Freischreiben Stiller Kämpfer: Eine Kurzgeschichte von Stefanie Schambeck

Stefanie Schambeck (22) kommt aus Stallwang im Landkreis Straubing-Bogen. Foto: privat
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Stefanie Schambeck (22) kommt aus Stallwang im Landkreis Straubing-Bogen. (Foto: privat)

Nach außen lächelst du, aber im Innern bist du ausgebrannt. „Du hast mein Herz berührt“, flüsterte sie ihm ernst ins Ohr. „Du hast es erwärmt und wieder zum Schlagen gebracht.“ – „Du weißt doch, dass sowas gar nicht geht. Ein Herz hört doch nie auf zu schlagen“, sagte er lächelnd.

„Es war ein kalter, harter Stein.“ Er schaute sie durchdringend und besorgt von der Seite an. Sie lag eng an ihn gekuschelt auf der Couch und starrte zum Nachthimmel empor, wo hunderte Sterne funkelten.

An ihren Worten konnte er sofort erkennen, dass sie gerade wieder irgendwo in der Vergangenheit festhing. Warum konnte sie nicht verstehen, dass die Vergangenheit vorbei ist? Man kann nichts mehr gut machen, nichts mehr ändern, nur mit den Bildern, egal ob schön oder traurig weiterleben. Die Zeit kann man einfach nicht zurückdrehen.

Sie zog die Decke enger um sich, obwohl es sehr heiß in der Wohnung war. Sein T-Shirt klebte ihm am Rücken. Seit einigen Tagen wirkte sie so abweisend, so traurig, als wäre sie geistig an einem anderen Ort und lebte nur so nebenbei bei ihm.

Er liebte sie, keine Frage. Er liebte sie so sehr, dass in ihm alles zerbrechen würde, wenn sie nicht mehr da wäre. Er hatte schon ein paar Mal daran gedacht, was er tun würde, wenn sie nicht mehr da wäre, zum Beispiel, wenn sie bei einem Autounfall sterben würde. Dann wäre auch sein Leben vorbei. Er wüsste so gerne, warum sie so oft neben der Spur war.

Die Tränen steckten in ihren Augen, doch sie wollte nicht weinen. Sie fürchtete, ihm die Wahrheit zu sagen. Er war alles für sie und das machte ihr Angst. Konnte es wirklich sein, so starke Gefühle für einen Menschen zu entwickeln? Empfand er überhaupt das Gleiche für sie?

Die Wahrheit war, sie fühlte sich häufig schlecht. Viel zu schlecht. Sie konnte nicht aufstehen, musste den ganzen Tag im Bett liegen, Tabletten schlucken, um die Kopfschmerzen loszuwerden. Sie war nervös, ängstlich, reizbar, ruhelos. Sie fühlte sich ausgebrannt. Sie wusste, er bemerkte ihre Veränderung. Ja, sie dachte häufig an früher, an bestimmte Situationen, die sie geprägt hatten. Sie konnte sich nicht von ihnen lösen, sich von ihnen trennen. Diese Gedanken füllten sie aus, hielten sie zusammen und brachten tiefe Schatten mit sich. Sie konnte noch nie gut mit Veränderungen klarkommen. Und deshalb hielt sie die Erinnerungen fest in kleinen Schneekugeln in ihrem Innern aufbewahrt. Dort gehörten sie nur ihr.

Er zweifelte an sich, ob es vielleicht seine Schuld sei, dass sie sich so zurückzog. Er versuchte doch eh alles was in seiner Macht stand, um sie glücklich zu machen, um bei ihr zu sein. „Liegt es an mir?“, fragt er einfach in die Stille. Sie zuckte zusammen und schaute ihn überrascht an, als hätte sie erst jetzt bemerkt, dass sie schon eine ganze Weile schwiegen. „Was?“ „Liegt es an mir?“, wiederholte er. „Was meinst du?“ „Dass du so bist. Oft wirkst du so, als wärst du gar nicht da. Wie jetzt.“

Was sollte sie ihm sagen? Die Wahrheit war, sie hasste es, zu kämpfen. Jeden Tag hinaus in die Welt zu gehen und für ihr Schicksal zu kämpfen. Und enttäuscht zu werden. Enttäuscht von den Menschen, von denen sie glaubte, ihnen nahe zu stehen.

Er wusste, jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem sie es aussprechen musste. Ihm sagen musste, was mit ihr los war. Vielleicht war sie auch wirklich so weit, denn als sie sich aufrichtete, schaute sie ihm tief in die Augen. „Ich fühle mich leer.“ – „Wie leer?“

Sie holte tief Luft und jetzt kullerten ihr die Tränen nur so über die Wangen. Sie drehte ihm den Rücken zu. „Ich habe das Gefühl, als erdrücke mich alles. Jede Aufgabe, jede Arbeit, jeder Tag, einfach alles. Ich liebe dich und ich habe Angst, dass du plötzlich nicht mehr da bist. Mir wird alles zu viel und damit stehe ich ganz allein da, mit dem muss ich alleine fertig werden.“ Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, bereute sie ihren Ausbruch. Er würde sie doch nur für kindisch und schwach halten.

Es fühlte sich an, als hätte sie ihm einen Stromschlag verpasst. Seit wann ging es ihr schon so? Warum hatte er nicht gemerkt, dass es ihr schon so schlecht ging? Er schlang die Arme um sie, um ihr zu zeigen, dass sie auf keinen Fall alleine war. Dass er immer an ihrer Seite stand. „Du bist nicht alleine. Und es tut mir leid, dass ich nicht besser auf dich geachtet habe.“

Sie hatte gehofft, dass er das sagen würde. Sie ließ sich zurück in seine Arme sinken und dieses Mal fühlte sich die Schwere in ihrem Innern ein bisschen weniger drückend an.

  1. Autor

    Stefanie Schambeck
  2. Datum

    24.07.2017 13:16 Uhr
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