Österreich Kultiger "Alpenhighway": Felbertauernstraße vor 50 Jahren eröffnet

10.000 Tierarten, 1.500 Pflanzenarten, zahlreiche Gletscher und Gebirgsbäche, Hochgebirgsseen und phänomenale Gebirgspanoramen - der Nationaplark Hohe Tauern ist ein wahres "Freiluftwunder". Foto: Nationalpark Hohe Tauern/Manuel Egger

Imposante Bergpanoramen, wildromantische Täler, Genusstouren – das alles lässt sich bei einer Reise auf der Felbertauernstraße genießen.

Noch bis vor 50 Jahren musste sich die Bevölkerung Osttirols ziemlich abgehängt vorgekommen sein. Wollte man beispielsweise von der Bezirkshauptstadt Lienz oder der Gemeinde Matrei aus in die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck kommen, mussten etliche Strapazen auf sich genommen werden. Denn eine direkte Straßenverbindung gab es nicht, man musste umständlich mit der Eisenbahn, der Tauernbahn, reisen, und zwar über Kärnten und Salzburg. Und auch das erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine wahrlich zeitintensive Anreise. Aber eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Imposante Bergpanoramen

Erst mit der Fertigstellung der Felbertauernstraße und des Felbertauerntunnels vor genau 50 Jahren konnten Einheimische wie Touristen aufatmen. Denn diese Verbindung ist nicht nur die kürzeste, sondern auch die günstigste Überquerung des Alpenhauptkamms von Nord nach Süd, von München zur Adria (und natürlich umgekehrt). Und ein Naturschauspiel. Denn die Straße führt mitten durch den Nationalpark Hohe Tauern, der Tunnel unter dem Gebirgsmassiv der Felber Tauern (auch Windisch-Matreier Tauern genannt) hindurch; vorbei geht es an den imposanten Bergpanoramen der benachbarten Großglockner und Großvenediger. Ein Augenschmaus - es ist ohne Übertreibung die landschaftlich reizvollste Strecke für Urlauber, die es in den Süden zieht.

Kultiger "Alpenhighway"

Osttirol war damals eine große Baustelle, denn neben dem Bau der Felbertauernstraße wurde die Ölpipeline Triest-Ingolstadt verlegt. Nach der Eröffnung am 25. Juni 1967 genießt die Straße als "Alpenhighway" Kultcharakter. War der Bau schon eine Herkulesaufgabe - immerhin beträgt die Entfernung zwischen der Stadt Mittersill im Salzburger Land und Matrei in Osttirol 36,3 Kilometer (der Tunnel ist 5,3 Kilometer lang), so könnte die Bauzeit von fünf Jahren (der erste Spatenstich erfolgte am 23. Juni 1962) durchaus Erwähnung in diversen Rekordbüchern finden. An den Arbeiten waren neun Baufirmen mit Ingenieuren, Bauleitern und rund 1.000 Arbeitern beteiligt.

Noch ehe die Brenner-Autobahn (von Innsbruck nach Modena/Italien) und die Tauern-Autobahn (von Salzburg nach Villach in Kärnten) fertiggestellt waren, rollten die ersten Urlauber komfortabel dem "Dolce Vita" entgegen - einer der ersten Werbeslogans lautete: "Dem Süden näher". Seitdem nutzten 55 Millionen Fahrzeuge die Felbertauernstraße. Die "Tiroler Tageszeitung" schrieb zum zehnjährigen Jubiläum, dass der Bezirk Lienz ohne diese "technische Hochleistung immer noch im Out, im Abseits der Geographie" wäre. Daran hat sich nichts geändert.

Die Alpenübergang brachte der gesamten Region Wohlstand, wie Karl Poppeller, Vorstandsdirektor der Felbertauernstraße AG, betont: "Mit der Verkehrsfreigabe war der Beginn der Erfolgsgeschichte als Wirtschaftsstraße und Lebensader der Region, insbesondere für Osttirol, gelegt." Der Tourismus blühte regelrecht auf, denn nicht jeder fuhr ans Meer, sondern viele genossen die Vorzüge Osttirols.

Im Nationalpark Hohe Tauern bespielsweise findet der Erholung suchende Wanderer alles, was sein Herz begehrt: Großflächige und unberührte Naturlandschaften, fruchtbare Felder in Tallagen, Schatten spendende Bergwälder, saftige Almwiesen, unberührte Gletscherbäche, eiskalte Hochgebirgsseen, geräuschvolle Wasserfälle. Der Nationalpark ist mit 1856 km² das größte Naturschutzgebiet im gesamten Alpenbogen. Es ist idealer Lebensraum für 10.000 Tier- und über 1.500 Pflanzenarten.

Genusstour im Gschlößtal

Ein ganz besonders malerischer Landstrich ist das autofreie, wildromantische Gschlößtal, das ganz in der Nähe des Südportals der Felbertauernstraße gelegen ist. Seit Jahrhunderten wird es als Almgebiet genutzt und gilt als schönster Talschluss der Ostalpen. In der kleinen "Bilderbuch"-Almsiedung Außergschlöß, beim Matreier Tauernhaus (1.700 Meter hoch gelegen), beginnt eine leichte Wanderung Richtung Innergschlöß mit dem Ziel Venedigerhaus. Wer nicht laufen will, kann sich einer Pferdekutsche bedienen, oder setzt sich in einen überdachten Anhänger, der von einem mächtigen Traktor gezogen wird.

Als "Genusstour" bezeichnet Naturparkranger Matthias Mühlburger die bevorstehenden vier Kilometer. "Hier im Herzen des Nationalparks kann man vom Alltagsstress so richtig abschalten. Entschleunigung heißt das Zauberwort", lässt er unsere Gruppe wissen. Die Stille wird nur unterbrochen vom Geräusch der zahllosen Wasserfälle, die die Berghänge hinunterstürzen, dem einen oder anderen "Muh" der friedvoll wiederkäuenden Kühe oder dem lieblichen Gezwitscher der artenreichen Vogelwelt. "Hört ihr das? Das ist der Buchfink." Und schon verlassen zarte Pfiffe Mühlburgers Mund, täuschend ähnelnd denen des Finken. Man könnte meinen, die beiden hätten sich schon öfter auf diese Weise verständigt. Auch die eine oder andere Mehlschwalbe hat der Ranger entdeckt.

Dann richtet Mühlburger sein Teleskop nach oben, weil ein ausgewachsener Bartgeier, eine eher seltene Gattung, einsam seine Kreise zieht. Ein Greifvogel zum Greifen nah - welch prächtiger Anblick! Plötzlich ertönt ein schriller Pfiff. Ein Murmeltier will scheinbar seine Aufmerksamkeit auf sich richten.

Auf der Hälfte des Weges liegt die Felsenkapelle. Sie ist in den natürlichen Fels gehauen und der heiligen Maria gewidmet. Ein Blick hinein lohnt in jedem Fall. Bald tauchen in der Ferne die faszinierenden Eisriesen der Venediger-Gruppe auf, und das Ziel naht. Die wettergegerbten Holzhütten von Innergschlöß sich auch nicht mehr weit. Seit einigen Jahrhunderten stehen sie hier eng zusammen und geben ein Bild ab, wobei das Wort Idyll noch untertrieben ist.

Reisetipps:

Weitere Infos: Felbertauernstraße AG, info@felbertauernstrasse.at; www.felbertauernstrasse.at. Naturpark Hohe Tauern, A-9971 Matrei in Osttirol, Tel.: +43 4875/5161-10; nationalparkservice.tirol@hohetauern.at; www.hohetauern.at.

Übrigens: Wer von München kommend am Bundesstraßen-Grenzübergang Kiefersfelden von der A12 abfährt, spart die österreichische Autobahnmaut und auf dem Weg zur Adria - je nach Größe des Gefährts - bis zu 60 Euro.

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