Wegen "miserabler Umstände" Hunderte Flüchtlinge gehen in Deggendorf auf die Straße

Knapp 200 Asylbewerber jeder Altersgruppe gingen am Mittwochmorgen in Deggendorf auf die Straßen, um durch eine Demonstration ihren Unmut kundzutun. Foto: Regina Hölzel

Etliche Flüchtlinge aus Sierra Leone machten am Mittwochvormittag ihrem Ärger in Deggendorf Luft. Sie demonstrierten gegen die Zustände im Transitzentrum.

Bereits seit Freitag, 15. Dezember, sind insgesamt 209 Flüchtlinge aus Sierra Leone im Transitzentrum in Deggendorf in einen Streik getreten. Dieser Streik beinhaltet, dass die Kinder und Jugendlichen aus Protest den Unterrichtsbesuch sowie den Besuch des Deutschkurses verweigern. Der Grund: ihnen wird der Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen verwehrt. Die erwachsenen Bewohner unter den Streikenden verließen die Unterkunft nicht und bestreikten die 80 Cent-Jobs. Tags darauf, am 16. Dezember, begannen sie zudem mit einem Hungerstreik. Mit diesen Maßnahmen wollen die Flüchtlinge auf die ihrer Ansicht nach "miserablen Umstände" im Transitzentrum aufmerksam machen. Das Essen dort sei schlecht und auch die hygienischen Bedingungen wären inakzeptabel.

Lesen Sie hier, was die Flüchtlinge selbst zu ihrer Protestaktion sagen: "Wir sind Flüchtlinge, keine Feinde!"

Doch laut dem Bayerischen Flüchtlingsrat sind dies nicht die einzigen Gründe für den Streik und die Kundgebung. "Sie protestieren auch gegen die Ablehnung ihrer Asylanträge und die Abschiebung nach Italien", heißt es von Seiten des Flüchtlingsrates. Auslöser für den Protest sei offenbar die geplante Abschiebung eines Asylbewerbers aus Sierra Leone am vergangenen Freitag gewesen. Dies brachte das Fass wohl endgültig zum Überlaufen. Zwar wurde diese Abschiebung kurz vor Ultimo noch am Flughafen gestoppt, dennoch erklären die Flüchtlinge aus Sierra Leone in einem Statement geschlossen: "Wir suchen hier in Deutschland Schutz, wir wurden aber enttäuscht, anstatt beschützt". 

Am Mittwoch trugen die streikenden Asylbewerber aus Sierra Leone ihren Unmut also auch an die Öffentlichkeit. Sie demonstrierten mit entsprechenden Bannern auf den Straßen Deggendorfs. Kinder hielten Plakate mit der Aufschrift "Wir sind Flüchtlinge. Wir sind nicht Feinde" nach oben. Laut Polizei nahmen etwa 175 Personen an der Demonstration teil.

Der Protestmarsch sei friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Teilnehmern des mehrstündigen Protestmarsches waren auch Kinder. Eine 19 Jahre alte Schwangere musste laut Polizei nach einem Schwächeanfall ins Krankenhaus gebracht werden. Die Demonstration wurde von einheimischen Unterstützern begleitet. Von einigen Passanten war Unverständnis zu hören. "Jetzt beschweren sie sich, dass es ihnen hier nicht gut geht. Da hört's doch auf!", schimpfte eine Seniorin.

"Es geht um die Durchsetzung des Asylrechts"

Die Regierung von Niederbayern kann die Gründe für die Proteste nicht nachvollziehen. "Es geht um die Durchsetzung des Asylrechts. Die Kritik an der Unterbringung und Verpflegung ist vorgeschoben." heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Verpflegung sei die selbe, die es auch in der Kantine für Mitarbeiter der Regierung gebe. Außerdem werde auf die glaubensbedingten Einschränkungen der Flüchtlinge geachtet.

Auch die Kritik an den hygienischen Zuständen kann man seitens der Regierung nicht verstehen. "Alle Bereiche – insbesondere die Sanitäranlagen – werden zweimal täglich an sieben Tagen der Woche durch einen professionellen Reinigungsdienst gesäubert. Für die Reinigung ihrer Zimmer sind die Bewohner selbst verantwortlich."

Die Jugendlichen und Kinder werden laut Pressestelle der Regierung in der Unterkunft auch unterrichtet.

Seit Samstag sind die Asylbewerber im Hungerstreik. Die Kinder und Kleinkinder nehmen daran nicht teil. Auch an einem geplanten "Protestcamp" werden Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren nicht teilnehmen. Gesundheits- und Jugendamt sind vor Ort und haben die Situation im Blick.

Gegen 11.15 Uhr traf der Demonstrations-Zug vor dem Landratsamt Deggendorf ein. Von dort zogen die Teilnehmer über die Bahnhofstraße in Richtung Rathaus.

Den vollständigen Artikel lesen Sie auf idowa+ oder in Ihrer Tageszeitung vom 21. Dezember 2017.

3 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos