Italien Das Cilento ist eine Region für Genießer

Luici, Josefina und Vincenca im Bergdorf Camerotas. Foto: Heidrun Lange

Meer, Wald, Weide und Himmel: Im Cilento können Genießer aus dem vollen Schöpfen.

"Buona giornata", einen schönen Tag, wünschen uns die Alten Luici, Josefina und Vincenca. Sie sind Nachbarn, und jeden Nachmittag sitzen sie auf der Bank direkt neben der alten Burg und tauschen Neuigkeiten aus.

Auf den Tisch kommt nur, was hier wächst

Vincenca, die ältere Dame erzählt, dass ihre Kinder mehr von der Welt gesehen haben als Camerota, der 1800 Einwohner zählende Bergort in Italiens zweitgrößtem Nationalpark und Unesco-Weltkulturerbe. "In den Sechzigern sind Sohn und Tochter nach Stuttgart gegangen, um anderswo Geld zu verdienen."

So haben es viele im Ort gemacht. In den Neunzigern sind sie wieder zurückgekehrt. Und seither besinnen sie sich auf die Schönheit und die gesunde Lebensweise ihres Cilento. Sie übernehmen die Firmen ihrer Eltern, halten an alten Traditionen fest und bringen neue Ideen ein.

Luici und Josefina zeigen auf die samtig grün bewaldete Hügelkette, auf uralte Olivenhaine und die kantig in den Himmel schneidenden Hochgebirgsgipfel. Einen Dottore brauchen sie nicht. Bei ihnen kommt nur auf den Tisch, was auf Wiesen und in Wäldern wächst und im Meer gefangen wird.

Sardellen werden noch in alten Holzbooten gefangen

Am Hafen herrscht ein emsiges Treiben. Ausflugsschiffe kehren von den traumhaften, von Land kaum zugänglichen Badebuchten wie der Infreschi zurück. Trotz der einbrechenden Dämmerung fahren Fischer aufs Meer. Es sind die "pescatori", die nur im April bis in den Juni mit ihren acht Meter langen Holzbooten bei glatter See Sardellen nach Art ihrer Vorfahren fangen.

In der Taverna del Mozzo kreiert der Koch einen Augenschmaus. Luca Cella aus dem Norden von Camarota schätzt das intensive Aroma und das leicht rosafarbene Fleisch. In seinem Unternehmen werden auf Anfrage die Fische vor den Gästen per Hand verarbeitet. Und im Frühjahr geht er mit ihnen in den Wald zur Spargelernte, im Herbst auf Pilzsuche. Dann wird im Hotel Calanca gemeinsam gekocht. Er sagt: "Die Langlebigkeit ist eine Folge der Ernährung der Einwohner des Cilento. Fünf Generationen arbeiten auf den Feldern und sie leben davon, was darauf wächst."

Biokost in Reinform. Der Cilento gilt als die Wiege der "Dieta Mediterranea". Das ist keinesfalls Fasten, sondern gesundes und ausgewogenes Schlemmen. Das außergewöhnlich hohe Alter vieler Cilentani bewegte den amerikanischen Ernährungswissenschaftler Ancel B. Keys in der Nachkriegszeit zu seinen Studien der cilentanischen Küche. Er brachte aus dem kleinen Küstenort Pioppi die Idee des "Slow Food" auf den Weg.

Und gesund heißt im Cilento: Die Speisen nachhaltig mit saisonalen Zutaten zubereiten, zum Beispiel in Salz eingelegte Sardellen, kleine Tomaten, wilder Spargel, Kichererbsen und weiße Feigen. Ob in exponierter Lage oder versteckt in kleinen Gassen, in den Restaurants lebt die Idee der Mittelmeerdiät weiter. Die rustikale Variante ist die Cantina Del Marchese. Die Speisen sind deftig und an den Traditionen des doch recht armen Cilento orientiert.

Überaus wichtig ist für Keys die tägliche Bewegung. Er selbst unternahm mit seiner Frau jeden Tag lange Spaziergänge. Wanderführer sind vor Ort und Fahrräder und Boote können ausgeliehen werden. Im Hinterland gibt es hohe Berge und Aussichten in tiefgrüne Schluchten, die mit kleinen wilden Bergblumen übersät sind. Die Küste lockt mit atemberaubenden Uferwegen und glasklaren Buchten. Es scheint, als haben die Menschen aus dem Cilento, ein Geheimrezept für ein langes und gesundes Leben.

Die beschriebene Reise wurde unterstützt von Cilento Ferien und Hotel Calanca.

Reisetipps:

Anreise: Neapel wird von mehreren deutschen Flughäfen aus angeflogen, unter anderem von Lufthansa, Air Berlin und Tuifly. Von dort mit Mietwagen oder Bus (vom Flughafen Napoli-Capodichino) ins Cilento. Eine Buslinie der Gesellschaft www.cosat.it hält unter anderem in Agropoli, Battipaglia und Salerno. Im Juli und August fahren vom Flughafen Roma-Fiumicino Busse von CO.SA.T. Oder man fährt mit dem Zug vom Hauptbahnhof Neapel oder Rom aus. Zugverbindungen können auf www.trenitalia.com eingesehen werden.

Unterkünfte und Aktivitäten findet man unter www.cilento-ferien.de. Unter "Erlebnisreisen" findet man zwei Programme des Kochkurses, den das Hotel Calanca in Camarota im Frühling und im Herbst anbietet: www.hotelcalanca.com

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