Umweltschutz Der Klimamönch – 12. Januar 2018

Der 1. Januar 2010 war für den Österreicher Edmund Brandner ein Neubeginn. Ein Jahr lang wollte der Journalist so viel CO2 wie möglich einsparen, um das Klima zu schützen. Darüber berichtete er in der Zeitung. Die Reaktionen darauf waren teilweise böse. Ein Interview über das Versuchen, Gewinn und Verzicht und Authentizität.

Herr Brandner, um die Klimaziele zu erreichen, also die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken, müsste jeder seinen CO2-Verbrauch um 80 Prozent reduzieren. Haben Sie das geschafft?

Edmund Brandner: Der durchschnittliche Österreicher oder Deutsche verursacht im Jahr elfeinhalb Tonnen CO2. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste jeder auf zweieinhalb Tonnen kommen. Vor meinem Fastenjahr, also 2009, habe ich mindestens 15 Tonnen erzeugt. Mein Ergebnis nach 2010, also dem Jahr als Klimamönch, waren etwa fünf Tonnen. Ich habe mein offizielles Ziel verfehlt. Trotzdem habe ich meine CO2-Bilanz um zwei Drittel reduziert. Ohne Gesetzesänderung oder ohne dass das Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt wurde.

Sind 80 Prozent möglich?

Das muss man von zwei Seiten sehen. Zweieinhalb Tonnen zu erreichen, ist für den Einzelnen extrem schwer. Mich ermutigt, dass man im Alleingang sehr viel erreichen kann. Wenn Gesetzgeber und Wirtschaft mitmachen, schafft man es. Es geht viel mehr, als man glaubt.

Hand aufs Herz: Ist CO2-Fasten Gewinn oder Verzicht?

Alle sprechen immer vom Verzichten, aber in Wahrheit gewinnt man. Das ist der Witz. „Was muss das für ein hundselendiges Leben sein, wenn wir so leben müssen, wie es die Klimaschützer verlangen“, habe ich mir gedacht. Ich hatte Angst vor der Geschichte, sonst wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen. Das Überraschendste war, dass die Lebensqualität im Großen und Ganzen steigt.

Inwiefern?

Man lebt langsamer und gesünder. Der Genuss spielt eine größere Rolle. Ich habe Rezepte von früher, als man noch nicht so viel Fleisch gegessen hat, wiederentdeckt. Wir kochen wieder mit der ganzen Familie. Ich habe angefangen, Tomaten zu züchten. Die Lebensqualität, die nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie gestiegen ist, ist das, was mich freut. Das hat mich positiv überrascht. Und das will ich gerne weitergeben.

Hat sich die Gesellschaft seit 2010 verändert?

Die Menschen haben wieder Hunger nach authentischen Produkten. Lebensmittel zum Beispiel. Die Leute lechzen danach. Das Thema ist im Kommen.

Wie haben die Leser Ihrer Zeitung auf das Projekt reagiert?

Die Serie hat extrem polarisiert. 80 Prozent haben geschrien „Endlich tut einer was!“ und die anderen 20 Prozent haben wüst reagiert. Teilweise sehr aggressiv. Das hat mich ziemlich belastet. Wenn man persönlich oder die eigene Familie angegriffen wird, ist das schlimm. Mit so einem Projekt stellt man im Prinzip den Lebensstil des Lesers infrage. Darauf reagieren manche Menschen sehr, sehr sensibel. Man darf dieses Thema nicht mit erhobenem Zeigefinger angehen. Ich habe bewusst nur über meine Versuche berichtet und irgendwann gemerkt: Scheitern gefällt den Menschen.

Woher kommt der Name „Klimamönch“?

Wenn man über sich selber schreibt, muss man furchtbar aufpassen, dass es nicht peinlich wird. Man darf sich nicht zu wichtig nehmen. In einem Nebensatz habe ich mich einmal als „Klimamönch“ bezeichnet. Ich fand die Formulierung witzig. Der Name ist kleben geblieben. Das ist zur Marke geworden. Mönche sind Menschen, die sich ein Ziel setzen. Das schaffen sie vielleicht nicht, aber sie versuchen es.

Geben Klimaschützer insgesamt mehr Geld aus?

Es hat noch nie eine Gesellschaft gegeben, die so viel Geld zur Verfügung hatte, da müssen wir ehrlich sein. Erstmal muss man Geld in die Hand nehmen. Das heißt aber, man gibt für sinnvollere Produkte mehr Geld aus. Mir bleibt somit mehr Geld, weil ich nur noch die Dinge kaufe, die ich wirklich brauche. Ich bin überzeugt davon, dass ich mein Geld mittlerweile überlegter ausgebe. Meiner Meinung nach stärkt man regionale Kreisläufe, also Wirtschaft und Unternehmen, wenn man bedacht und regional einkauft.

Die fünf Säulen: So sparst du CO2 in deinem Alltag

1. Autofahren: „Ich habe mein Auto verkauft“, erzählt Edmund Brandner im Interview und erklärt, dass 80 Prozent aller Autofahrten kürzer als zehn Kilometer und 50 Prozent kürzer als fünf Kilometer sind. Diese Strecken könne man mit dem Rad fahren. Wer das gerne macht, kann auf einen Großteil der Autofahrten verzichten, hält sich zudem fit und verbringt Zeit an der frischen Luft.

2. Verzicht auf Flugreisen: „Da kann man tonnenweise CO2 sparen.“ Ein Flug nach New York und zurück verbraucht zum Beispiel pro Kopf vier Tonnen CO2, auf die Philippinen sogar elf Tonnen, legt der Journalist dar. „Das ist der Jahresdurchschnitt eines Österreichers oder Deutschen.“

Der Verzicht auf Flugreisen sei eine Entscheidung, die man Anfang des Jahres trifft, aber „das ist keine Hexerei. Da ist der Verzicht aufs Auto viel schwieriger.“ Man kann seine Reisen anders planen, oder sich nach Frühbucher-Angeboten mit Bahn oder Bus innerhalb Europas umschauen.

Gegen den Naturschutz richtet sich allerdings das große Angebot an Billigflügen: „Die Preise sind obszön. Das ist eine Schweinerei“, sagt Edmund Brandner.

3. Heizen und Isolieren: Ein großes Projekt mit Zukunft. Heizung und Haus auf nachhaltige Systeme umstellen. Und davon gibt es immer mehr und immer bessere Angebote für Niedrigenergiehäuser, Pelletheizungen und Solaranlagen.

4. Ernährung: Eine große Rolle in der persönlichen CO2-Bilanz spielt das Fleisch in der Ernährung. Wer immer mal wieder darauf verzichtet oder vegetarisch lebt, tut der Umwelt viel Gutes. „Ansonsten sollte man darauf achten, regional, saisonal und vor allem biologisch einzukaufen.“ Also bei Erdbeeren aus Afrika oder Südamerika mitten im Winter vielleicht mehrmals überlegen.

5. Konsumverhalten: Beim Konsumverhalten kann man viel bewirken. Das ist ganz einfach, sagt Edmund Brandner. „Das, was man nicht braucht, nicht kaufen.“ Man solle beim Einkaufen sein „Hirn einschalten.“ Denn es sei ein Unterschied, ob man Schuhe aus Bangladesch kauft, die von Kindern genäht wurden, oder mitteleuropäische Produkte. Die seien dann vielleicht teurer. Dafür aber besser, qualitativ hochwertiger und haben eine längere Lebensdauer. Edmund Brandner benennt das Problem: „Das Zeug aus Bangladesch zum Beispiel ist so billig, das verführt den Konsumenten.“

Diese fünf Säulen hat der Journalist Edmund Brandner für sich und andere aufgestellt. Damit kann jeder in seinem Tempo bei sich selbst anfangen, ohne von anderen abhängig zu sein.

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