Landkreis Landshut Atommüll-"Planlosigkeit": Niederaichbach wehrt sich

Bella ist eines von deutschlandweit zwölf Standortzwischenlagern. Da sich die Endlagersuche schwierig gestaltet, befürchten die Gemeinderäte in Niederaichbach, dass das Zwischenlager länger in Betrieb bleiben muss, als geplant. Die Gemeinde will sich nun wehren – zunächst gegen die geplante Einlagerung von sieben Castoren mit Atommüll aus der Wiederaufarbeitung. Foto: Archiv
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Bella ist eines von deutschlandweit zwölf Standortzwischenlagern. Da sich die Endlagersuche schwierig gestaltet, befürchten die Gemeinderäte in Niederaichbach, dass das Zwischenlager länger in Betrieb bleiben muss, als geplant. Die Gemeinde will sich nun wehren – zunächst gegen die geplante Einlagerung von sieben Castoren mit Atommüll aus der Wiederaufarbeitung. (Foto: Archiv)

Die geplante Einlagerung von sieben Castoren – aus einer Wiederaufbereitungsanlage in England – im Brennelementezwischenlager „Bella“ am Kernkraftwerk Isar erhitzt die Gemüter. Die Nachricht ist nicht neu – neu ist aber, dass die Gemeinde sich auf eine Klage gegen die Einlagerung vorbereiten will. Offen ist noch, ob das im Alleingang geschehen soll, oder eventuell zusammen mit den anderen Standortgemeinden mit Zwischenlagern, die weitere der 26 Castoren aus der Wiederaufbereitung aufnehmen sollen.

Bevor sich die Gemeinderäte bei der Sitzung am Dienstagabend darüber berieten, welche Maßnahmen sie konkret gegen die Einlagerung der sieben Castoren unternehmen können, hatten sie Bürgermeister Josef Klaus gebeten, sie über den aktuellen Stand zum Thema Atommüll-Endlager zu informieren. Klaus ist in der Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen in Deutschland (Asketa) und besucht daher zahlreiche Informationsveranstaltungen. Außerdem versorgen sich die Asketa-Bürgermeister gegenseitig mit Informationen. Klaus verlas eine Rede von Dr. Christian Götz, Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium, der im Februar 2015 bei einem Fachgespräch zu gesellschaftspolitischen, rechtlichen und technischen Fragen der Lagerung von Atommüll in Hannover sprach. Dabei gab es folgende Infos: „450 Behälter mit Brennelementen aus Leistungsreaktoren lagern derzeit in zwölf Standortzwischenlagern. Nach dem Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie werden rund 1.100 Behälter mit Brennelementen aus Leistungsreaktoren in den Zwischenlagern stehen. Hinzu kommen weitere 300 Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung und etwa 500 Behälter mit Brennelementen aus Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren.“ Dabei wird auf eine trockene Lagerung gesetzt. Das bringt aber wiederum ein Problem für die Zukunft mit sich: Wenn alle Kernkraftwerke zurückgebaut sind, gibt es auch keine Lagerbecken mehr, die für die Abwicklung von Reparaturarbeiten notwendig wären, so die Erklärung von Bürgermeister Klaus.

Zwischenlager eventuell bis zum Jahr 2130

In Gorleben, das ursprünglich einmal als Endlager im Gespräch war, gibt es ein Zwischenlager mit einer „heißen Zelle“, in der Castoren entladen und wieder befüllt werden können, so Klaus. Die Suche nach einem Endlager ist bekanntlich wieder offen. Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass eine Standortentscheidung 2031 gefällt sein wird, das Endlager 2050 in Betrieb gehen kann und die Behälter bis 2080 von den Zwischenlagern in das Endlager gebracht werden können. Negativere Einschätzungen rechnen allerdings erst 2080 mit einer Inbetriebnahme und dem Ende der Umlagerung circa 2130. Bei der Vorstellung dieser Zahlen ging mehrmals ein Raunen durch die Runde der Gemeinderäte. Problematisch ist auch, dass die Zwischenlager selbst eigentlich nur eine Genehmigung für 40 Jahre haben – auch die Genehmigung für die Behälter ist begrenzt – das Zwischenlager „Bella“ am KKI beispielsweise bis 2047. Da bis dahin keine Lösung in Aussicht scheint, fürchten die Niederaichbacher, dass das Zwischenlager länger zur Verfügung stehen muss. Und mehr noch: Die Befürchtung, dass Behälter aus anderen Zwischenlagern, deren Genehmigung schon früher ausläuft, dann in diejenigen transportiert werden, die noch eine haben, überlegten die Gemeinderäte.

Angesichts dieser scheinbaren „Planlosigkeit“ zu dem Problem Atommüll wollen die Niederaichbacher „nichts mehr hinnehmen“, wie Gemeinderat Thomas Ritzinger forderte. Ansetzen wolle man nun zunächst bei den sieben Castor-Behältern, die von der Wiederaufarbeitung aus England nach Niederaichbach kommen sollen. Im Februar gab es dazu ein Dialoggespräch mit den betroffenen Bürgermeistern, Landräten, dem Ministerpräsidenten und der Bundesumweltministerin in der bayerischen Staatskanzlei.

Mehr dazu lesen Sie am Freitag, 18. März, in der Landshuter Zeitung.

  1. Autor

    Stefanie Wieser
  2. Datum

    18.03.2016 07:41 Uhr
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