Sport Feuer und Flamme für drei Pfeile: Andreas aus Mirskofen liebt Dartspielen

Andreas Schwertl trainiert täglich. Foto: Sonja Kirchensteiner

Eine schummrige Kneipe, einige Männer blicken auf eine Dart-Scheibe. Wer nicht dran ist, wartet auf einem Barhocker. So stellen sich die meisten den Dart-Sport vor. Dieses Bild verändert sich gerade stark. Dart entwickelt sich vom Kneipen-Sport zum Trendsport. Immer mehr spielen auch im Verein. So wie Andreas Schwertl (16) aus Mirskofen.

Nicht nur, dass man neuerdings auf Partys zu einer Runde Dart eingeladen wird und Freunde plötzlich über das spannende Weltmeisterfinale sprechen. Überall entstehen gerade neue Dart-Abteilungen und Mannschaften, die nicht bloß zum Spaß spielen, sondern die Aufnahme in den Ligabetrieb anstreben. Wer dafür trainiert, der macht das nicht in der Kneipe. Der übt oft zu Hause und verpasst auch kein Training. So wie der 16-jährige Andreas Schwertl aus Mirskofen im Landkreis Landshut. Im Sportheim des DJK SV Mirskofen, wo sich der Trainingsraum befindet, herrscht alles andere als schummrige Kneipenatmosphäre.

Andreas’ Vorbild: Phil Taylor, der Beste der Besten

Andreas Schwertl kommt seit Juli 2017 zum Training dorthin. „Ich habe schon immer zu Hause gespielt“, erzählt er. Der Vater seines besten Freundes habe ihm den Sport näher gebracht. Seit vergangenem Jahr spielt er selbst im Verein und ist Feuer und Flamme. „Durch das Training habe ich mich sehr verbessert“, sagt der 16-jährige Schüler. Kein Wunder: Ein zertifizierter Trainer gibt den Spielern Tipps. Er achtet darauf, wo und wie sie stehen, ob sie die Pfeile zu früh oder zu spät loslassen und auf welche Felder sie am besten zielen sollten. Dart hat nämlich auch viel mit Rechnen zu tun, und deshalb gibt es einige mathematische Tricks.

Ausgehend von 501 Punkten werden die erzielten Würfe bei jeder Runde abgezogen. Am Ende muss der Spieler eine bestimmte Punktzahl werfen, um das Spiel mit exakt null Punkten zu beenden. Das erfordert nicht nur Präzision bei den Würfen. Man muss auch herausfinden, welche Felder man am besten anvisiert. „Der Königsweg ist ein ,9-Darter‘“, weiß Andreas. Das ist für jeden Dart-Spieler das perfekte Spiel. Es bedeutet, er reduziert mit nur neun Würfen auf null Punkte. Erfolgreichen Spielern in den großen Dart-Ligen gelingt das immer wieder. Aber: „Phil Taylor ist der einzige Spieler, dem das bis jetzt zwei Mal in einem Spiel gelungen ist“, erzählt Andreas und seine Augen leuchten. Phil Taylor ist der erfolgreichste Spieler der vergangenen Jahre und Andreas’ Vorbild.

Der Profi-Darter wurde nicht nur 16 Mal Weltmeister. „Er verdient auch richtig viel Geld. Das ist in dieser Sportart bislang nur in der Weltspitze möglich“, sagt Christian Baumgartner. Er ist Präsident des Dartverbands Ostbayern und damit zuständig für etwa 1000 aktive Spieler in Niederbayern und der Oberpfalz. In Deutschland spiele sich fast alles auf dem Freizeitlevel ab, sagt er. Für die Wenigsten sei es möglich, Geld zu verdienen, selbst für die Besten. Zu ihnen gehört derzeit übrigens der Münchner Michael Unterbuchner, der für den Dartclub Black Birds Kelheim spielt.

Die Weltspitze strebt Andreas nicht unbedingt an. Mit der Mirskofener Mannschaft spielt er gerade in der Kreisliga. Aber er möchte sehr wohl etwas erreichen. Gerne würde er irgendwann in einer Bundesliga-Mannschaft spielen. Dazu müsste der 16-Jährige nicht einmal weit fahren: Im Nachbarort Essenbach spielt ein Team in der Bundesliga Süd des Deutschen Dart-Verbands, also in der höchsten Steeldart-Liga Deutschlands. Die Spieler der Mannschaft kommen zum Teil von auswärts, Andreas wäre also nahe dran.

Wurfanalyse mit Technik und Kamera

Um sein Ziel zu erreichen, trainiert er täglich eineinhalb Stunden. Beim Training im Sportheim herrscht höchste Konzentration. Andreas zeigt auf die Kameras an der Decke. „Sie nehmen die Würfe auf, sodass man sie im Anschluss analysieren kann.“ Überhaupt gibt es im Trainingsraum jede Menge professionelle Technik. An jeder Scheibe hängt ein Computerbildschirm. Eine LED-Rundumbeleuchtung sorgt für das ideale Licht. Perfekte Trainings- und Spielbedingungen, sagt Christian Baumgartner vom Verband. Hier kann sich Andreas für seine Spielerkarriere fit machen.

Seine Freunde waren übrigens sehr überrascht, als sie erfahren haben, dass der 16-Jährige jetzt Dart spielt. Zehn Jahre lang war er Fußballer. Er sei darin nie so gut gewesen, meint er. Das soll bei diesem Sport anders werden. „Dart-Spielen kann ich außerdem noch, wenn ich 70 bin.“

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading