Mehrere Aktivisten protestierten am Montag auf brachiale Weise gegen den Wiederaufbau der Wiesenhof-Schlachtfabrik, die im Februar 2015 abbrannte und im Frühjahr wieder in Betrieb gehen soll. Erst gegen 19 Uhr räumten sie schließlich das Feld.

Laut dem Bündnis Mastanlagen Widerstand besetzten gegen 6.30 Uhr etwa 20 ihrer "Tierbefreiungsaktivisten" das Baugelände der Fabrik in Hofweinzier, um mit ihrer Aktion die Bauarbeiten aufzuhalten. Vier der Teilnehmer kletterten auf zwei 30 Meter hohe Kräne und hinderten diese am Arbeiten. An den Auslegern brachten sie Transparente mit der Aufschrift "Bis jede Schlachtfabrik stillsteht: Protest, Sabotage, Widerstand!" an. Trotz mehrmaliger Aufforderungen der Polizei weigerten sie sich, wieder herunterzuklettern. Drei weitere Aktivisten ketteten sich außerdem fest. Andere wiederum stürmten in einen Bürocontainer, hefteten ihre Protestschreiben in die Aktenordner und störten mit Trillerpfeifen Geschäftstelefonate. Weitere Teilnehmer verteilten vor dem Gelände Flugblätter und Transparente.

Die Polizei war während der Aktion mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Beamten versuchten zunächst, die Tierschützer durch gutes Zureden zur Aufgabe zu überreden, stießen jedoch auf taube Ohren. Der Auftakt für einen stundenlangen Nervenkrieg. Gegen 14 Uhr ließen sich schließlich sechs Tierschützer, die einen der Bürocontainer besetzt hatten, widerstandslos festnehmen. Drei von ihnen hatten sich dort zusammengekettet - sie mussten von der Polizei aus der selbst verursachten misslichen Lage befreit werden. Anschließend wurden ihre Personalien sichergestellt. Sie erwartet nun eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.

Die Aktivisten, die auf die Kräne geklettert waren, hielten die Beamten sogar noch länger hin. Immer wieder fuhren die Polizisten mit einer Drehleiter der Feuerwehr nach oben, um sie zum Aufgeben zu bewegen - jedes Mal vergeblich. Um jegliche Gefährdungen, sowohl für sie als auch für die Retter auszuschließen, wurden die Demonstranten auf dem Kran belassen. Erst gegen 19 Uhr kletterten die vier Aktivisten herunter - und wurden prompt von den Einsatzkräften festgenommen. Sie erwartet nun ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Verletzt wurde bei dem Einsatz zum Glück auf beiden Seiten niemand.

Die Aktivisten selbst erklärten ihre Aktion später folgendermaßen: “Die Schlachtfabrik verdichtet Elend, Gewalt und Leid in einer Weise, die diesen Ort zu einem Unort macht. Und damit zu einem Ort, der in der aufgeklärten Gesellschaft ihrem Selbstbild nach keinen Platz haben dürfte, weil er jeglichen Vorstellungen von Gerechtigkeit, Respekt und Mitgefühl zuwider läuft”, so Martha Müller von Mastanlagen Widerstand. Demnach könnten in der Schlachtfabrik bis zu 300.000 Hühner getötet werden. “Anstatt eine Tötungsfabrik wieder zu errichten, hätte ein Produktionsbetrieb aufgebaut werden können, der solidarisch organisiert ist. Ein Landwirtschaftsbetrieb, der keine Tiere benutzt und tötet, keine Menschen ausbeutet, der die natürlichen Lebensgrundlagen achtet und kein Privateigentum ist”, ergänzte Andreas Seefeld, ein Sprecher des Bündnisses.