Landkreis Cham Greifvögel mit gefährlichem Kontaktgift getötet

Mehrere tote Greifvögel wurden im April südlich von Cham gefunden. Jetzt steht fest: einige der geschützten Tiere wurden vergiftet. (Symbolbild) Foto: imago
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Mehrere tote Greifvögel wurden im April südlich von Cham gefunden. Jetzt steht fest: einige der geschützten Tiere wurden vergiftet. (Symbolbild) (Foto: imago)

Im April wurden in einem kleinen Gebiet südlich von Cham sechs tote Greifvögel gefunden. Diese Zahl hat sich mittlerweile auf acht erhöht. Wie jetzt heraus kam, sind die geschützten Mäusebussarde und stark gefährdeten Rotmilane keinen natürlichen Tod gestorben, sondern getötet worden. Das verwendete Gift ist auch eine Gefahr für Kinder und Haustiere.

Acht tote Greifvögel innerhalb von zweieinhalb Monaten: Rund um Cham  ist ein Vogelhasser unterwegs. Davon geht zumindest der Landesbund für Vogelschutz (LBV) nach den jüngsten weiteren Erkenntnissen aus. Denn nun steht fest: Mindestens drei seltene Greifvögel sind durch ein stark wirkendes Kontaktgift getötet worden, das auch für Menschen hochtoxisch ist.  Deshalb die Warnung an alle Spaziergänger in der Region: tote Vögel liegenlassen und LBV oder Polizei verständigen. Das Gift kann auch für Kinder oder Hunde tödlich sein. Wie berichtet, waren  zwei Mäusebussarde durch Schrotkugeln ums Leben gekommen.  Sechs Mäusebussarde und zwei Rotmilane sind inzwischen in einem Umkreis von etwa einem Kilometer zwischen Tasching und Radling gefunden worden. Um den Vogelmörder zu fassen, hat der LBV jetzt eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf den Täter  ausgesetzt.

Mit Röntgenaufnahmen wurden bei zwei Tieren eindeutige Schussverletzungen durch Schrot nachgewiesen. Bei den nicht erschossenen Greifvögeln bestand der Verdacht einer Vergiftung. Deshalb wurden Proben von zwei Rotmilanen und einem Mäusebussard zur toxikologischen Untersuchung nach München geschickt. Das Ergebnis: bei allen drei Tieren wurden Rückstände von Gift identifiziert, das zum Tod der Tiere führte. Bei den drei anderen Tieren konnte die Todesursache nicht eindeutig beziehungsweise aufgrund des schlechten Zustands nicht mehr festgestellt werden. Es ist unklar, ob die vergifteten Greifvögel gezielt ausgelegte Giftköder oder anderweitig vergiftete Nahrung gefressen haben. Vorsicht ist trotzdem geboten, denn: „Genauso wie es die Greifvögel erwischt hat, stellen mögliche ausgelegte Giftköder auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr dar“, warnt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.

„Der Schutz der Öffentlichkeit ist für uns das zentrale Anliegen“, sagt Norbert Schäffer. Die Naturschützer rufen die Bevölkerung vor Ort dazu auf, den LBV und die Polizei umgehend zu informieren, falls noch weitere tote Greifvögel gefunden werden. Außerdem appelliert der LBV an alle Eltern, ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen, und an alle Hundehalter, ihre Tiere an die Leine zu nehmen, damit sie mit eventuellen Giftködern nicht in Kontakt kommen.

„Die Untersuchung durch die Ludwig-Maximilians-Universität, Abteilung Toxikologie und Pharmazie konnte zweifelsfrei eine Vergiftung der Greifvögel nachweisen“, erklärt Markus Schmidberger, Leiter des LBV-Zentrums Mensch und Natur. Das nachgewiesene Gift wirkt bereits bei Hautkontakt, ist auch in geringen Dosen hochtoxisch und führt zu Krämpfen.

Die Aufklärung illegaler Tiertötungen ist schwierig, deshalb hofft der LBV auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Spaziergänger, die einen toten Greifvogel auf dem Waldboden oder im Feld finden, können diesen beim LBV-Zentrum melden“, erklärt Schmidberger. Der LBV in Cham hat außerdem 1.000 Euro Belohnung für Hinweise an die Polizeidienststelle in Cham ausgesetzt, die zur Ermittlung des Täters führen.

Hintergrund:

Bereits 2013 wurden in der Nähe der jetzigen Fundstellen zwei tote Rotmilane und ein toter Mäusebussard gefunden. Der LBV ging damals noch nicht von einer illegalen Tötung der Tiere aus. Eine Fehleinschätzung, wie sich zeigt, da in diesem Bereich anscheinend regelmäßig Greifvögeln illegal nachgestellt wird.

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    21.06.2017 13:22 Uhr
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