Moosburg Ballonfahrt in die Stratosphäre

Die beiden Kameras haben Bilder aus bis zu 35 Kilometern Höhe aufgenommen. Foto: the_3phraim

Ein Experiment in eisiger Höhe: In der Nähe von Moosburg starten vier junge Männer einen Wetterballon in 35 Kilometer Höhe. Mit an Bord sind zwei Kameras, die den Flug dokumentieren. Eine sichere Landung ist alles andere als gewiss.

Samuel beißt auf seinem Kaugummi herum und konzentriert sich auf die Straße. Es ist früher Vormittag, die Junisonne brennt durch die Windschutzscheibe. Marc, Hendrik, Marcelo und Samuel, alle um die 20 Jahre alt, sind bereits seit gut einer Stunde im Auto unterwegs in Richtung Alpen, in der Hoffnung, die Ballonkapsel heil bergen zu können. Ob alles gut gegangen ist? Was ist, wenn der Fallschirm nicht aufgegangen oder ins Wasser gestürzt ist? Währenddessen tippt Marco auf seinem Handy herum. Er hat die Mobilfunknummer bereits mehrmals gewählt, immer mit der Ansage: Rufnummer nicht vergeben. Doch dieses Mal ertönt ein Piepton aus dem Lautsprecher: das Besetztzeichen! Lautes Jubelschreien erfüllt das Auto. Denn das kann nur eins bedeuten: Der Ballonkorb, den die vier auf halbem Wege ins Weltall befördert haben, ist wieder zur Erde zurückgekehrt.

Wetterballon statt Rakete

Eigentlich hat Samuel eine Rakete bauen und ins All schießen wollen. Der 20-jährige Moosburger ist begeistert von Sternen und Weltraum. In seiner Freizeit fotografiert der auszubildende Industriemechaniker den Nachthimmel: das Milchstraßenband über Heimatkulissen, den Orion-Nebel, langzeitbelichtete Sternenstrudel. Aus dem Raketenstart ist nichts geworden: „Dafür eine Genehmigung zu erhalten, ist so gut wie unmöglich“, sagt er. Doch solange eine Idee in der Welt des Machbaren liegt, egal wie verrückt sie erscheinen mag, bleibt sie trotz allem eins: machbar. Darum hat sich Samuel für einen Wetterballon entschieden. Samuel hatte „Projekt 2K17“ wochenlang geplant. Den Weg durch die Troposphäre, der untersten Luftschicht, bis in die darüber liegende Stratosphäre filmen zwei Videokameras an Bord. Ein Fallschirm soll die Kameras dann wieder zurück zur Erde bringen. Samuel hat viel recherchiert. Einen Wetterballon konnte er über das Internet kaufen. Insgesamt hat das Projekt ohne die Kameras rund 500 Euro gekostet, nicht sehr viel mehr als ein Ballonrundflug. Mit einem Computer-Programm lässt sich die Flugbahn berechnen: Sie führt südwärts in die Alpen. „Die Genehmigung von der Flugsicherung war relativ unkompliziert“, erzählt Samuel. Doch Risiken bleiben: Luftfeuchtigkeit kann die Kameralinsen beschlagen oder vereisen lassen. Die Elektronik könnte versagen, der Fallschirm reißen. Im schlimmsten Fall könnte die Kapsel in ein Gewässer oder auf eine Autobahn stürzen. Samuel hat sich über die Flächenverteilung schlaugemacht, sein Ergebnis: „Eine Landung auf Wasser oder Straßen ist äußerst unwahrscheinlich.“

Zwei Wochen später stellt Samuel den Ballonstart noch einmal nach. Er steht auf derselben Wiese, von wo aus der Wetterballon seine Reise angetreten hat. Außer den Traktorspuren am Boden und den Feldern ringsum ist keine Spur von Menschenhand zu sehen. Es ist Abend, Fliegen und Mücken umschwärmen Samuel. In seiner kurzen Hose und dem hellen T-Shirt ist er ein leichtes Ziel für die Insekten. Samuel holt aus einem Paket eine Styroporbox heraus. Dünne Seile sind an der werkzeugkastengroßen Box befestigt. An den Seiten sind zwei Styroporflügel angeklebt, einer davon ist bei der Bergung abgebrochen. Auf dem Deckel prangt ein Aufkleber mit der handgeschriebenen Notiz, gerichtet an einen möglichen Finder: „Ungefährliches Wetterexperiment“, darunter zwei Telefonnummern. Samuel nimmt den Deckel ab und zeigt das Innenleben: Unten und an der Seite ist jeweils ein Loch in das Styropor geschnitten, wo die beiden GoPro-Kameras hindurch filmten. Daneben befindet sich je ein selbst gebasteltes Modul zur Stromversorgung. „In 30 Kilometern Höhe ist es sehr kalt, normale Akkus halten da nur wenige Minuten“, erklärt Samuel. Deshalb haben die Jungs aus AA-Batterien und einem Kabel einen eigenen Akku zusammengelötet, der mit minus 40 Grad Kälte zurechtkommt. Ein GPS-Empfänger ermittelt die Position der Box. Verbunden mit einer Mobilfunkkarte kann er die Koordinaten an ein Handy per Kurznachricht schicken. Vorausgesetzt, die Box ist in einer Funkzelle. Vorher gibt es keinen Kontakt zum Ballon.

Den vollständigen Artikel lesen Sie auf idowa+ oder in der Moosburger Zeitung vom 8.7.2017. Wer den Wetterballonflug im Internet nachverfolgen möchte, findet auf Samuels YouTube-Kanal das Video.

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