Panama Karibikfeeling und artenreiche Regenwälder

Buckelwale kann man von August bis Oktober beobachten. Foto: Kerstin Bauer

Der Indianer wartet schon im Kanu. Er ist nur mit einem blauen Lendenschurz bekleidet, seine Haut ist dunkelbraun. Er möchte uns zu seinem Dorf, dem Emberá Quera Village, bringen.

Oh, wie grün ist Panama! Der Einbaum fährt eine Wasserstraße entlang. Links und rechts ist alles saftig grün. Am Ufer wächst Schilf. Bananenbäume und Palmen ragen über das Wasser. Es ist drückend schwül. Hoch oben in einer Baumkrone sitzt ein Äffchen, ein Weißschulterkapuziner. Es hüpft aufgeregt auf einem Ast hin und her und lässt die Besucher im Einbaum nicht aus den Augen.

Nach etwa 20 Minuten Fahrt ragen in der Ferne spitze Palmdächer aus dem Regenwald hervor. Die Hütten stehen verstreut auf einer hügeligen Landschaft. Der Indianer legt an einem Steg an, wir nähern uns gespannt dem Dorf, in dem aktuell 25 Familien leben. Der Empfang könnte kaum herzlicher sein. Um die 15 Frauen mit Tüchern in leuchtenden Farben um die Hüften gebunden und Blumenkränzen im Haar stehen in einer Reihe und klatschen mit einem Lächeln im Gesicht zu den Klängen von Trommeln, Flöten und Rasseln. Nach zwei traditionellen Tänzen gibt es eine Stärkung für Besucher aus Europa: Fisch und frittierte Kochbananen serviert in einem eingedrehten Palmenblatt - ein typisches Essen hier.

Joben ist 33 Jahre alt und der Stammeshäuptling der Emberá Quera. Alle fünf Jahre wird ein neuer Häuptling gewählt. "Wir leben hier, weil wir im Einklang mit der Natur leben wollen", sagt er. Joben erzählt, dass etwa zwei- bis dreimal pro Woche Touristen kommen. "Für uns sind die Besuche sehr wichtig, denn so sehen wir, dass unsere Kultur geschätzt wird." Diese Szenen spielen sich nur eine Autofahrstunde von der Hauptstadt Panama-Stadt ab. Und genau das macht den Reiz des schmalen Tropenstaats aus: seine außergewöhnliche Vielfalt. Da ist zum einen die pulsierende Großstadt "Panama City" mit seinen unzähligen Wolkenkratzern und dem weltbekannten Panamakanal, der am stärksten befahrenen Handelsroute der Welt. Auf der anderen Seite finden Urlauber hier unberührtes Hochland im Westen, Karibikfeeling im Norden und farben- und tierreiche Regenwälder. Der kleine Staat hat eine ungeheure Artenvielfalt: 230 verschiedene Säugetiere, 1.002 Vogel- und 1.500 Pflanzenarten gibt es hier.

Kokosnüsse essen auf unberührten Inseln

Das weiße Speedboot düst über den Pazifik. Der Fahrtwind tut gut, denn die Sonne brennt vom Himmel. Man hört nichts außer dem Brummen des Motors. Plötzlich taucht direkt links neben der Reling ein Delfin sanft aus dem Wasser auf und verschwindet sogleich wieder in den Tiefen des Meeres. Der Tümmler begleitet uns noch ein Stückchen und lässt sich von den Wellen, die das Boot erzeugt, massieren.

Kurz darauf kommt es zu einer ersten Begegnung mit Buckelwalen. Eine Walmutter und ihr etwa einjähriges Junges schwimmen direkt unter der Wasseroberfläche und strecken ihre Flossen in die Luft, als würden sie den Menschen auf dem Speedboot winken. Die zwei Meeressäuger kommen immer wieder kurz mit dem Rücken über die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Immer dann spritzt eine Fontäne aus ihren Atemlöchern. Die Wärme des Meeres und die Küsten als Zufluchtsort machen aus Panama den perfekten Ort für die Reise der Buckelwale zwischen Juli und September, um sich fortzupflanzen. Als kleine Stärkung zwischendurch verteilt der Guide frische Ananas unter den Walbeobachtern. Bald hält das Boot am Ufer einer unberührten Insel. Hier im Golf von Chiriquí gibt es viele davon. Ein einsamer Sandstrand und Palmen warten auf die Urlauber. Über eine kleine Leiter steigen sie ins angenehm warme Wasser und schwimmen zum Ufer. Der Guide erntet gekonnt frische Kokosnüsse von den Palmen und öffnet sie mit einer Machete. Während man Kokosnuss isst, kann man weiße, schön geformte Muscheln, die hier einfach so im Sand liegen, als Souvenir für zu Hause sammeln.

Der Panamakanal - eine Vision, die wahr wurde

Der Panamakanal, der das Land durchquert und die Karibik im Norden und den Pazifischen Ozean im Süden miteinander verbindet, ist das Ergebnis menschlichen Einfallreichtums. Schon Anfang des 16. Jahrhunderts entstand bei den Spaniern, die Panama erreichten, die Idee, den Atlantischen und Pazifischen Ozean durch eine Route miteinander zu verbinden. Nach einem gescheiterten Versuch der Franzosen, einen Wasserweg durch Panama anzulegen, wurde im Jahr 1903 der Kanal zusammen mit den Vereinigten Staaten gebaut, welche ihn im Anschluss auch verwalteten. Beim Bau starben 22.000 Menschen. Sie fielen Tropenkrankheiten wie der Malaria oder dem Gelbfieber zum Opfer, wogegen es damals noch keinen Impfstoff gab.

Seit 12 Uhr mittags am 31. Dezember 1999 liegen der Betrieb, die Verwaltung und Instandhaltung des 82 Kilometer langen Kanals nun in den Händen Panamas. Jährlich fahren mehr als 14.000 Schiffe diese Abkürzung.

Das Miraflores-Besucherzentrum bei den Miraflores-Schleusen am Panama-Kanal ist der ideale Ort, um die Vorgänge am Kanal zu beobachten. Von mehreren großen Terrassen aus können die Besucher sehen, wie die Schleusentore für Schiffe geöffnet und geschlossen werden.

Wer dieses wunderschöne Land bereits kennenlernen durfte, den dürfte es wundern, warum der von tropischer Sonne geküsste Staat nicht stärker im Fokus der deutschen Urlauber liegt.

Reise-Tipps:

Anreise: Direktflüge nach Panama-Stadt gibt es vom Flughafen Frankfurt am Main aus.

Lage: Der mittelamerikanische Staat Panama grenzt im Osten an Kolumbien, im Westen an Costa Rica. Der Panamakanal verbindet die Karibik im Norden und den Pazifischen Ozean im Süden.

Klima: Im Tiefland beträgt die Durchschnitttemperatur 27 °C. Im Bergland ist es mit durchschnittlich 20 °C angenehm mild. Regenzeit ist jedes Jahr von etwa Mitte April bis Mitte Dezember.

Währung: Neben der heimischen Währung, dem Balboa, ist der US-Dollar die Zweitwährung. Speedboot-Tour Wer Wale und Delfine beobachten und einsame Inseln besuchen möchte, kann von Panama-Stadt aus einen Inlandsflug nach David buchen. In der Hauptstadt der Provinz Chiriquí angekommen, erreicht man in einer guten Autostunde das "Hotel Bocas Del Mar", wo verschiedene Speedboot-Touren buchbar sind.

Weitere Infos: de.visitpanama.com

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