Für Europa Jeden Sonntag gehen junge Menschen bei "Pulse of Europe" auf die Straße

Stimmen für Europa: In immer mehr Städten in der Europäischen Union gehen Menschen sonntags auf die Straße. Foto: Florian Wende
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Stimmen für Europa: In immer mehr Städten in der Europäischen Union gehen Menschen sonntags auf die Straße. (Foto: Florian Wende)

Es kam in den vergangenen Monaten in Mode, über Europa zu schimpfen. Damit ist jetzt Schluss! Bei der Bewegung „Pulse of Europe“ demonstrieren jeden Sonntag von 14 bis 15 Uhr Menschen für Europa. Anfangs in Deutschland, mittlerweile überall in Europa. Ein Besuch beim „Pulse of Europe“ in Regensburg.

Dum, dudum. Dum, dudum. Dum, dudum. Der Schlag eines Herzens ertönt aus Lautsprechern am Rathausplatz in Regensburg. Die versammelte Menschenmenge tuschelt. Ein junges Mädchen schwingt eine kleine Europa-Fahne. Es ist Sonntag, 14 Uhr. Zwei junge Menschen steigen auf einen abgestellten Lkw, der zur Bühne umfunktioniert wurde. „Hallo Regensburg! Willkommen zum ‚Pulse of Europe‘!“

Die Worte stammen von Katharina. Zusammen mit Simon moderiert sie den heutigen „Pulse of Europe“ in Regensburg. Die beiden sind Studenten und Teil der Organisations-Gruppe der proeuropäischen Bewegung in Regensburg. Das Team besteht aus 10 bis 15 Personen, vorwiegend junge Leute.

Unter ihnen ist auch Dorothea Hofer. Die 16-Jährige geht in Regensburg in die Schule und engagiert sich für Europa. „Ich war zweimal zusammen mit meiner Familie in München beim ‚Pulse of Europe‘ und finde die Bewegung sehr gut und wichtig“, sagt Dorothea. Daraufhin hat ihr Vater den Gründern in Frankfurt geschrieben, dass die Familie die proeuropäische Bewegung auch in Regensburg unterstützen möchten. „In Frankfurt sind die Anfragen gesammelt worden und als genügend Regensburger gefunden waren, haben sie uns zusammengeführt“, blickt Dorothea zurück. Mit Erfolg: Der erste „Pulse of Europe“ in Regensburg fand am 9. April statt.

Vom älteren Herrn mit grauen Haaren bis zur jungen Schülerin

Rund 250 Personen haben sich am Sonntag, 23. April, zum zweiten „Pulse of Europe“ versammelt. Die Moderatoren blicken in junge Gesichter, viele Studenten sind da. Aber auch Eltern mit ihren Kindern und ältere Menschen sind gekommen. Viele tragen T-Shirts mit der Europa-Flagge darauf, ein junger Mann schwingt eine große EU-Flagge. Ein kleiner Bub hält einen blauen Luftballon mit den Europa-Sternen darauf in der Hand.

Ein älterer Herr mit grauen Haaren tritt auf die Bühne und nimmt das Mikrofon von den Moderatoren entgegen: „Ich bin nahe der tschechischen Grenze aufgewachsen. Damals konnte man nicht einfach mal rüber. Das möchte ich nicht mehr erleben.“

Applaus. Der Mann verlässt die Bühne, eine Schülerin übernimmt das Mikrofon. „Ich möchte später einmal überall in Europa studieren können. Ich will nicht in einem Europa mit geschlossenen Grenzen leben.“

Organisatorin Dorothea ist mit einem freien Europa aufgewachsen. Im Gegensatz zu dem älteren Mann am Mikro kennt sie geschlossene Grenzen innerhalb Europas nicht. „Zu einem Konzert bin ich vor Kurzem nach Prag gefahren. Dass man in Europa einfach in jedes Land fahren kann, ist super.“ Aber: „Es läuft nicht alles perfekt in Europa. Die Länder müssen besser zusammenarbeiten und mehr miteinander reden. Gerade bei der Flüchtlingskrise ist das zu wenig passiert und manche Länder haben sich alleingelassen gefühlt.“

Die Moderatoren Katharina und Simon ergreifen wieder das Mikro. „Jetzt wird’s musikalisch. Lasst uns zusammen die Europa-Hymne singen!“ Schnell werden noch kleine Zettel mit dem Liedtext verteilt. Dann stimmt ein junger Sänger auf der Bühne schon die erste Zeile an: „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium...“

Es ist kurz vor 15 Uhr. Die Stunde für Europa in Regensburg ist zu Ende. Dorothea hängt eine EU-Flagge wieder ab. „Ich kenne nichts anderes als Europa. Ich bin mit offenen Grenzen und Toleranz in der EU aufgewachsen. Ich hoffe, das bleibt so.“

  1. Autor

    Florian Wende
  2. Datum

    04.05.2017 11:03 Uhr
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