Straubing Charly Sipmeier: „Aufhören, wenn es am schönsten ist“

Bekanntheit und Beliebtheit erreichte Charly Sipmeier in mehr als 30 Jahren beim Straubinger Hörfunk in erster Linie über den „Stammtisch“ – mit dem „Irlbacher Stammtisch“, wie die Sendung zuerst hieß, zuletzt „Irlbacher Brauerei Stammtisch“. Foto: Susanne Raith

Charly Sipmeier ist ein Urgestein des Senders Radio AWN. Bekanntheit und Beliebtheit erreichte der heute 62-Jährige in mehr als 30 Jahren beim Straubinger Hörfunk in erster Linie über den „Stammtisch“ – mit dem „Irlbacher Stammtisch“, wie die Sendung zuerst hieß, zuletzt „Irlbacher Brauerei Stammtisch“. Seine Sendung war bei einem Stammpublikum extrem beliebt, bei den Stars der volkstümlichen Musik geschätzt. Zum Jahreswechsel wurde die Sendung aus dem Programm genommen. „Der Stammtisch“ von und mit Charly Sipmeier lebt jedoch auf dem Gäubodenvolksfest weiter.

Sie sind schon sehr lange im Radiogeschäft. Wie sind Sie zum Radio gekommen?

Charly Sipmeier: Ich bezeichne mich als Quereinsteiger. Vorher war ich Groß- und Außenhandelskaufmann bei Möbel Krüger, genauer gesagt bei der Mitnahmegruppe „Hin und mit“. Ähnlich wie bei Ikea gab es Möbel zum selber Aufbauen. Ich war viel unterwegs, weil ich an den Standorten Rosenheim, Stuttgart und Nürnberg einspringen musste, wenn für einige Wochen ein Geschäftsleiter ausfiel. Irgendwann wollte ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und mein Hobby zum Beruf machen. Als ich in der Zeitung die Stellenanzeige von Radio AWN gesehen habe, habe ich mich beworben. Ich war einer unter vielleicht 1.000 Bewerbern. Am Ende fiel die Wahl auf mich.

Sie haben als Techniker begonnen und waren für die studiotechnischen Anlagen und Beschallungsanlagen zuständig. Auf einmal waren sie Moderator. Wie kam es dazu?

Sipmeier: Wir waren mit dem Irlbacher Stammtisch viel in Wirtshäusern unterwegs. Ich habe immer die Technik aufgebaut und betreut. An einem Sonntag kam der Moderator nicht. Absagen konnten wir nicht mehr. So bin ich eingesprungen und habe die Sendung moderiert. Von Volksmusik hatte ich überhaupt keine Ahnung. Ich bin eher der Motown-Spezialist.

Trotzdem war alles volkstümlich beim Stammtisch. Haben Sie nie versucht, den Stil nach ihrem Geschmack zu ändern?

Sipmeier: Ich habe mir damals gedacht, wenn ich die Sendung mache, dann muss ich mich für Volksmusik auch interessieren. Mittlerweile bin ich der absolute Spezialist. Ich kenne alle Gruppen und Musiker. Völlig die Richtung zu ändern, wäre nicht möglich gewesen. Das merkten wir schon, als wir nicht mehr nur volkstümliche Stücke spielten, sondern zwischendurch auch vermehrt Schlager. Wir gingen wieder einen Schritt zurück. Das Publikum wünschte und liebt diese Musik.

Diese Entwicklung gibt es auch auf dem Gäubodenvolksfest. In den Festzelten wird wieder öfters volkstümliche Musik gespielt. Wie können Sie sich diesen Schritt erklären?

Sipmeier: Für die Tradition ist der Schritt gut. Die Bands können gerne einige Minuten lang andere Musik spielen. Aber es sollte keine Musik gespielt werden, die nicht in das Bierzelt gehört. Volksmusik ist nicht nur für ältere Leute Musik. Wenn ich im Zelt live bin, sind auch immer viele junge Besucher da und machen Party.

Den Stammtisch gibt es auf dem Gäubodenvolksfest weiterhin. Was wird geboten sein?

Sipmeier: Ich bin am 11. und am 18. August von 11.15 bis 13.30 Uhr im Festzelt Krönner live. Mit dabei werden die Bands Die Ruperti Blosn, Absolut Voglwuid, Vollgas Tirol, Gerlosbluat, Läts Fetz, Lechner Mander, Zillertaler Berggranaten und Die Fetzign Tiroler sein.

Die beiden Sendungen werden auch bei Radio AWN ausgestrahlt. Sonst ist derIrlbacher Brauerei Stammtisch seit Anfang 2019 nichts mehr zu hören. Wie kam es zum Aus?

Sipmeier: Es gibt immer wieder Programmänderungen. Das gehört dazu. Das Leben verändert sich auch. Früher waren wir alle 14 Tage in einem anderen Wirtshaus und haben live gesendet. Das war eine angenehme Stimmung. Es waren der Bürgermeister, der Feuerwehrkommandant und andere Ortsvorsteher dabei und haben Geschichten erzählt. Zwischendurch haben ein bis zwei Kapellen gespielt. Das kam beim Publikum gut an. Heute ist das anders. Heute will niemand mehr jemanden längere Zeit zuhören. Es soll nur noch Musik gespielt werden.

Sie hatten in Ihren Sendungen viele Stars der Volksmusik dabei. Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?

Sipmeier: Das sind viele. Es waren so ziemlich alle Größen der volkstümlichen Musik dabei. Beispiele sind Maria und Margot Hellwig, Mona Freiberg, Bernd Helfrich vom Chiemgauer Volkstheater und die Grubertaler. Wir haben auch sehr viele Künstler gehabt, die in Deutschland noch niemand kannte. Sie haben den Stammtisch als Sprungbrett genutzt. Belsy, Florian Fesl, und Melissa Naschenweng. Melissa ist momentan sehr beliebt und wird sogar als Helene Fischer von Österreich gehandelt. Auch Corinna Zollner, die 2013 Sommerhitkönigin wurde, war immer wieder dabei. Sie spielt momentan in der Gruppe Absolut Voglwuid und macht Wirtshaus- und Gassenlieder.

Am Anfang unseres Gesprächs haben Sie gesagt, dass Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Welche Nebenprojekte gibt es heute?

Sipmeier: Ich mache mit meinem Musikverlag HC Records immer noch kleinere Projekte. Ich hatte erst heuer „Dann geh“ von Bavaria Sterne produziert und war damit in der Hitparade drei Wochen lang auf Platz 1. Aber mir geht es nicht darum, mit meinem Hobby Geld zu verdienen. Ich mache das, weil ich Spaß daran habe. Die Musiker verdienen mit CDs kaum mehr Geld. Geld fließt nur, wenn sie auftreten. Das Musikerleben ist heutzutage nicht mehr so einfach. Die Zahl der Auftritte geht zurück und es gibt immer mehr Veranstalter, die immer weniger Gage zahlen wollen.

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