Strecke, Favoriten, TV "Streif 2018": Alle Infos zum Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel

Aksel Lund Svindal gilt als Top-Favorit für das Rennen in Kitzbühel. Alle Informationen zur "Streif 2018." Foto: dpa

Vom 19. bis 21. Januar findet in Kitzbühel der alpine Ski-Weltcup statt. Das Highlight ist die legendäre Streif-Abfahrt am Samstag (ab 11:30 Uhr). idowa.de hat alle Informationen zum Mega-Event.

Kitzbühel - Es ist das größte Spektakel im alpinen Ski-Weltcup, wenn sich am 20. Januar die mutigsten und waghalsigsten Ski-Rennfahrer der Welt wieder die Streif hinunterstürzen. In diesem Jahr findet bereits die 78. Auflage des Hahnenkamm-Rennens statt. Doch nicht nur die Abfahrt am Samstag um 11:30 Uhr zieht die Menschen weltweit in ihren Bann. Schon am Freitag (ab 11:30 Uhr) gibt der Super-G einen ersten Vorgeschmack auf das Tempo der Abfahrt am nächsten Tag.

Auch der Slalom am Sonntag (1. Durchgang ab 10:30 Uhr) gehört zweifelsohne zu den Klassikern des Ski-Weltcups, auch wenn dort Technik und Tempo vereint werden müssen.

idowa.de erklärt die Besonderheiten der Streif und erzählt ihre Geschichte, blickt zurück auf die schwersten Unfälle und Verletzungen in der Geschichte des Hahnenkamm-Rennens und nennt die Favoriten auf den Sieg - sowie die deutschen Teilnehmer.

Warum ist die Hahnenkamm-Abfahrt so spektakulär?

Mit einer Starthöhe von 1.665 Metern über dem Meeresspiegel ist das Rennen in Kitzbühel nicht wirklich hoch gelegen. Doch vom Start weg geht es in ein Gefälle von 50 Prozent, dem steilsten Startschuss des Ski-Weltcups. Der erste Sprung führt in die Mausefalle. Sie ist das steilste Stück der Strecke und weist ein Gefälle von 85 Prozent auf - hier springen die Athleten bis zu 60 Meter weit. Bei der Landung sind sie dem Zehnfachen ihres Körpergewichts ausgesetzt. Über einen 180-Grad-Rechtsschwung und eine Linkskurve geht es direkt in den Steilhang, der meistens voller Eis ist. Hier beschleunigen die Fahrer auf Geschwindigkeiten von weit über 100 Kilometer pro Stunde. Eine der Schlüsselstellen ist die Steilhang-Ausfahrt. Hier gilt es Schwung mitzunehmen in den langgezogenen und flachen Brückenschuss. Dort haben die Rennläufer erstmals Zeit, um die bisherige Fahrt zu rekapitulieren.

Über einen weiteren Sprung geht es in die Alte Schneise, welche direkt auf die Seidlalm führt. Dort sind die Zuschauer hautnah an den Rennläufern dran. Der Seidlalm-Sprung mündet dann in den Lärchenschuss und anschließend in den Oberhausberg. Die Schlüsselstelle der Hahnenkamm-Abfahrt liegt dann an der Hausbergkante. Die Läufer müssen dort am Sprung möglichst viel Richtung machen, um in der anschließenden Linkskurve durch die schlägige und wellige Traverse nicht allzuweit nach unten getragen zu werden, denn anschließend geht es in den Zielschuss, wo Geschwindigkeiten bis zu 140 Kilometer pro Stunde erreicht werden. Dann wartet noch der Zielsprung, der bis zu 80 Meter weit geht, auf die Athleten, bevor sie im Ziel auf 805 Metern Meereshöhe abschwingen. Insgesamt ist die Streif 3.3312 Meter lang und hat ein Durchschnittsgefälle von 27 Prozent.

Wann wurde das erste Hahnenkamm-Rennen ausgetragen?

Das erste Hahnenkamm-Rennen wurde 1931 ausgetragen, damals gewann Ferdl Friedensbacher. Die erste Variante auf der Streif fand im Jahr 1937 statt, der Sieger hieß Thaddäus Schwabl mit einer Rennzeit von 3:53,1 Minuten. Den bis heute gültigen Streckenrekord hält Fritz Strobl mit 1:51,58 Minuten im Jahr 1997

Die Hahnenkamm-Abfahrt musste schon mehrmals wetterbedingt abgesagt (1938, 1964, 1988, 1993, 2005, 2007) oder verkürzt werden (1995, 2000, 2003, 2006, 2008, 2012, 2015, 2016). 1972, 1998 und 2014 fanden die Rennen auf veränderter Piste statt: Anstelle über den Hausberg wurde über den Oberen Ganslern und den Slalomhang gefahren. 2016 wurde mit Rücksicht auf die ungünstigen Sichtverhältnisse das Starthaus etwas näher an die Mausefalle hin verlegt.

Wie viele Zuschauer sind beim Hahenkamm-Rennen dabei?

Die Hahnenkamm-Abfahrt verfolgen zwischen 40.000 und 50.000 Zuschauer am Zielhang und im Zielstadion, woraus die berühmte Zuschauerkulisse resultiert. Auch bei der Siegerehrung am Abend des Abfahrtstages finden sich jährlich mehrere Tausend Zuschauer ein, um die besten sechs Abfahrer zu feiern.

Tickets für das Spektakel gibt es noch am jeweiligen Renntag vor Ort. Kinder und Jugendliche bis Jahrgang 2001 dürfen kostenlos zuschauen. Erwachsene zahlen für den Super-G am Freitag 20 Euro, für Abfahrt am Samstag 30 Euro und für den Slalom am Sonntag 25 Euro pro Person. Weitere Informationen zum Ticketverkauf finden Sie auf der offiziellen Hahnenkamm-Website.

Was waren die schwersten und dramatischsten Stürze auf der Streif?

Der Kanadier Brian Stemmle prallte am 14. Januar 1989 bei der Steilhang-Ausfahrt ins Netz und schwebte danach in Lebensgefahr. Unter anderem erlitt er eine Beckenzertrümmerung, tagelang lag er in Innsbruck auf der Intensivstation. Stemmle klagte und gewann gegen den Skiclub und kehrte Jahre später sogar wieder auf die Streif zurück, musste nach einem weiteren Kitzbühel-Sturz 1999 aber seine Karriere beenden. Am 20. Januar 2005 erlitt der Österreicher Thomas Graggaber bei einem Trainingssturz Serienrippenbrüche und schwere Verletzungen an Schulter und Lunge. Er musste seine Laufbahn beenden.

Am 19. Januar 2008 stürzte Scott MacCartney im Zielschuss bei 141 km/h und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Nachdem er ins künstliche Koma versetzt wurde, erholte er sich jedoch rasch und konnte das Krankenhaus nach drei Tagen wieder verlassen. Er überstand den Sturz ohne Knochenverletzungen, erlitt aber zahlreiche Abschürfungen. Am 22. Januar 2009 stürzte der Schweizer Daniel Albrecht beim Abschlusstraining schwer und blieb bewusstlos liegen. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und Lungenquetschungen. Er lag mehr als dreieinhalb Wochen im Koma.

Beim Sturz des Österreichers Hans Grugger am 20. Januar 2011 bestand akute Lebensgefahr. Grugger hatte in der Mausefalle die Kontrolle verloren und stürzte mit dem Rücken auf die harte Piste. Dabei zog er sich schwere Kopf- und Brustverletzungen zu. Gleich drei schwere Stürze gab es am 23. Januar 2016 bei schlechter Bodensicht. Aksel Lund Svindal, Hannes Reichelt und Georg Streitberger kamen zu Fall und zogen sich schwere Knieverletzungen zu. Nach dem 30. Läufer wurde das Rennen abgebrochen.

Wer sind die Favoriten beim Hahenkamm-Rennen 2018?

Als Topfavorit geht sicherlich der Norweger Aksel Lund Svindal ins Rennen. Der Routinier führt derzeit den Abfahrtsweltcup an. Aber auch der Schweizer Beat Feuz ist auf der Favoritenliste nach seinem Sieg in Wengen. Svindals Landsmann Kjetil Jansrud möchte in Kitzbühel endlich siegen. Aus österreichischer Sicht ruhen die Hoffnungen auf Hannes Reichelt.

Wer sind die deutschen Starter beim Hahnenkamm-Rennen 2018?

Für den DSV gehen in den Speed-Disziplinen Thomas Dreßen (SC Mittenwald),  Josef Ferstl (SC Hammer e.V.), Andreas Sander (SG Ennepetal) und Manuel Schmid (SC Fischen) an den Start. Besonders Dreßen und Ferstl ist durchaus ein Platz in den Top 10 zuzutrauen. Im Slalom setzt der DSV auf Fritz Dopfer (SC Garmisch), Sebastian Holzmann (SC Oberstdorf) , David Ketterer (SSC Schwenningen), Philipp Schmid (SC Oberstaufen), Dominik Stehle (SC Obermaiselstein) und Linus Straßer (TSV München 1860). Hier ist ein Top-10-Ergebnis aus deutscher Sicht zu erwarten.

Wo werden die Hahnenkamm-Rennen 2018 LIVE übertragen?

Alle Wintersport-Enthusiasten, die nicht die Gelegenheit haben nach Kitzbühel zu fahren, können das Rennwochenende natürlich auch live im TV verfolgen. ARD und Eurosport übertragen die Wettbewerbe aus Kitzbühel ausführlich und haben auch alle Interviews. Sollten Sie unterwegs sein, könnnen sie das Wintersport-Spektakel auch in der ARD-App (erhältlich bei iTunes und im Play Store) oder im Eurosport Player verfolgen.

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