Kroatien Dalmatien ahoi: Eine Woche auf dem Motorsegler Columbo

Ein erhabenes Gefühl: Einfahrt in den alten Hafen Dubrovniks. Foto: Franziska Meinhardt

Der weiße Motorsegler wird sanft angehoben, als die Welle auf den Bug trifft. Unter uns klares Wasser, über uns der blaue Himmel Kroatiens - einen besseren Ort zum Entspannen gibt es nicht.

Schon der britische Schriftsteller William Makepeace Thackeray (1811-1863) hat es erkannt: "Die glücklichste und beste aller Erinnerungen", schrieb er über eine Schiffsreise, "sind vielleicht die des Nachts an Deck verbrachten Stunden, mit den Sternen hoch über einem..."

Wer schon einmal mit Motorsegler wie der Columbo in der dalmatinischen Adria unterwegs war, würde bei den "besten Erinnerungen" sicher auch die Tage nennen. Uns, die 32 Passagiere, erwartet Erholung - und eine Prise Abenteuer. In Trogir geht es an einem Samstag im Oktober los. Neben uns gleiten Inseln vorbei, wir fühlen uns wie Entdecker. Als erstes steuern wir Hvar an, dann werden wir weiterfahren nach Korčula, Dubrovnik, Mljet, Brač, Split und wieder zurück nach Trogir: Innerhalb einer Woche werden wir mittelalterliche Städte erkunden, in versteckten, türkis leuchtenden Badebuchten schwimmen und die einladende Natur auf den Inseln genießen. Sibylle, eine Reisegefährtin, spricht mit ihrer Einsicht allen aus der Seele: "Auf dem Wasser entspannt man von Anfang an!"

Geschichte und Game-of-Thrones-Kulisse: die Altstadt Dubrovniks

Wuchtige, jahrhundertealte Steinmauern erheben sich vor uns. Heute ist Montag, wir haben uns an das Leben auf dem Wasser bereits gewöhnt. Dennoch kommen alle an Deck, zücken Kameras und Handys. Denn gerade haben wir die Festung Lovrijenac passiert, und nun öffnet sich der Blick auf die Altstadt Dubrovniks, als wir in den Alten Hafen einfahren. Es gibt wohl keine erhabenere Möglichkeit, sich der Weltkulturerbestadt zu nähern, als auf dem Wasserweg.

Kapitän Karlo darf hier nur kurz anlegen, aber er hat seine Passagiere genau instruiert: Am Abend sollen wir den Bus in den Stadthafen Gruž nehmen, dort liegt die M/S Columbo über Nacht. Aye, aye, Käpt'n!

Wir wandern noch vor der offiziellen Führung die zwei Kilometer lange Stadtmauer ab, eine der effektivsten und schönsten Verteidigungsanlagen Europas. Franz, ein Mitreisender, rät uns dazu, denn einen besseren Blick auf die Altstadt gibt es nicht. 150 Kuna, rund 20 Euro, muss jeder bezahlen, dann dürfen wir bei der Erlöserkirche Sveti Spas die steile Treppe nach oben betreten.

Die leuchtend roten Dächer stechen einem sofort ins Auge: Viele Häuser, die während des Kroatienkrieges 1991/92 beschädigt wurden, sind über die Jahre wieder aufgebaut worden, die "Perle der Adria" leuchtet heute in neuem Glanz. Ihre Schönheit gibt inzwischen allerdings schon Anlass zur Sorge: Zu viele Touristen kommen jährlich, im August gab der Bürgermeister bekannt, die Zahl der Altstadt-Touristen drastisch einschränken zu wollen. Auch jetzt, in der Nachsaison, ist noch eine Menge los.

Für den Rundgang auf der Stadtmauer sollte man sich nicht die sonnigste Tageszeit aussuchen: Es gibt keinen Schatten, abgesehen von einzelnen Café-Tischen, die unter Schirmen stehen. Selbst im Oktober kommen wir ins Schwitzen. Zur Küste hin erwartet uns ein traumhafter Ausblick aufs Meer und - worauf wir gehofft hatten - ein Getränkestand.

Plötzlich deutet Franz nach unten auf eine Gasse innerhalb der Anlage. Am Ende davon ein Zaun, der einen Haufen Gerümpel umschließt. "Da waren sie!", ruft er. "Sie", das waren Schauspieler und Filmleute der US-Fantasyserie Game of Thrones , in der sich Dubrovnik in die fiktive Stadt "Königsmund" verwandelt - ein weiterer Grund, der die Altstadt zum Touristenmagneten macht. Franz hat bei einem früheren Besuch einen Blick auf die Dreharbeiten geworfen. Für Fans der Serie werden sogar Führungen an die Drehorte angeboten und spezialisierte Souvenirläden bieten alles, was das Herz begehrt, angefangen von Tassen mit den Wappen der Game-of-Thrones -Adelshäuser bis hin zum kompletten Jon-Snow-Outfit.

Dubrovnik, das erfahren wir auf unserer Führung im Anschluss, war im 15. Jahrhundert seiner Zeit voraus: Damals noch als Republik Ragusa bekannt, gab es bereits beim Kloster Sveta Klara eines der ersten Findelhäuser Europas und eine öffentliche Wasserversorgung - Symbol dafür ist der Große Onofrio-Brunnen an der Stradun, der Wasser von der zwölf Kilometer entfernten Quelle beförderte.

Schnell entsteht aus Passagieren und Besatzung eine "Schiffsfamilie"

Abends geht es wieder zurück auf "unser" Schiff. Hier sitzen wir noch eine Weile zusammen: draußen in der gemütlichen Sitzecke im Heck mit Blick auf den Hafen oder im Salon. Barkeeper Nicola versorgt uns mit Getränken. Es werden Erfahrungen ausgetauscht und Pläne für den nächsten Tag gemacht. 

Jeden Morgen steuern wir ein neues Ziel an. Anders als ein großes Kreuzfahrtschiff ist ein Motorsegler oder eine Motoryacht keine schwimmende Hotelburg, sondern eher wie ein Zuhause. Ähnlich entwickelt sich auch das Zusammenleben: Anonymität gibt es hier nicht. Mark Twain sprach bei seiner Mittelmeer-Kreuzfahrt 1867 von der "Schiffsfamilie", die sich an Bord finden würde - so fühlt man sich auch auf der M/S Columbo.

Die Atmosphäre ist lässig-entspannt, man kommt leicht ins Gespräch - mit Mitreisenden ebenso wie mit den Besatzungsmitgliedern, neben den Kapitänen Karlo und Paško sind das Schiffskoch Boris, Matrose Dario und Barkeeper Nicola. Die anderen Passagiere trifft man morgens beim Frühstück im Salon - oder schon davor, um bei einem Cappuccino am Oberdeck die aufgehende Sonne zu genießen -, und wenn man möchte, auch beim Baden, beim Landgang und abends an der Bar.

Kein Wunder, dass sich da schnell ein Gemeinschaftsgefühl einstellt. Selbst wenn man die Reise alleine antritt, ist es leicht, Anschluss zu finden. Gleich am ersten Tag lerne ich nicht nur unsere Tischgemeinschaft kennen, bestehend aus Volker, Franz, dessen Frau Marietta sowie ihre Freunde Gisela und Günther, sondern auch die Kölnerin Angelika, die mit ihrem Mann Achim und zwei Freunden, Sibylle und Martin, unterwegs ist.

Volker kennt Kroatien bereits aus vielen Familienurlauben - ihm fehlte nur noch die "Blaue Reise" auf dem Seeweg. In der Stadt Korčula auf der gleichnamigen Insel überzeugt er uns, "Peka" zu probieren. Diese kroatische Spezialität wird über Stunden in einer zugedeckten Eisenpfanne gegart und muss daher meist einen Tag zuvor bestellt werden. Ivo Sardelić, der Wirt der Konoba Nautta, nimmt unsere Bestellung zum Glück auch noch am Nachmittag an. Als wir abends eintreffen, sind noch glühende Kohlen auf die Pfanne geschichtet, wir müssen uns etwas gedulden. Dann dürfen wir sogar zwei Sorten probieren: Lamm und Oktopus, jeweils mit Zwiebeln, Kartoffeln und Gewürzen - ein köstliches Gericht.

Für die Kapitäne, die Brüder Karlo und Paško, ist diese Fahrt ein Abschied: Ihr Vater Arsen hat das Schiff, das die Familie 2009 selbst gebaut hat, im Sommer verkauft. In diesem Winter wird eine größere Motoryacht gebaut, sie soll im kommenden Jahr zum Einsatz kommen. Arsen und sein jüngster Sohn Roko sind mit dem baugleichen Schiff, der M/Y Mystic, bereits in diesem Jahr unterwegs gewesen. Die Motoryachten bieten etwas mehr Komfort, auch die Kabinen sind etwas größer. Als ich Karlo später am Steuerstand antreffe, gibt er sich gelassen. Er freue sich auf das neue Schiff, sagt er: "Sie ist leichter zu fahren, sie macht weniger Probleme mit dem Wetter."

Die beiden Brüder stammen aus einer Familie, in der die Seefahrt seit langem Tradition hat. "Mit fünf oder sechs Jahren bin ich mit meinem Papa und meinem Opa mitgefahren", erzählt Karlo. Die Kapitänslizenz erhielt er mit 21 Jahren. Wohin fährt man in den Urlaub, wenn man in einer Urlaubsregion lebt? Karlo lächelt. Mit seiner Frau und den Kindern bleibt er auch im Winter gerne an der Mittelmeerküste. Für ihn sei aber auch der Sommer Urlaub, sagt er, obwohl die Fahrten auch Arbeit sind - aber die gefällt ihm. In den Wintermonaten, bevor die neue Saison beginnt, arbeitet die Familie auch - dann werden die Schiffe gewartet oder es wird ein neues Schiff gebaut.

Vom Piratennest zum Naturparadies: die Insel Mljet

Jeden Tag geht es für ein, zwei Stunden an eine neue Bucht, die wir ganz für uns haben. Noch ein Vorteil der kleineren Schiffe, die hier ankern können. Das Wasser hat in diesem Oktober noch 22 Grad: Ganz ungestört können wir im türkis leuchtenden und doch kristallklaren Wasser schwimmen, tauchen, schnorcheln oder uns einfach treiben lassen.

Volker ist mutig und springt vom Sonnendeck, andere schwimmen zu einer kleinen Insel. Ein Paar beschließt, Badehose und Bikini an Bord zu lassen - so eins mit der Natur fühlt man sich hier.

Ähnlich paradiesisch ist die Natur an Land. Am Dienstag steuern wir Pomena auf Mljet an, der südlichsten der größeren Adria-Inseln, deren Gesamtfläche zu 72 Prozent von Wald bedeckt ist. Zur Zeit der Illyrer soll die Insel als Seeräuberversteck gedient haben, bis Kaiser Augustus sie überfiel, einen Teil der Bevölkerung als Sklaven abtransportieren und den Rest töten ließ. Danach wurde die Insel als Verbannungsort genutzt.

Von derlei grausamen Vorfällen ist heute nichts mehr zu spüren, im Gegenteil: Die Insel ist mit ihrem Nationalpark ein ideales Ziel für alle, die Ruhe in der Natur suchen. Zwei Salzseen mit Sandstränden zählen neben dem Wald aus Steineichen und Aleppokiefern zu den Highlights. Wer will, kann den großen Salzsee in gut zwei Stunden zu Fuß umrunden, mit dem Rad geht es doppelt so schnell - außer, man lässt sich an den wunderschönen Badebuchten zu einem Sprung ins Wasser verleiten.

Bei Mali Most treffen beide Seen aufeinander. Wer sich noch nicht entschieden hat, wie er die Seen erkunden will, kann sich hier bei Radulj Tours ein Fahrrad oder ein Sit-on-Top-Kajak mieten. Eine Kanutour auf dem See ist durchaus empfehlenswert: Wenn man etwas geübt ist, kann man in einer halben Stunde recht gemütlich bis zur kleinen Insel Sveta Marija paddeln, auf der sich ein romanisches Benediktinerkloster befindet - ein beliebtes Ausflugsziel.

Wer gerne wandert, kommt auf dem markierten Mljet Hiking Trail auf seine Kosten: Insgesamt ist er 43 Kilometer lang, man kann ihn natürlich auch in Teilabschnitten gehen. Mit etwas Glück sieht man unterwegs eine besondere Tierart, die hier 1909 zur Bekämpfung von Schlangen ausgesetzt wurde: Mungos. Heute sind die kleinen Raubtiere mit der wieselähnlichen Körperform hier weit verbreitet. Katrin, eine Mitreisende, erzählt später davon, zwei "Ratten" gesehen zu haben - wahrscheinlich waren es Mungos.

Am Mittwoch erreichen wir Pučišća, einen kleinen Ort an der Nordküste der Insel Brač. Bekannt ist er vor allem durch seine Steinmetztradition und den marmorähnlichen, weißen Stein, der hier abgebaut wird. Eines der berühmtesten Bauwerke, die daraus errichtet wurden, ist das Weiße Haus in Washington.  Schon beim Einlaufen sehen wir am Ufer den ersten Steinbruch mit strahlend weißen, riesigen Blöcken. Und als wir von Bord gehen, stehen wir direkt vor der Steinmetzschule, in der den Schülern das alte Handwerk vermittelt wird. Schon in der Antike wusste man diese Tradition zu schätzen: Auch der Diokletianspalast in Split besteht aus dem Bračer Naturstein.

Auf dem Weg durch den Ort fällt auf, dass die Einwohner ihr regionales Naturprodukt offenbar auch gerne für den Eigenbedarf nutzen: Alle paar Meter, so scheint es, werden Häuser neu gebaut und renoviert, liegen flache Steinfliesen oder hohe Blöcke aufeinander gestapelt zur Weiterverarbeitung bereit. Kein Wunder, dass der ganze Ort zu leuchten scheint.

Feierlicher Abschluss: das Kapitänsdinner und eine besondere Bar

An diesem Abend findet an Bord der gesellschaftliche Höhepunkt der Reise statt: das Kapitänsdinner. Schiffskoch Boris, der uns sonst immer mittags gut versorgt, hat jetzt ein Barbecue für das Dinner vorbereitet. Doch der Grill ist Chefsache: Kapitän Karlo wendet selbst jeden Drachenkopf auf dem Rost.

Auch jetzt ist die Atmosphäre eher relaxed als gediegen: Abendgarderobe braucht hier niemand, High Heels wären fehl am Platz. Feierlich ist die Stimmung dennoch - allein schon wegen der Ansprache von Kapitän Karlo, der sich bei den Passagieren bedankt, nachdem er jeden persönlich begrüßt hat. Alle sind gut gelaunt, aber auch schon ein wenig melancholisch: Unsere Reise nähert sich langsam dem Ende. Nach Pučišća werden wir Split ansteuern und am Freitag nach Trogir zurückkehren.

Nach dem Essen hat es an diesem Abend niemand eilig, von Bord zu kommen. Stattdessen sitzt man noch bei Wein oder Bier zusammen, auch der Kapitän gesellt sich zu uns. Ein paar von uns gehen später noch in den "Cutty Sark Pub" - eine Kneipe, die allein schon wegen ihrer maritimen Einrichtung sehenswert ist: Vor dem Tresen stehen mit dicken Tauen umwickelte Barhocker, diverse Segelschiffmodelle schmücken das Regal über der Theke, an den Wänden der schummrig beleuchteten Bar hängen Bilder von Schiffen, und auch eine große Schiffsglocke und ein Telegraph fehlen nicht.

Der Barkeeper ist gleichzeitig DJ, er wählt kroatische Popsongs aus, die für Stimmung sorgen. Es ist wenig los, aber die Saison ist ja auch schon vorbei. Columbo-Matrose Dario zeigt uns im Nebenraum originalgetreue Modelle berühmter Schiffe, die in Vitrinen ausgestellt sind, darunter der berühmte Teeklipper "Cutty Sark" und die berüchtigte "Wasa", eine schwedische Galeone, die auf ihrer Jungfernfahrt 1628 sank, weil sie falsch konstruiert worden war.

Wir fragen Dario, was er an einem kleineren Schiff wie der M/S Columbo mag. Er muss nicht lang überlegen: "Es hat eine Seele", sagt er.

Irgendwann ertönt das Rausschmeißer-Lied: "Laku noć, svirači" (dt.: Gute Nacht, Musiker), tönt Željko Bebeks Stimme, hingebungsvoll singen wir mit - zumindest den Refrain. Dann geht es zurück zum Schiff.

Reise-Tipps:

Mehr über Dubrovnik erfährt man auf der Website des Tourismusverbandes Visit Dubrovnik .

Die Konoba Nautta in Korčula, Ul. don Iva Matijace opata, bietet regelmäßig Peka an, eine Reservierung am besten am Vortag ist erforderlich: Tel. +385 92 327 8809.

Weitere Infos für Touristen auf der Website der Insel Mljet .

Kreuzfahrten auf Motorseglern und Motoryachten mit unterschiedlichen Routen in der kroatischen Adria bietet unter anderem I.D. Riva Tours an.

Die Recherche für die beschriebene Reise wurde unterstützt von I.D. Riva Tours.

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos