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Von Aliens bis Totentanz: Paula Scherer über ihre Liebe zum Theater


Die Theatergruppe des Ludwigsgymnasiums Straubing bei einem Auftritt.

Die Theatergruppe des Ludwigsgymnasiums Straubing bei einem Auftritt.

Von Paula Scherer

Sie liebt das Theater und lebt diese Liebe mit einer Gruppe von Schülern aus: Paula Scherer (15) ist Mitglied der Theatergruppe des Ludwigsgymnasiums in Straubing. Warum sie sich so fürs Schauspielern begeistert...

Die Scheinwerfer blenden so stark, dass ich vom Publikum kaum mehr als ein paar dunkle Silhouetten sehe, aber dafür kann ich sie klatschen hören. Sie applaudieren für uns, die Theatergruppe, die gerade ihre Aufführung beendet hat. Wir nehmen uns an den Händen und verbeugen uns mehrmals. Ich bin ziemlich fertig - aber glücklich: die Mühe, die uns die Aufführung gekostet hat, hat sich gelohnt.

Etwas schräg wirkt es in den ersten Stunden schon, umherzulaufen und Sätze wie "Papp-Plakate find' ich klasse!" oder "Mistklettern macht elastisch!" zu rufen. Aber bald versteht man: Es hat einen Sinn. Ob es nun darum geht, die Aussprache zu schulen, das Vertrauen gegenüber den anderen Schauspielern zu gewinnen oder das Improvisieren zu lernen: Der Leiter der Theatergruppe hat für alles eine Übung parat. Diese ist oft gar nicht so einfach. Nicht selten kommt es zu Chaos, wenn 30 Menschen versuchen, mit geschlossenen Augen einen Kreis zu bilden.

Die Erde als Schulprojekt

Ich bin nun seit drei Jahren in der Theatergruppe des Ludwigsgymnasiums in Straubing und habe schon zwei Stücke mit aufgeführt. 2014 brachten wir "Doudndanz. Späßle." auf die Bühne und dieses Jahr "Erde - Shit Happens", ein Stück über Aliens, die als Schulprojekt die Erde erschaffen - und dabei "sowas von durchfallen". Deswegen beschweren sich die Eltern der Schüler, sodass ein Gutachter auf die Erde geschickt werden muss, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das Stück hat die Gruppe selbst geschrieben - mit der Unterstützung unserer Theaterlehrer Karlheinz Frankl und Elisabeth Effenhauser. Beide sorgen mit viel Freude an der Sache dafür, dass jeder eine Rolle bekommt und das Stück ein Erfolg wird. Und das haben sie bei "Erde - Shit Happens" geschafft. Die Aufführungen wurden von den meisten Zuschauern gelobt und wir schafften es auch noch weiter: zu den Niederbayerischen Schultheatertagen. Das ist ein Theaterfestival, bei dem verschiedene Gruppen ihre Stücke vorstellen. Es war eine tolle Erfahrung, bei der wir auch einmal einen Einblick in andere Stücke bekommen konnten.

Neue Freunde finden

Als ich mich in der achten Klasse für das Wahlfach Theater entschied, erwartete ich hauptsächlich Spaß. Diesen bekam ich dort auch zur Genüge, aber zusätzlich lernte ich die Grundregeln des Schauspielerns wie das "Nicht-An-Der-Kleidung-Zupfen" (Sonst wirkt man unsicher!) oder das "Nie-Mit-Dem-Rücken-Zum-Publikum-Stehen" (Sonst verstehen die Zuschauer den Text nicht!). Der Unterricht gibt uns Schülern die Möglichkeit, die Kreativität, die in jedem steckt, zu entfalten und damit etwas Neues zu erschaffen. Neue Freunde findet man dort auch, denn das gemeinsame Hobby schweißt natürlich zusammen.

Außerdem ist das Theater ein Ort, an dem jeder seine Verrücktheit ausleben kann und alles möglich ist. Ob Aliens, der Totentanz, ein Gebirge, ein Raumschiff, ein tanzender Brief oder eine Wand - man kann alles darstellen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Meist wird nur ein Thema vorgegeben, zu dem wir uns selbstständig alleine oder in kleinen Gruppen einzelne Szenen ausdenken. Diese dürfen auch gerne albern sein, was nicht selten dazu führt, dass uns hinterher vom Lachen der Bauch wehtut. Doch das ist genau das, was wir erreichen wollen, denn die Devise ist: Je blöder, desto besser. Und blöd - das können wir gut.

Die Stücke entstehen meist über einen Zeitraum von zwei Schuljahren hinweg, indem wir Ideen sammeln, kleine Szenen entwickeln und alles zu einem Ganzen zusammenschustern.

Das Wochenende opfern

inmal in der Woche, freitags von 13 bis 15 Uhr, treffen sich die rund 30 Schüler im Mehrzweckraum der Schule, um ihre Ideen und Gedanken in ein Stück umzuwandeln. Dies ist zeitaufwendig, weshalb die jungen Schauspieler manchmal auch ihre Wochenenden für das Theater opfern. Aber das tun wir sogar freiwillig und mit Vergnügen, denn es ist ziemlich spannend, einem Stück beim Wachsen zuzusehen, bis es schließlich als fertiges Werk auf der Bühne zu sehen ist. Und die ganze Mühe ist es wert: Das Gefühl, auf der Bühne zu stehen und sich vor dem applaudierenden Publikum zu verbeugen, ist einmalig. Und da jeder etwas beigetragen hat, ist man hinterher gleich doppelt so stolz auf sich selbst und die Gruppe.

Paula Scherer opfert gerne ihr Zeit für das Schauspielern.

Paula Scherer opfert gerne ihr Zeit für das Schauspielern.