Landesliga Südost Tomas und Lukas Krbecek: Bogens Zwillings-Achse

Fühlen sich in Bogen wohl: Tomas (links) und Lukas Krbecek. Foto: Fabian Roßmann

Die tschechischen Zwillinge Lukas und Tomas Krbecek sind Leistungsträger beim TSV Bogen. Sie haben viele Gemeinsamkeiten, unter anderem haben beide eine Profikarriere hinter sich.

Lukas und Tomas Krbecek mussten in ihrer Kindheit oft umziehen. Ihr Vater Jiri war Fußballprofi und je nach Verein richtete sich auch der Wohnort der Familie aus. Zwei Jahre hier, zwei Jahre dort, für eine Saison ging es sogar nach Xanthi in Griechenland. Es war eine aufregende Zeit für die beiden Zwillinge. Viel Freizeit, viel Zeit am Meer. Unterrichtet wurden sie währenddessen von ihrer Mutter, die Lehrerin ist. Eines hat sie in ihrer Kindheit dabei stetig begleitet: der Sport. „Wir waren jeden Nachmittag unterwegs“, erzählt Tomas Krbecek. Tennis, Basketball, Eishockey – ausprobiert haben sie vieles. „Das war gut für uns, weil man verschiedene Bewegungsabläufe und Fähigkeiten braucht“, sagt Tomas Krbecek. Doch am Ende blieb der Fußball. Mit fünf Jahren haben sie angefangen im Verein zu spielen. Auch mit dem Vater wurde gekickt, er hat ihnen die technischen Basics beigebracht.

Begonnen haben beide als Feldspieler. Vater Jiri war selbst Profitorhüter und später auch Torwarttrainer – unter anderem des jungen Petr Cech, dem späteren Welttorhüter. Doch Jiri Krbecek wollte nicht, dass es ihm seine Söhne gleichtun. „Er meinte, dass es im Tor schwieriger ist, weil pro Mannschaft immer nur einer spielen kann“, blickt Lukas Krbecek zurück. Dennoch landete er im Alter von etwa zehn Jahren zwischen den Pfosten, weil im Team ein Torhüter fehlte. Danach pendelte er zwischen Tor und Feld und entschied sich letztlich für die Position des Keepers. „Es hat sich einfach besser angefühlt“, sagt er. Im Nachhinein die richtige Entscheidung. „Im Feld wäre ich wohl nicht gut genug gewesen, um in der ersten Liga zu spielen“, schätzt Lukas Krbecek ein.

Alles gemeinsam - in der Kindheit wie heute

Und so war der Wechsel ins Tor die Grundlage dafür, dass es die Zwillinge Seite an Seite zusammen in den Profifußball und in die erste Mannschaft von Viktoria Pilsen geschafft haben. Bis 2008 verliefen die Laufbahnen der Brüder gleich, dann trennten sich die Wege, als Lukas von Viktoria Pilsen nach Pribram verliehen wurde. Ausgerechnet Pribram war dann auch der Club, in dem die beiden nach sechs Jahren in unterschiedlichen Clubs wieder gemeinsam auf dem Platz standen. Die beiden haben eine sehr enge Verbindung zueinander. „Wir haben immer alles gemeinsam gemacht. Das war in unserer Kindheit schon so und das ist auch heute noch der Fall“, sagt Lukas Krbecek.

Heute blicken die beiden durchaus zufrieden auf ihre Karrieren zurück. „Wir hatten beide die Möglichkeit, Geld mit dem zu verdienen, was wir lieben“, sagt Tomas Krbecek. Sie hätten während ihrer Laufbahn viele tolle Menschen kennengelernt und überall Freunde gefunden. „Es war schon eine spezielle Zeit, aber irgendwie auch nichts Besonderes“, sagt er und ist beim Rückblick auf seine Karriere sehr bescheiden. „Ich habe nichts Spezielles erreicht, habe keine Titel gewonnen und habe nicht international gespielt“, sagt der Mittelfeldspieler. Wobei über 180 Einsätze in der ersten tschechischen Liga mit Sicherheit mehr sind als „nichts Spezielles“. Nicht ganz so viele Erstliga-Spiele hat Lukas Krbecek vorzuweisen – aber auch über 60. Und zumindest auf dem Papier hat er auch einen Titel gewonnen. In der Saison 2010/11 bestritt er in der Hinrunde sieben Spiele für den späteren Meister Viktoria Pilsen.

Die zwei Seiten des Profigeschäfts

„Wir sind viel rumgekommen und hatten viel Freizeit“, sagt Tomas über die Vorzüge des Profifußballs. „Aber Fußball kann auch manchmal stressig sein“, meint Lukas und Tomas bestätigt: „Das wissen unsere Frauen nur zu gut.“ Manchmal wisse man nicht, wo man im nächsten Monat unter Vertrag stehe. „Der Profifußball hat zwei Seiten“, sind sich die beiden einig. Aktuell vermissen sie ihn jedenfalls nicht. „Wir sind glücklich und zufrieden“, sagt Lukas Krbecek. „Wir haben gute Jobs und können Fußball als Hobby weiter genießen.“ Lukas Krbcek arbeitet inzwischen als Datenanalyst bei einer großen Firma, Tomas arbeitet als Wärter für Affen.

Wie gut sich die Zwliinge kennen, haben wir im Video getestet:

Fußball spielen die 33-Jährigen nach wie vor, aber nur noch im Amateurbereich. Nach einem Jahr bei Bayern Hof verschlug es sie im Sommer 2017 zum TSV Bogen nach Niederbayern. „Eine schöne neue Erfahrung für uns“, sagt Lukas Krbecek. Der Unterschied zum Fußball in ihrem Heimatland? „In Tschechien geht es mehr um Taktik. In Deutschland stehen Geschwindigkeit, individuelle Qualität und die Physis mehr im Vordergrund“, vergleicht Tomas Krbecek.

Den Zwillingen gefällt es in Bogen. „Es ist ganz anders als im Profifußball. Alle sind so freundlich und es ist nicht dieser Druck da“, sagt Lukas Krbecek. Sein Bruder ergänzt: „Der Verein ist wie eine große Familie. Das Team und alle darum herum sind sehr nett.“ Es muss ihnen auch gut gefallen, sonst würden sie nicht im zweiten Jahr in Folge den enormen Aufwand auf sich nehmen. Rund zwei Stunden beträgt die einfache Fahrzeit von ihrem Heimatdorf nahe Pilsen, wo die Zwillinge mit ihren Familien Haus an Haus wohnen, in die Rautenstadt. Dazu kommt in dieser Saison mit der Landesliga Südost noch ein großer Mehraufwand, denn bei Auswärtsspielen geht es in Bogen erst los. So verbringen sie pro Woche bei zwei Trainingseinheiten und einem Spiel mindestens zwölf Stunden im Auto. Trotzdem gehören sie zu den Zuverlässigsten im Bogener Team. „Ihr Verhalten ist wirklich vorbildlich“, lobt Trainer Stefan Dykiert. „Sie sind für unsere jungen Spieler absolute Vorbilder in Sachen Auftreten und Engagement.“

Dykiert: "Wenn es darauf ankam, haben sie Leistung gebracht"

Und auch sportlich helfen sie den Rautenstädtern enorm weiter. „Sie haben in dieser Saison mit dafür gesorgt, dass wir die Punkte geholt haben, die wir dringend gebraucht haben“, sagt Dykiert. Gerade zu Saisonbeginn hätten sie die Mannschaft durch ihre Klasse und Erfahrung erst mit im Rennen gehalten und überragende Spiele gemacht. „Immer wenn es darauf ankam und es eng geworden wäre, dann haben sie sich nicht versteckt, sondern Leistung gebracht“, so der Trainer. „Sie waren ein großer Bestandteil, dass sich unsere Mannschaft so entwickelt hat.“ Dykiert will noch etwas festgestellt haben: „Ich habe das Gefühl, wenn der eine bei einer Situation nicht glücklich aussieht, dann will es der andere für seinen Bruder wiedergutmachen.“

Tomas Krbecek ist bei den Bogenern eine Säule im zentralen Mittelfeld, während Lukas seit dieser Saison die unumstrittene Nummer eins ist. Auch wenn sein Spielstil nicht dem aus den heutigen Lehrbüchern entspricht, wie Torwarttrainer Manfred Winter verrät: „Er macht schon ein paar Dinge anders, als ich sie einem jungen Torhüter beibringen würde. Aber entscheidend ist, dass er am Samstag die Bälle fängt. Und Lukas fängt sie. Er ist ein Super-Torwart, athletisch sehr gut und flink wie eine Katze. Dazu strahlt er durch seine Erfahrung eine unglaubliche Ruhe aus.“

Dazu überzeugen die beiden auch menschlich auf ganzer Linie. „Sie sind sehr, sehr angenehme Typen“, sagt Dykiert. „Sie passen sehr gut zu uns und unserer Mannschaft.“ Deshalb deutet derzeit vieles darauf hin, dass die Krbeceks auch in der kommenden Saison am Fuße des Bogenbergs spielen werden.

Bogener Mannschaft hält jung

Zumal den beiden Spielern gerade die Arbeit mit der sehr jungen Bogener Mannschaft Spaß bereitet. „Es ist immer noch etwas Neues für uns“, sagt Tomas Krbecek über die Konstellation. „Aber dadurch fühlen wir uns jünger als wir sind“, fügt sein Bruder mit einem Lächeln hinzu. Auch wenn die Sprache nach wie vor eine kleine Hürde ist, versuchen beide, den Bogener Youngsters zu helfen und ihnen Tipps zu geben.

Neben dem Fußball schauen die beiden gerne American Football und kümmern sich vor allem um ihre Familien. Beide sind verheiratet, Lukas hat zwei Söhne, Tomas einen Sohn und eine Tochter. Tomas schreibt ab und an auch noch Artikel über Videospiele für ein PC-Magazin. Wo sie ähnlich sind und wo sie sich im Charakter unterscheiden? „Ich denke, dass wir beide nett sind“, sagt Tomas und lacht. Lukas sei im Vergleich zu ihm ein bisschen explosiver, sei leichter zu verärgern. Das bestätigt der Bruder umgehend. „Tomas‘ Emotionen sind oft ein kleines Geheimnis. Er nimmt sich auch gerne Zeit für sich selbst und genießt zum Beispiel Spaziergänge mit seinem Hund.“

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