Straubing Strahlenangst in der JVA

Um dieses Gerät geht es: eine Personalnotrufanlage (PNA), die auf der umstrittenen Tetra-Funk-Basis sendet. Seit Einführung des Systems häufen sich die Beschwerden und Erkrankungen unter den Justizvollzugsbeamten in der JVA Straubing. Dazu zählen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, aber auch vermehrt Krebsfälle. Foto: Armin Weigel, dpa

Tetra-Funk. Ein Thema, das in den vergangenen Jahren bundesweit für Kontroversen in der Bevölkerung gesorgt hat. Ob der Funk gefährlich ist, daran scheiden sich die Geister. Behörden sehen vielfach keine Risiken. Ein aktueller Fall in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing sorgt allerdings für negative Schwingungen.

Der 7. April 2009 in der JVA Straubing. Ein Tag, der seine Spuren hinterlassen hat. Damals wurde eine Gefängnis-Psychologin von einem Häftling vergewaltigt. Sieben Stunden lang hatte er sich mit ihr verbarrikadiert, sieben Stunden dauerte das Martyrium der Frau. Neun Jahre später, im Februar 2018, nimmt sich die ehemalige Gefängnis-Psychologin aufgrund ihrer schweren Traumatisierung das Leben.

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In der JVA Straubing sah man sich nach diesem tragischen 7. April 2009 zum Handeln gezwungen. Beamte der JVA wurden fortan mit sogenannten Personalnotrufanlagen (PNA) ausgestattet. Ein spezielles Funkgerät, das nicht nur die genaue Ortung des Trägers ermöglicht. Liegt es zu lange in waagrechter Position oder wird es seinem Träger vom Körper gerissen, wird sofort Alarm ausgelöst. An sich also ein Fortschritt und eine gute Sache. Ein Fortschritt, der allerdings seine Tücken und Risiken in sich birgt.

Beschwerden und Krebsfälle häufen sich

Denn die Geräte senden auf der umstrittenen Tetra-Funk-Basis. Das bedeutet eine Dauerbestrahlung für den Träger. Etliche wissenschaftliche Studien belegen das Gesundheitsrisiko durch diese Technik. Auch in der JVA Straubing klagten kurz nach der Einführung der PNA auf Tetra-Funk-Basis schon bald erste Beamte über teils heftige Beschwerden. Meist handelte es sich dabei um starke Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Schlafstörungen.

Einige Jahre sind seither vergangen. Und mittlerweile haben diese Beschwerden der Bediensteten eine völlig neue Dimension erreicht. Denn im Zeitraum zwischen 2012 und 2017 wurde ein drastischer Anstieg von Krebserkrankungen verzeichnet. Elf an der Zahl. Zwei der Erkrankten verstarben noch während dieser Zeit. Zum Vergleich: in den Jahren zwischen 2000 und 2012 waren es gerade mal zwei Krebserkrankungen. Noch während unserer Recherchen zu diesem Artikel stirbt ein weiterer Angestellter Ende März 2018 an Krebs – mit Mitte 40. Alarmierende Zahlen. Nachvollziehbar, dass sich anhand dieser Vorfälle in Reihen der Justizvollzugsbeamten längst ein mulmiges Bauchgefühl breitgemacht hat. Mehr noch: es ist die Angst vor dem Unsichtbaren, der dauerhaften Strahlenbelastung.

Nach idowa-Informationen geht das sogar so weit, dass einige Beamte das Gerät bei Dienstantritt trotz anders lautender Vorschrift in der Ladestation stehen lassen. Auch ein Indiz dafür, wie groß Angst und Unsicherheit seit Einführung des Tetra-Funks bei den Justizvollzugsbeamten sein müssen.

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