Interview „Wir laufen keinen Trends nach“: Stefan Klingberg ist einer der Erfinder von „Häfft“

Stefan Klingberg ist einer der zwei Häfft-Gründer. Foto: Häfft-Verlag
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Stefan Klingberg ist einer der zwei Häfft-Gründer. (Foto: Häfft-Verlag)

Zwei Schulfreunde – beide Schülerzeitungsredakteure – finden herkömmliche Hausaufgabenhefte zu langweilig und kreieren kurzerhand ein eigenes. Was anfangs nur an der eigenen Schule verkauft wird, erobert Jahre später Deutschlands Klassenzimmer. Auf über 25 Jahre Häfft kann Stefan Klingberg, einer der Erfinder des Kult-Hausaufgabenhefts, zurückblicken. Freistunde erzählt er, warum ihnen die Ideen immer noch nicht ausgehen.

Das Hausaufgaben-Häfft gibt es seit über 25 Jahren. Wenn sie zurückblicken, gibt es da auch Entscheidungen, die Sie bereuen?

Stefan Klingberg: Da gibt es viele kleine Momente und einige Sachen, die wir heute nicht mehr ändern können. Zum Beispiel bei unserer ersten Krise 2001: Wir standen kurz vorm Ruin, weil Andy und ich vieles zu leichtsinnig und zu risikofreudig entschieden haben. Aber da sind wir gerade noch durchgeflutscht, weil wir letztlich rechtzeitig eingegriffen haben. Und wie man so schön sagt: Aus solchen Fehlern lernt man.

Ihre Abi-Prüfungen waren 1994 – ziemlich lange her! Woher wissen Sie eigentlich nach all den Jahren immer noch, was Schüler heute interessiert?

Wir haben eingesehen, dass wir die Texte nicht mehr schreiben sollten, sobald wir Papas sind. Denn ab diesen Zeitpunkt verändert sich die Sichtweise: Wir fühlten uns nicht mehr wie die Komplizen der Schüler, wir wurden zu den Typen mit dem erhobenen Zeigefinger. Deshalb haben wir eine recht junge Redaktion und versuchen, das Häfft zeitlos zu halten. Wir laufen keinen Trends nach.

Im Häfft begleiten Brot und Schwein die Häfftlinge – so werden die Schüler mit Häfft genannt – durch den Schulalltag. Wie sind die Figuren entstanden?

Das kommt alles von unserem Zeichner Werner Härtl, der 1995 zu uns kam und für uns zeichnen wollte. Wir fanden seine Zeichnungen fantastisch. Anfangs hat er witzige Cartoons querbeet geliefert. Mit der Zeit wurde uns klar, dass zentrale Figuren hilfreich und recht schick wären. Brot und Schwein waren geboren. Bis heute wissen wir allerdings nicht, was Werner mit ihnen bezwecken wollte. Wir glauben, die beiden Figuren dienen als Analogie der beiden Gründer, also stehen für Andy und mich. Andy wäre demnach das Schwein, weil er immer schon ein bisschen fester war, ich das Brot.

Woher nehmen Sie die lustigen Sprüche, die im Häfft stehen?

Wichtig ist: Wir versuchen immer, Wiederholungen zu vermeiden. Das war anfangs leichter, da haben wir unsere Sprüche auf Schülersprechertagungen gesammelt. Heute ist es mit dem Internet nicht mehr so leicht, denn das Internet treibt neue Schweine sofort durchs Dorf. Aber die Redaktion leistet da gute Arbeit – die einen kümmern sich um die wichtigen Termine und Geburtstage, die anderen sammeln mit viel Fleiß die Sprüche. Und da gehört es auch dazu, sich einzugestehen, dass ein Spruch manchmal nicht gut genug fürs Häfft ist.

Können Sie eigentlich selbst noch über die Sprüche im Häfft lachen? Sie haben ja bestimmt schon tausende gelesen...

Ja, ich kann immer lachen. Die Sprüche funktionieren. Das merkt man auch im Internet: Auf unseren Seiten klappen schwere Themen überhaupt nicht, gute Sprüche und Bilder sind dagegen sehr beliebt. Und wir lieben Sprüche einfach!

Vielen Lehrern ist das Häfft ein Dorn im Auge, weil es die Schüler ablenkt. Was sagen Sie dazu?

Dass das Häfft von Lehrern abgelehnt wird, ist ja unser Erfolgsrezept (lacht). Aber ich denke, ihnen ist auch bewusst, dass sie lieber ein schönes Hausaufgabenheft dulden, dass zwar zwei Wochen viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber danach gerne genutzt wird, als ein langweiliges, bei dem den Schülern egal ist, wenn es verloren geht. Sprüche sind schließlich beim dritten Mal Lesen nicht mehr so toll.

Hinter Häfft stehen ja nicht nur Sie, sondern auch Andreas Reiter, Andy. Sie beide kennen sich seit der Schule und leiten das Unternehmen gemeinsam. Wie funktioniert das mit ihrer Freundschaft?

Da gibt es auf jeden Fall Potenzial für Reibereien. Aber ich denke, dass ich 2001 nach Berlin gezogen bin, weil ich meine Frau geheiratet habe und wir ein Kind bekommen haben, hat dem sehr gut getan. Seitdem haben wir zwei Standorte: ein Büro in München und eins in Berlin. Wenn wir im selben Büro sitzen würden, könnten wir nicht so gut zusammenarbeiten. Und dank der heutigen Technik ist so eine räumliche Trennung kein Problem mehr. Unbedingt dazu sagen muss ich an dieser Stelle: Mit keinem habe ich in meinem Leben bisher so viel telefoniert wie mit Andy.

  1. Autor

    David Voltz
  2. Datum

    08.09.2017 13:14 Uhr
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