Fridays for Future Regensburg: Schul-Streik für den Klimaschutz

Fast schon Kult auf den „Fridays for Future“-Demos: die vielen kreativen und zum Teil sehr ironischen Plakate der Klimaschützer. Foto: Florian Wende

Streik statt Schule. Freitags entscheiden sich viele so. Schüler gehen auf die Straße. Sie demonstrieren für mehr Klimaschutz. Auch wenn Strafen wie Verweise drohen. Ihre Zukunft ist es ihnen wert.

In Straubing haben wir Befürworter und Gegner der Bewegung getroffen, ihre Meinung findest du hier.  

Was die Schüler in Deggendorf mit ihren Demos erreicht haben erfährst du hier.

Thomas Keil hat erklärt, wie sich die "Fridays for Future"-Demonstrationen organisieren, zu seinem Artikel kommst du hier.

Hier erfährst du alles über die Klimaschutzbewegung "Fridays for Future".

Diese Geschichte beginnt mit einer Enttäuschung. Sie kommt am Mittwoch von der Schulleitung und ist ein drohender Verweis. Annika, Katharina und ihre Freundinnen aus Straubing entscheiden: Schule statt Streik. Einen vermerkten Verweis im Abizeugnis wollen sie nicht riskieren.

Amelie, Ruth und Lisa entscheiden sich anders. Streik statt Schule. Ihre Straubinger Schule sagt: Wer nicht da ist, ist nicht da. Keine Konsequenzen. Die drei sitzen mit Mitschülern am Freitagvormittag im Zug nach Regensburg. Und sie haben zu tun. Sie wollen ihr Schild fertig basteln. Nebenbei reden sie über Greta. Die Greta. Greta Thunberg aus Schweden. Das Vorbild aller Klimaschützer. Lisa findet es bewundernswert, was sie schon erreicht hat.

Es riecht nach Edding im Zugabteil, Stifte quietschen über Pappe. Als der Zug am Hauptbahnhof hält, steht auf dem Schild: „Damit ich weiter friere, wenn ich im Winter demonstriere“. Es wird sich später keine Gelegenheit finden, Amelie, Ruth und Lisa zu fragen, ob sie bei der Demo gefroren haben. Die drei verschwinden unter den vielen streikenden Schülern.

Die heutige Demo ist die erste von „Fridays for Future“ in Regensburg. Roman Scharf, Jakob Scriver, Chiara Fuchshofer und Jakob Bornschlegl haben viel von der Bewegung gehört. Beim ersten Treffen vor vier Wochen war klar: Auch in Regensburg soll es einen Klimastreik geben. Rund 30 Personen haben ihn organisiert. Veranstaltung anmelden, Schulen informieren, Reden schreiben, Ablauf planen, Interessierte benachrichtigen, Social Media betreuen, Bühne herschaffen, Plakate drucken. Alles selbst gemacht. Und für null Euro. Alle Partner zeigten sich kooperativ und erließen den Organisatoren die Kosten.

Die Forderung der Klimaschützer: nichts Geringeres als eine gesicherte Zukunft

Ein Schlachtruf schallt im Laufe des Vormittags immer wieder über den Regensburger Neupfarrplatz: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“ Er zeigt deutlich, was die rund 1 000 Klimaschützer fordern, die zu der Demo gekommen sind: nichts Geringeres als eine gesicherte Zukunft. Organisator Jakob Scriver sagt auf der Bühne, ihm mache es Mut, dass die Jugend die Verantwortung übernehme. „Alte, graue Männer dürfen die Zukunft unserer Enkel nicht aufs Spiel setzen!“, ruft er. Diese alten, grauen Männer sitzen auch in der Kohlekommission. Ein großes Thema bei „Fridays for Future“. Der von der Kommission beschlossene Kohleausstieg im Jahr 2038 ist der Bewegung viel zu spät.

Rosanna ist mit dem Plakat „Senioren Experten Service“ gekommen. Sie fordert, so schnell wie möglich aus der Kohle auszusteigen. Genauso wie Lara und Quirin, die das Schild „Denkt nicht immer nur an die Kohl€“ in den Händen halten. Lara warnt: „Es ist fünf vor zwölf, es muss jetzt etwas passieren!“ Quirin meint: „Vermutlich ist es schon eine Minute vor zwölf ...“

Roman Scharf (16), Jakob Scriver (17), Chiara Fuchshofer (17) und
Jakob Bornschlegl (18, von links) haben die „Fridays for Future“-Demo in Regensburg mitorganisiert. Sie sagen: Wir kommen wieder. Foto: Florian Wende

Schule schwänzen für den Klimaschutz? Was die Politik und die Schüler dazu sagen

Lara und Quirin werden wohl Konsequenzen in der Schule bekommen. Sie fehlen heute unentschuldigt. Ob Verweis oder eine andere Strafe, ist ihnen egal. „Wir sind sogar stolz darauf. Denn das hier ist wichtiger“, sagt Lara.

Das Bayerische Kultusministerium, das für die Schulen zuständig ist, sieht das anders. „Ich freue mich über alle Schülerinnen und Schüler, die an unserer Demokratie aktiv mitwirken und sich für den Klimaschutz engagieren“, sagt Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern. Die Demonstranten müssen sich aber an bestimmte Spielregeln, wie die Schulpflicht, halten. „Sich für eine sinnvolle Sache politisch zu engagieren, hängt ja nicht von der Tageszeit ab. Man kann auch außerhalb der Schulzeit demonstrieren“, fügt er an.

„Fridays for Future“ hält dagegen: Würden sie nach der Schule demonstrieren, bekämen sie viel weniger Aufmerksamkeit. Deshalb soll die Demo in Regensburg nicht die letzte an einem Freitagvormittag gewesen sein.

 

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