Straubing Rathaus-Geschäftsleute: Ein Jahr nach dem Brand

Durch die Baustelle findet nicht mehr so viel Laufkundschaft zu den Geschäften in der Simon-Höller-Straße. Foto: Susanne Raith

Es ist mittlerweile ein Jahr her, dass ein Feuer das historische Rathaus in Straubing nahezu komplett zerstört hat. Die Läden unter dem ausgebrannten Saal und direkt neben dem Gebäude wurden zum Teil sehr schwer beschädigt. Wie geht es den Rathaus-Geschäftsleuten heute?

„Es war schrecklich. Von einem Moment auf den anderen standen wir ohne Arbeit da“, erinnert sich Petra Herrler an den 25. November 2016. Sie betrieb mit ihrem Mann einen Lottoladen direkt unter dem Rathaussaal. „Die Lage war perfekt. 50 Jahre lang waren wir dort. Seit dem Brand ist es sehr mühsam.“ Mehrere Monate suchte das Ehepaar nach einer neuen Bleibe, die sie letztendlich im ehemaligen Laden „Schönes & Gutes“ an der Simon-Höller-Straße fand. „Wir sind sehr froh darüber, überhaupt unser Geschäft fortsetzen zu können. Leider befinden wir uns vom Stadtplatz zu weit weg, sodass uns die Kunden ausbleiben.“ Sobald das Rathaus fertig saniert ist, möchten sie wieder zurückziehen. Ob das die Stadt möchte, weiß sie nicht.

Saeed Karimi führt seinen Obst- und Gemüseladen „Radieschen“ nun gegenüber dem Rathaus: „Die Stadt hat mir mitgeteilt, dass wir uns auf eine große Veränderung einstellen müssen. Die Geschäftsräume werden anders werden.“ Vom Schock hat er sich nicht beirren lassen und schnell nach Lösungen gesucht. Nach Anfrage beim Modehaus Hafner, konnte er seine Ware in ihrer Passage verkaufen. Als später das Geschäft neben dem McDonalds frei wurde, zog er dort ein. „Die Hilfe anderer Menschen hat eine große Rolle gespielt. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Auf die Frage, ob er gerne zurückziehen würde, antwortet er: „Obwohl die Unkosten höher sind und die Arbeit mehr ist, bin ich zufrieden. Wir haben jetzt mehr Laufkundschaft.“

Gut arrangiert mit der jetzigen Situation hat sich Alois Fröhlich, der mit seiner Frau die Spezerei mit Bistro im Erdgeschoss des Rathauses betrieben hatte. Im Laufe des vergangenen Jahres waren sie auf der Suche nach neuen, finanzierbaren Räumen. Das wurde aber Mitte August hinfällig, weil Alois Fröhlich nun bei Music Station Piano Werner in Aiterhofen arbeitet. „Das hat sich zufällig ergeben. Eines Tages fragte mich die Chefin, ob ich nicht für sie arbeiten möchte. Da ich selbst gerne musiziere und vor Jahren schon bei den Werners gearbeitet habe, konnte ich mir das gut vorstellen.“ Weiterhin bewirtet er mit seiner Frau im Paul-Theater die Mitglieder des Vereins und die Gäste bei den Veranstaltungen. Den „fröhlichen Mittagstisch“ donnerstags und samstags gibt es nicht mehr.

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Dass es im Rathaus brannte, war auch für Sandra Schwingel ein großer Schock. „Von einer Stunde auf die andere war alles zerstört“, sagt sie. Danach musste sie ihren Laden Uhren Schmuck Schmid komplett ausräumen und die Aufträge von der Werkstatt zu Hause aus bearbeiten. „Ein neues Geschäft wird es nicht geben“, teilt sie auf Anfrage mit. Die beschädigten Schmuckstücke holt sie bei Bedarf von ihren Kunden aus Stadt und Umland von zehn Kilometern ab und bringt sie nach der Reparatur wieder zurück. „Meinen Schmuck begutachten kann man in einer Vitrine im Friseursalon Majestro.“

Mehr Glück hatte Max Naber. Er musste mit seiner Metzgerei nicht umziehen, was anfangs ungewiss war. „Wir mussten während der Löscharbeiten und in der Nacht gegen die Wassermassen kämpfen.“ Danach belüftete er die durchnässten Böden, Wände und Decken mithilfe eines Gebläses und bekam sie trocken. Der Raum darüber wurde stärker in Mitleidenschaft gezogen. Hätte er von unten belüftet werden müssen, hätte Naber für einige Zeit ausziehen müssen. Diese Unsicherheit bereitete ihm Zweifel und er stand daher in engem Austausch mit der Stadt. „Die Stadt sagte mir, dass sie mich weiterhin hier haben will und mit mir die schwere Zeit gemeinsam durchstehen möchte.“ Sein Mittagsgeschäft läuft gleichbleibend. Nur seine Laufkundschaft wurde wegen der Baustelle weniger, weil sie seinen Imbiss zum Teil verdeckt. „Auch dieser Situation konnte ich mich anpassen, indem zum Beispiel am Nachmittag weniger Personal im Laden arbeitet.“

Auch in die Orthopädie-Praxis von Stefan Rengsberger lief viel Löschwasser. „Zum Glück habe ich gegenüber meinem Geschäft einen Lagerraum, in dem ich mit der Hilfe von Nachbarn und Passanten alles wichtige hineinräumen konnte.“ Der Rest ging kaputt. Bis der Raum saniert war, musste er für drei Monate zwei Hausnummern weiter in einen leerstehenden Geschäftsraum ziehen. „Was mich positiv in die Zukunft blicken ließ, war das Für- und Miteinander in der Stadt.“

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