Gerhard kennt sie alle, die Flaschensammler in der Stadt. Denn Gerhard hält sich viele Stunden am Tag in den Straßen und Gassen auf und verkauft die Straßenzeitung, den Donaustrudel. Da hat er viel Zeit, zu beobachten, was um ihn herum passiert. Dass es immer mehr Menschen werden, die in Mülleimern nach Pfandflaschen wühlen, hat auch der Soziologe Dr. Alban Knecht festgestellt und in einem Forschungsprojekt mehr als 30 Interviews mit Flaschensammlern geführt. Das daraus entstandene Buch stellte er zusammen mit Philipp Catterfeld und Daniela Meinert am Dienstag im Donaustrudel vor.

Das Flaschensammeln ist ein Phänomen, das im Jahr 2006 begann, als eingeführt wurde, dass jeder Supermarkt Pfandflaschen zurücknehmen muss, sagt Alban Knecht. Dazu kam, dass immer mehr Menschen ihre Freizeit im öffentlichen Raum verbringen und dort auch Getränke konsumieren. Die Flaschen bleiben liegen. Große Ereignisse wie das Public Viewing bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 wurden zu ergiebigen Fundorten für Flaschensammler.

„Entscheidend ist aber wohl die zunehmende Armut in der Bevölkerung“, sagt Knecht. Für immer mehr Menschen reicht ein Teilzeitjob oder die Rente nicht mehr zum Leben. Sie suchen einen alternativen Gelderwerb. Zwischen drei und zehn Euro kann ein Flaschensammler am Tag erwirtschaften, meint Knecht. Gerhard, der eigentlich anders heißt, kennt weitaus höhere Zahlen. „Man muss natürlich ein Fahrrad haben, sonst wird der Transport beschwerlich“, sagt er. Das Sammeln sei aber ohnehin das kleinere Problem.

Schwieriger sei das Einlösen im Supermarkt. Hat man zu viele Tüten dabei, wird man weggeschickt, weiß er, weil die anderen Kunden zu lange warten müssen. Begehrt sind bei den Sammlern die Plastikflaschen. Sie sind leichter und haben einen Pfandwert von 15 oder 25 Cent. Eine Bierflasche wiegt siebenmal so viel, am Automaten erhält man nur acht Cent dafür.

In Regensburg findet man die Flaschen nach lauen Sommerabenden entlang der Donau und in der Thundorferstraße. Die Sammler nehmen der Straßenreinigung die Arbeit ab und tragen durch das Recyceln zum Umweltschutz bei. „Sie sind deshalb gut angesehen“, sagt Knecht.

Info: Das Buch „Flaschensammeln. Überleben in der Stadt“ von Alban Knecht und Philipp Catterfeld erscheint beim UVK Verlag Konstanz.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie am Donnerstag, 7. April, in der Donau Post.