Geocaching Eine Schnitzeljagd auf den Spuren der NS-Zeit

Erste Station der Schatzsuche: Ein Mahnmal für die Todesmärsche im Jahr 1945. Foto: Sophia Häns

Sieben Grad, frischer Wind und immer wieder Nieselregen. Perfekte Bedingungen für eine Schnitzeljagd. Eine Schnitzeljagd heißt im Jahr 2017 nicht mehr Schnitzeljagd, sondern "Geocaching". Und funktioniert nicht mehr nur durch Hinweise. Der moderne "Geocacher" braucht ein GPS-Gerät oder ein GPS-fähiges Smartphone. Unter acht verschiedenen Schatzsuchen, die es in Straubing gibt, habe ich mich für die mit dem Namen "Straubing zur Zeit des Nationalsozialismus" entschieden. Auf der Website steht dazu: "In Straubing hat der Nationalsozialismus seine Spuren hinterlassen." Diese Spuren möchte ich finden.

Die Anfangskoordianten sind vorgegeben: N48°53.04102 E12°34.08143. Das ist ein Punkt im Park zwischen dem Großparkplatz Am Hagen und der Spitalgasse. Dort befindet sich ein Mahnmal für die Todesmärsche im Jahr 1945. In Straubing und dem Umkreis sollen alleine auf diesen Märschen 350 KZ-Häftlinge getötet worden sein.

Das erste Rätsel

Ich muss die Buchstaben zweier Worte zählen, um die erste fehlende Zahl der Koordinaten herauszufinden. Für die zweite Zahl muss ich ein bisschen rechnen. Das ist einfach. Ich gebe die Daten in meinem Smartphone ein und mache mich auf den Weg zum zweiten Punkt.

Ich hätte mir andere Schuhe anziehen sollen. Meine Stiefel rutschen ständig zwischen die Steine des Kopfsteinpflasters. Sneaker wären die bessere Wahl gewesen. Die große Kamera, die ich dabei habe, wird mit der Zeit ganz schön schwer.

Vier Steine sind in den Boden vor einem großen hellblauen Haus eingelassen. "Stolpersteine". Sie sollen an Opfer der NZ-Herrschaft erinnern. Jeder Stein steht für einen Menschen. Auf dem Stein, der mich interessieren soll, geht es um einen Herren namens Otto Selz. Er wurde im März 1933 von mehreren Männern aus seinem Haus geschleppt und nach schwerer Misshandlung in einem naheliegenden Wald erschossen.

Das zweite Rätsel

Aus der Jahreszahl seines Geburtsjahres und dem Jahr seiner Ermordung, einem Wort auf dem Stein und seinem Todesmonat erhalte ich die Lösung des Rätsels. Die ist dieses Mal schon anspruchsvoller. Für meine Berechnungen setze ich mich vor dem Haus auf den Boden. Kamera, Handy, Block und Stift in einer Hand ist ein bisschen schwierig. Ich ernte den einen oder anderen verwirrten Blick der Fußgänger.

Weiter geht's. Die dritte Station ist ein Heimspiel. Die Koordinaten bestätigen mir, dass ich auf dem Weg zum Straubinger Tagblatt bin. Auch die Straubinger Heimatzeitung sollte in der NS-Zeit gleichgeschaltet werden, steht auf der Website des Geocaching-Projekts. Die lokale Zeitung habe sich aber ungewöhnlich lange dagegen gewehrt.

Das dritte Rätsel

Rätsel Nummer drei besteht aus zwei kleineren Teilen. "Zähle die Buchstaben der beiden Worte an der Fassade" und "Zähle die vollständigen Rauten an einem Flügel des Eingangstors". Die Buchstaben stellen keine Schwierigkeit dar. Die Rauten schon. Denn es gibt sowohl vollständig abgebildete, als auch mehrere halbe Rauten, die aber zusammengesetzt eine ganze Raute ergeben würden. Soll ich die halben Rauten zusammenzählen? Ich probiere beide möglichen Ergebnisse aus. Beide Punkte, die die Koordinaten beschreiben, liegen nicht weit voneinander entfernt. Trotzdem kann ich einen auschließen. Denn es gibt einen Zusatztipp. Entschlüsselt man diesen, erhält man den Hinweis: "Links bei der Treppe." Und eine Treppe gibt es nur an einem der Punkte.

Anberaumt ist eine halbe Stunde für die Strecke. Ich bin jetzt schon über der Zeit... Mit dem Gefühl, der Lösung ganz nahe zu sein, laufe ich zur letzten Station der Schatzsuche. Angekommen an dem Ort, den ich nicht verraten werde, um die Spannung aufrecht zu halten, mache ich mich auf die Suche. Es wird eine längere Suche, denn ich finde keinen Schatz.

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Irgendwann sehe ich etwas aufblitzen, das nicht in die Natur gehört, die hier sonst vorherrscht. Tatsächlich. Ein kleiner silberner Metallbehälter. Gut versteckt, aber trotzdem gefunden. Darin ist ein Zettel. Eine Art Logbuch, in das sich jeder Finder eintragen kann. Stolz schreibe ich meinen Namen auf das Papier und verstecke den Behälter wieder. Denn der nächste Schatzsucher kommt bestimmt.

 

Eindrücke der Schatzsuche in einem Video:

Eine Schnitzeljagd auf den Spuren der NS-Zeit Eine Schnitzeljagd auf den Spuren der NS-Zeit

Sieben Grad, frischer Wind und immer wieder Nieselregen. Perfekte Bedingungen für eine Schnitzeljagd. Eine Schnitzeljagd heißt im Jahr 2017 nicht mehr Schnitzeljagd, sondern "Geocaching". Und funktioniert nicht mehr nur durch Hinweise. Der moderne "Geocacher" braucht ein GPS-Gerät oder ein GPS-fähiges Smartphone. Unter acht verschiedenen Schatzsuchen, die es in Straubing gibt, habe ich mich für die mit dem Namen "Straubing zur Zeit des Nationalsozialismus" entschieden. Auf der Website steht dazu: "In Straubing hat der Nationalsozialismus seine Spuren hinterlassen." Diese Spuren möchte ich finden.

Die Anfangskoordianten sind vorgegeben: N48°53.04102 E12°34.08143. Das ist ein Punkt im Park zwischen dem Großparkplatz Am Hagen und der Spitalgasse. Dort befindet sich ein Mahnmal für die Todesmärsche im Jahr 1945. In Straubing und dem Umkreis sollen alleine auf diesen Märschen 350 KZ-Häftlinge getötet worden sein.

Das erste Rätsel

Ich muss die Buchstaben zweier Worte zählen, um die erste fehlende Zahl der Koordinaten herauszufinden. Für die zweite Zahl muss ich ein bisschen rechnen. Das ist einfach. Ich gebe die Daten in meinem Smartphone ein und mache mich auf den Weg zum zweiten Punkt.

Ich hätte mir andere Schuhe anziehen sollen. Meine Stiefel rutschen ständig zwischen die Steine des Kopfsteinpflasters. Sneaker wären die bessere Wahl gewesen. Die große Kamera, die ich dabei habe, wird mit der Zeit ganz schön schwer.

Vier Steine sind in den Boden vor einem großen hellblauen Haus eingelassen. "Stolpersteine". Sie sollen an Opfer der NZ-Herrschaft erinnern. Jeder Stein steht für einen Menschen. Auf dem Stein, der mich interessieren soll, geht es um einen Herren namens Otto Selz. Er wurde im März 1933 von mehreren Männern aus seinem Haus geschleppt und nach schwerer Misshandlung in einem naheliegenden Wald erschossen.

Das zweite Rätsel

Aus der Jahreszahl seines Geburtsjahres und dem Jahr seiner Ermordung, einem Wort auf dem Stein und seinem Todesmonat erhalte ich die Lösung des Rätsels. Die ist dieses Mal schon anspruchsvoller. Für meine Berechnungen setze ich mich vor dem Haus auf den Boden. Kamera, Handy, Block und Stift in einer Hand ist ein bisschen schwierig. Ich ernte den einen oder anderen verwirrten Blick der Fußgänger.

Weiter geht's. Die dritte Station ist ein Heimspiel. Die Koordinaten bestätigen mir, dass ich auf dem Weg zum Straubinger Tagblatt bin. Auch die Straubinger Heimatzeitung sollte in der NS-Zeit gleichgeschaltet werden, steht auf der Website des Geocaching-Projekts. Die lokale Zeitung habe sich aber ungewöhnlich lange dagegen gewehrt.

Das dritte Rätsel

Rätsel Nummer drei besteht aus zwei kleineren Teilen. "Zähle die Buchstaben der beiden Worte an der Fassade" und "Zähle die vollständigen Rauten an einem Flügel des Eingangstors". Die Buchstaben stellen keine Schwierigkeit dar. Die Rauten schon. Denn es gibt sowohl vollständig abgebildete, als auch mehrere halbe Rauten, die aber zusammengesetzt eine ganze Raute ergeben würden. Soll ich die halben Rauten zusammenzählen? Ich probiere beide möglichen Ergebnisse aus. Beide Punkte, die die Koordinaten beschreiben, liegen nicht weit voneinander entfernt. Trotzdem kann ich einen auschließen. Denn es gibt einen Zusatztipp. Entschlüsselt man diesen, erhält man den Hinweis: "Links bei der Treppe." Und eine Treppe gibt es nur an einem der Punkte.

Anberaumt ist eine halbe Stunde für die Strecke. Ich bin jetzt schon über der Zeit... Mit dem Gefühl, der Lösung ganz nahe zu sein, laufe ich zur letzten Station der Schatzsuche. Angekommen an dem Ort, den ich nicht verraten werde, um die Spannung aufrecht zu halten, mache ich mich auf die Suche. Es wird eine längere Suche, denn ich finde keinen Schatz.

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Irgendwann sehe ich etwas aufblitzen, das nicht in die Natur gehört, die hier sonst vorherrscht. Tatsächlich. Ein kleiner silberner Metallbehälter. Gut versteckt, aber trotzdem gefunden. Darin ist ein Zettel. Eine Art Logbuch, in das sich jeder Finder eintragen kann. Stolz schreibe ich meinen Namen auf das Papier und verstecke den Behälter wieder. Denn der nächste Schatzsucher kommt bestimmt.

 

Eindrücke der Schatzsuche in einem Video:

Eine Schnitzeljagd auf den Spuren der NS-Zeit So funktioniert Geocaching

Mit Hilfe vorgegebener Koordinaten werden "Schätze" (Caches) gesucht, die jemand versteckt hat. An jeder Station sollen die Spieler Rätsel lösen. Durch die richtige Lösung bekommt man die Koordinaten für die nächste Station. An der letzten Station – dem "Final" – findet man den Schatz. Um für andere Geocacher den Spaß an der Suche zu erhalten, sollte man den Schatz unauffällig heben und ihn anschließend wieder verstecken.

Eine Schnitzeljagd auf den Spuren der NS-Zeit Geocaching in Straubing

In Straubing gibt es acht verschiedene Geocaches, die alle etwas mit der Geschichte Straubings zu tun haben. Enstanden ist das Projekt im Rahmen eines P-Seminars am Anton Bruckner Gymnasium in Straubing unter der Leitung von Herrn StD Michael Hierl und der Unterstützung externer Partner. Michael Hierl ist ein großer Fan von Geocaching. Er erwähnt aber auch, dass die Wartung sehr intensiv ist. Es komme immer wieder vor, dass die Caches von Hunden aufgespürt oder geklaut werden.

Die Schüler des P-Seminars haben sich für die fleißigen Schatzsucher Straubings noch etwas Besonderes einfallen lassen: Bei allen acht Rundgängen ist jeweils eine Zusatzkoordinate zu finden. Damit kann man am Ende einen weiteren Schatz heben und eine Kleinigkeit mit nach Hause nehmen.

Alle Informationen und die Anleitungen für die verschiedenen Schatzsuchen in Straubing gibt es hier: www.geocaching-straubing.de.

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