische Glücksformel vermitteln wollen. Sie, Herr Horx, formulierten es so: Bei Hygge geht es um gemeinschaftliche soziale Wärme in Zeiten der Überdigitalisierung. Eine schöne Sache, sie wird sich hoffentlich weiterentwickeln?

Tristan Horx: Auf jeden Fall. Die skandinavische Kulturform der Achtsamkeit ist eine Tugend im vernetzten Zeitalter, die zum großen Bereich der Resonanz gehört. Resonanz bedeutet Widerhall. Wir wollen wahrgenommen werden, mitschwingen und letztlich zueinanderfinden. Oft ist es ja so, dass unser Gegenüber zumacht, nicht mehr erreichbar ist, wenn wir ihn oder sie ansprechen. In sozialen Netzwerken sind wir in Echokammern gefangen. Diese Resonanz macht uns Angst, davon müssen wir uns lösen und im persönlichen Miteinander offen sein. Die Technologie wird zwar immer besser, wir aber laufen Gefahr, das Menschsein zu verlieren.

Sind die sozialen Medien demnach mitverantwortlich für unsere Resonanzkrise?

Inzwischen wird Social Media mehr negativ als positiv gesehen. In diesen Netzwerken haben wir es letztlich nicht mit Menschen zu tun, sondern mit Algorithmen. Die lernen ständig hinzu, für uns sind die Prozesse dahinter nicht nachvollziehbar. Wir haben sie nicht im Griff. Social Media und Computerspiele sind gezielt auf unser Suchtverhalten hin programmiert: Aufmerksamkeit und Belohnung. Und die künstliche Intelligenz wird schlauer und schlauer, das ist schon teuflisch.

Wie können wir uns davon befreien?

Künstliche Intelligenz wird nicht das Ende der Welt bedeuten. Menschen sind Grenzübergänger, lernen dazu, was schadet, was hilft. Kritisches Hinterfragen bereitet uns auf die kommenden Super-Roboter vor. Wenn wir uns Momente der Klarheit, den Blick von außen verschaffen, dann gelingt das. Diesen digitalen Umgang sollten Kinder in der Erziehung erfahren, im Elternhaus und in der Schule durch Vermittlung von Medienkompetenz.

Lassen Sie uns nochmals einen Blick auf das menschliche Miteinander werfen. Welches Thema wird uns hier im nächsten Jahr begleiten?

Gesamtgesellschaftlich betrachtet das, was wir Gender Shift nennen. Es geht um die Zukunft der Geschlechterrollen. Das Geschlecht verliert an gesellschaftlicher Verbindlichkeit. Die Ehe für alle oder die Anerkennung des sogenannten dritten Geschlechts sind Beispiele. In Sachen Gleichstellung der Geschlechter herrscht gerade in der Arbeitswelt noch großer Nachholbedarf. Auch die #MeToo-Diskussion hat die Rolle der Frau, die Rolle des Mannes, wieder ins Rampenlicht gerückt. Zwar hat sich hier in den vergangenen Jahrzehnten viel Positives getan, doch muss man noch alte Muster, traditionelle Rollenbilder ausbügeln. Es gilt, den Gleichstellungsprozess zu Ende zu führen.

Einen Podcast über Zukunftsthemen gibt es hier: zukunftsinstitut.de/podcast.

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