Thomas Pickel bloggt: Entwicklungshilfe in Kamerun

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Thomas Pickel unterrichtet in Kamerun ICT, also Grundkenntnisse in Sachen Computerbedienung. (Quelle: Unbekannt)

Thomas Pickel ist 21 Jahre alt und hat gerade sein Abitur abgeschlossen. Sein langjähriger Wunsch, in einem sozialen Projekt im Ausland zu arbeiten, erfüllt sich nun endlich. Am zweiten September wird er als einer von 8 Jugendlichen von der Organisation "Internationaler Bund" für ein Jahr nach Kamerun entsandt. In Batibo, einem kleinen Dorf im Nord-Westen Kameruns wird Thomas an mehreren Schulen in den Klasse drei bis sechs ICT-Unterricht geben. Neben den Grundkenntnissen in Sachen Computerbedienung gehören vor allem auch Freizeitgestaltung, Sportevents, ein Gartenprojekt, Theaterprojekte und Schulpartnerschaften zu den Aufgaben, die sich der Freiwillige vorgenommen hat. Im Vordergrund des Projektes für Entwicklungszusammenarbeit steht für ihn aber immer der interkulturelle Austausch.
Alle aufregenden Neuerungen, alle Hürden die zu meistens sind und alle Erfolge möchte er gerne teilen, um euch so einen Einblick in das Leben des tropischen Kameruns zu geben. Was er alles spannendes erlebt und wie er sich im neuen Umfeld zurechtfindet könnt ihr hier lesen.

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Meine ersten Tage in Kamerun

Die Anreise ins zentrale Afrika war äußerst holprig, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der Autobahn Richtung Würzburg gerieten wir in die Leichenteile von drei ausgewachsenen Wildschweinen, welche kurz zuvor von einem Auto erfasst wurden. Das Auto meines Vaters wurde dabei so schwer beschädigt, dass es nicht mehr möglich war mich auf diesem Weg nach Frankfurt zu bringen. Es kann sich wahrscheinlich niemand vorstellen wie panisch ich innerlich wurde. Die Angst, dass mein Traum vom Jahr in Kamerun vielleicht doch noch platzen könnte wurde immer größer. Dutzende Telefonate blieben ohne Erfolg. Erst durch die ansässige Polizei wurde es möglich gemacht, mich noch rechtzeitig zu meinem Flug zu bekommen. Mit über 200Sachen wurde ich also per Eilpost, von den Männern in Grün, zum Airport Frankfurt gebracht. Mir viel ein riesiger Stein vom Herzen, als ich endlich einchecken konnte und meine Koffer auf dem Laufband Richtung Flugzeug sah.


Am Zielflughafen angekommen war die erste Herausforderung unsre Koffer wieder zu finden. Hunderte Menschen engten sich in der stickigen schwülen Halle dicht an dicht. Gute zwei Stunden sammelten wir unser Gepäck, jedoch musste einer auf seinen Koffer verzichten. So wie es aussieht blieb dieser in Brüssel.

Abgeholt wurden wir von einem Mitarbeiter der Organisation CAMAAY. Von unserem Kofferberg der sich schließlich vor der Halle ansammelte wurden einige Männer angelockt, die es für uns zum Auto tragen wollten. Für uns war das eine völlig neue Situation. Einige wollten, dass ich ihnen einen Drink spendiere, andere wollten mir SIM-Karten verkaufen und alle redeten in schnellem Französisch auf mich ein. Standfest lies ich mich aber auf kein Geschäft ein, doch letztlich wurden für unsere Gruppe trotzdem noch 20 Euro fällig - wegen der Koffer, die getragen wurden. Schön abgezockt!

Alle Koffer auf das Dach des mit rotbraunen Matsch überzogenen Kleinbusses gepfercht, fuhren wir los zu unseren Dörfern. Fertig von der Anreise versuchten wir, ein wenig zu schlafen, doch nicht nur unsere Neugier auf das Land Kamerun verhinderten das, auch die monstermäßigen Schlaglöcher, die einen alle paar Minuten etwa 30 Zentimeter in die Höhe hüpfen ließen. Gurte gibt es in Kamerun nicht, doch alle Fahrer wissen anscheinend genau, wo und wann sie besonders langsam fahren müssen.
Nach zwei Tagen Anreise und einer Übernachtung bei anderen Freiwilligen erreichten wir schließlich das Dorf, indem wir in fünf Schulen unterrichten werden.

Das 44 000 Seelen-"Dorf" Batibo besteht aus einem Verband von vielen kleinen Dörfern. Der Ort indem Judith und ich wohnen, heißt Guzang und teilt sich nochmal in verschiedene Quater auf: Guzang New Town nennt sich der Platz, an dem wir wohnen. Ein großes Haus mit Terrasse und kleinem Garten. Den Verantwortlichen schien es sehr wichtig gewesen zu sein, uns eine luxuriöse Wohnsituation zu ermöglichen. Unser Nachbar Ivo kümmert sich freundlich um uns und hilft uns bei allem, wo er nur kann. Mittlerweile haben wir von ihm auch schon gelernt, traditionelle Gerichte zuzubereiten.

Für uns fühlt es sich schon komisch an, so luxuriös zu wohnen, während rings um alle Menschen in Lehmhütten leben. Doch daran werden wir uns gewöhnen müssen, genauso wie an die regelmäßigen Strom- und Wasserausfälle.

Die Menschen im Dorf haben uns total freundlich begrüßt. Immer wenn sie uns sehen werden wir aufs neue Willkommen geheißen und abwechselnd in Englisch und der Dorfsprache begrüßt. Einige Wörter können wir schon, was allen hier besondere Freude bereitet. Auch der Bürgermeister und einige Lehrer haben sich gleich am zweiten Tag mit uns in einem örtlichen Pub am Market des Dorfes gesetzt und uns eingeladen. An diesem Platz ist immer etwas los und man bekommt von frischen, noch feuchten, unbeschreiblich leckeren Erdnüssen, Bananen, Papayas bis hin zu Toastbrot mit Schokoladenaufstrich alles was das Dorf zu bieten hat. Morgen ist wie an jedem achten Tag großer Markt in Guzang. Dies bedeutet, dass man noch mehr Dinge kaufen kann, wie zum Beispiel Stoffe, eine noch größere Auswahl an exotischen Früchten. Um ganz spezielle Dinge zu erwerben, muss man jedoch nach Bamenda fahren, der über 40 Kilometer entfernten Provinzstadt. In einem Taxi für 800 FCFA, umgerechnet in etwa 1,20 Euro, fährt man meistens zu acht, manchmal auch zu neunt oder noch mehr. Je nachdem, wer wo sitzt, kann das ganz lustig sein. Mehr Spaß macht mir aber die Fahrt mit den Okadas, so werden die mopedähnlichen Motorräder hier genannt. Einfach hinten aufgesetzt fahren Judith und ich an die Orte, zu denen wir wollen. Schon nach den ersten fünf Minuten auf einem dieser Gefährte hatten wir die Angst verloren und genießen seitdem den warmen, meistens nassen Fahrtwind. Egal, wann wir wohinfahren, viele Menschen winken uns zu und schreien uns noch ein "Welcome to Cameroon" zu. Was man jedoch am meisten hört, ist ein staunendes "White men!, Look! There are White men!" Das man "ein Weißer" ist, spüren wir hier deutlich, jedoch nicht im negativen Sinn. Es ist einfach nicht alltäglich, dass "Weiße" in Guzang leben.

Was mich besonders fasziniert neben der offenen, freundlichen und kontaktfreudigen Art der Menschen ist die Natur hier. Von unserem Dorf aus kann man zu Fuß in den Regenwald marschieren. Gigantisch schön. Ringsum verschiedene Pflanzen und Blumenarten. Zusammen mit einem Zwitscherkonzert der Vögel ist das eine Oase des Wohlfühlens. Das Highlight war ein hellgrün schimmerndes Chamäleon, das auf mein Hemd über mein Gesicht bis auf meinen Kopf geklettert ist Später haben wir erfahren, das diese Art sehr giftig ist. Zum Glück schien es unsere Ahnungslosigkeit bemerkt zu haben und hat uns deswegen verschont.

So wie es aussieht und wie es sich anfühlt, können sich alle die mich kennen darauf freuen, dass ich mit Sicherheit einen Teil von der Kultur Guzangs und Kameruns in mein Herz schließe und mit nach Deutschland bringen werde, denn schon jetzt lasse ich keine Möglichkeit aus mich in der Dorfsprache zu unterhalten (Auch wenn es bisher nur ein äußerst kurzer Smalltalk ist. Ein paar Tassen voll Erdnüsse zu kaufen, zu Grüßen und nach dem Wohlbefinden zu fragen ist jedoch schon kein Problem mehr.

  1. Autor

    Thomas Pickel
  2. Datum

    30.08.2012 15:00 Uhr
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