Landkreis Regensburg Gespräch mit Curvy-Model Miriam Sembera

Curvy-Model Miriam Sembera ist 25 Jahre alt. Die aus Hagelstadt im Landkreis Regensburg stammende Stewardess trägt Kleidergröße 42/44. Foto: Vanessa Kray

Miriam Sembera hat die Nase voll vom Schlankheitswahn. Die 25-Jährige aus dem Landkreis Regensburg hat sich dazu entschieden, ihre Kurven zu akzeptieren und zu lieben. Jetzt will sie als Curvy-Model durchstarten.

Miriam, wie kamst du zum Modeln?

Miriam Sembera: Ich fand Models schon immer faszinierend. Aber früher gab es diese Curvy-Bewegung noch nicht. Später haben immer wieder Leute zu mir gesagt: „Mensch, Miri, warum probierst du es nicht aus? Du bist fotogen und hast eine tolle Ausstrahlung.“ Dann habe ich Fotografen angeschrieben, ob sie Fotos mit mir machen wollen. 2017 habe ich mich dann bei der Fernsehshow „Curvy Supermodel“ auf RTL 2 beworben. Als es noch so um die 400 Mädels waren, bin ich aber leider rausgeflogen.

Auf was haben die Macher der Show Wert gelegt?

Ich fand super, dass viele Kleidergrößen vertreten waren. Es gab auch Mädels mit Kleidergröße 38, 40 und welche mit sehr großen Größen. Die Macher haben gesagt, es geht nicht darum, wer die größte Größe hat, sondern darum, wie die Figur ist und die Ausstrahlung der Frau. Wichtig bei Curvy-Models ist eine Sanduhr-Form.

Dann hast du bei einem Model-Workshop mitgemacht.

Genau, in München. Da lernt man, worauf es beim Modeln ankommt und das richtige Laufen und Posen. Sie sagen einem, dass es wichtig ist, dass man dazu bereit ist, sich optisch zu verändern. Ich hatte zum Beispiel früher hellblonde Haare. Das wäre fürs Modeln hier bei uns einfach ein zu spezieller Typ – wir sind ja nicht in New York.

Kürzlich hattest du deinen bisher größten Erfolg beim Modeln.

Ja, ich habe bei einem Casting für eine Wöhrl-Werbekampagne mitgemacht und gewonnen! Sie haben für ihre Frühjahrskollektion zwei Übergrößen-Models gesucht.

Wie ist das Casting abgelaufen?

Das Casting war in Regensburg in einer Wöhrl-Filiale. Wir waren 22 Bewerberinnen. Es gab eine Vorstellungsrunde, ein Fotoshooting, einen Catwalk-Lauf ...

Warst du sehr nervös?

Nein, gar nicht. Weil mein Freund dabei war. Er hat mich total unterstützt. Außerdem war die Stimmung unter den Frauen so toll! Es war gar nicht wie bei einem Wettbewerb. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und uns Komplimente gemacht.

Wie war das Shooting für die Kampagne?

Es war total cool! Alle waren entspannt. Es gab erstmal Kaffee. Dann hat mich der Make-up-Artist eineinhalb Stunden lang geschminkt und mir die Haare gemacht. Insgesamt hatte ich um die sieben Outfits an. Zwischendurch musste ich immer wieder in die Maske, damit meine Frisur und das Make-up angepasst werden.

Das war sicher anstrengend.

Ja, schon. Aber mir hat es so viel Spaß gemacht, dass es für mich eher beflügelnd war. Das Team war auch total begeistert und hat gesagt, ich muss unbedingt weiter modeln. Das hat mich so gefreut! Jetzt hoffe ich, dass ich, wenn ich die Bilder bekomme, total durchstarten kann.

Was bedeutet die Curvy-Bewegung für dich?

Diese Bewegung bedeutet nicht, dass es jetzt einfach nur Models gibt, die eine größere Kleidergröße haben. Das sind Frauen, die sich so akzeptieren, wie sie sind. Und das bedeutet viel für Frauen, die von Natur aus stämmiger sind und extrem wenig essen müssten, damit sie so aussehen wie das gängige Schönheitsideal. Diese Frauen sehen jetzt plötzlich andere Frauen wie sie, die aber erfolgreich und selbstbewusst sind und sich so lieben, wie sie sind.

Welches Plus-Size-Model ist dein Vorbild?

Das erste Plus-Size-Model, das mich richtig umgehauen hat, war Ashley Graham. Aber es gibt im Vergleich zu Skinny Models nur sehr wenige Übergrößen-Models. Ich glaube, dass sich viele nicht trauen. Denn wenn man mehr auf den Hüften hat, dann spielt die Haut auch nicht mehr so mit und Dehnungsstreifen, Cellulite und so weiter kommen. Die Mädels schämen sich dann und denken: „So kann ich mich nicht zeigen.“ Wir wollen zeigen: Das ist total normal. Denn Frau ist Frau. Und jede Frau ist schön.

Gab es Zeiten, in denen du versucht hast, abzunehmen?

Ja, früher. Aber jetzt schon lange nicht mehr. Ich hatte auch mal eine Zeit lang gar keine Waage zu Hause (lacht). Ich esse, was ich möchte. Ich esse gesunde Sachen, ich esse ungesunde Sachen – ich esse von allem etwas.

Was hältst du vom Schlankheitswahn unserer Gesellschaft?

Wenn jemand von Natur aus schlank ist, dann ist das schön. Aber alles was mit „Wahn“ zu tun hat, gehört durchbrochen. Es sollte kein Schönheitsideal mehr geben. Das Schönheitsideal sollte sein: Selbstbewusstsein. Ich glaube, dass die Männer dabei auch eine große Rolle spielen. Wenn die öfter sagen würden, dass sie Kurven auch zelebrieren, dann wäre schon viel gewonnen.

Siehst du einen Trend hin zu einem Schönheitsideal, das mehr den normalen Frauen entspricht?

In Deutschland entwickelt sich das leider sehr langsam. In den USA passiert da viel mehr. Ich bekomme das durch meinen Job gut mit. Die Werbeplakate in den USA zeigen schon Frauen mit jeder Kleidergröße. Ich würde mir wünschen, dass der Trend nicht einfach nur umschlägt auf Plus-Size-Models, sondern dass es Models mit allen Figuren gibt. Und dass man sich dann nicht mehr rechtfertigen muss bei Aussagen wie: „Was? Du modelst? Okay ...“

Wo hast du dein Selbstbewusstsein her?

Meine Mama hat immer zu mir gesagt: „Miri, sei stolz auf das, was du bist. Lass dich nicht unterkriegen.“ Früher in der Schule musste ich mir aber auch blöde Sprüche anhören. An eine Szene erinnere ich mich gut. Ich war in einem Hallenbad. Dann sagte ein Bub zu mir: „Geh wieder ins Wasser. Keiner will deinen Speck sehen.“ Ich glaube, dass es fast niemanden gibt, der mehr auf den Rippen hat und so etwas nicht erlebt hat.

Also hat deine Mama eine wichtige Rolle gespielt?

Ja. Ich glaube, ich habe die gleiche Figur, die sie früher hatte. Sie hat auch nicht so lange Beine und ein bisschen mehr dran. Früher fand ich das ganz schlimm, nicht so dünne Oberschenkel zu haben. Aber mittlerweile gar nicht mehr. Ich glaube, das ist ein Prozess, dass man lernt, sich so anzunehmen und zu lieben, wie man ist. Ich habe das Gefühl, dass Frauen – egal ob schlank oder nicht – sich nicht selbst lieben können. Sie glauben, es sei eingebildet, wenn man denkt: „Ich liebe mich selbst.“ Selbstliebe ist etwas, das man lernen kann. Und wenn man sich selbst liebt, dann ist man auch nicht mehr eifersüchtig auf andere Frauen. Man hört ja ganz oft so Sachen wie: „Schau dir die mal an! Die ist ja viel zu dünn!“ Frauen sollten sich gegenseitig feiern!

Hier geht's zu Miris Instagram-Account @miriam_curvy_model

 

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