Freischreiben Mein Freund ist Ironman: Die Geschichte einer Herausforderung

Carina Ziegler aus Rain hat ihren Freund Flo zum Ironman-Triathlon in Frankfurt am Main begleitet. Foto: privat
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Carina Ziegler aus Rain hat ihren Freund Flo zum Ironman-Triathlon in Frankfurt am Main begleitet. (Foto: privat)

Carina Ziegler (23) hat ihren Freund zum Ironman in Frankfurt begleitet. Bei dem Sportevent musste er 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer radeln und 42 Kilometer laufen. Die Geschichte seiner Herausforderung.

Flo ist aufgeregt. Es ist sein erster Langdistanztriathlon – darauf hat er sich jahrelang vorbereitet. Die Nacht zuvor ist kurz: 3.30 Uhr Aufstehen, 4 Uhr Frühstück, 4.30 Uhr Abfahrt mit dem Bus. Schon im Shuttlebus herrscht eine spezielle Stimmung. Es ist so früh am Morgen, jeder noch ein bisschen müde, aber innerlich doch total aufgewühlt, voller Gedanken und Unklarheiten: „Wie wird der Start verlaufen? Wie wird mein Körper reagieren? Wird das Schwimmen gut klappen? Und das Radfahren? Und das Laufen? Werde ich überhaupt ins Ziel kommen?“

Ich kann die Gedanken der Triathleten förmlich im Bus herumschwirren sehen. Jeder weiß, dass die nächsten Stunden sehr hart werden.

6.30 Uhr, Startschuss zum Schwimmen: Als Flo und ich uns kurz vorm Start von einander verabschieden, haben wir beide Tränen in den Augen. Ich weiß, wie viel ihm dieser Tag bedeutet. Wir umarmen uns fest und ich wünsche ihm alles Gute.

Ab aufs Fahrrad

Es dauert nicht lange, bis die ersten Profis das Schwimmen hinter sich gebracht haben. Die Athleten laufen aus dem Wasser, reißen sich voller Hektik den Neoprenanzug vom Körper, schlüpfen schnell in die Radschuhe, packen ihr Rad und es geht weiter. Nach einer Stunde und zehn Minuten kommt auch Flo aus dem Wasser und schwingt sich auf sein Rad.

Ortswechsel: Innenstadt. Hier finden später der Marathon und der Zieleinlauf der Triathleten statt. Vorher heißt es: 180 Kilometer Radeln. Erst danach können sie auf die Laufstrecke gehen. Bei Kilometer 100 kommt Flo an uns vorbei. Er lächelt und hält den Daumen nach oben. Bis jetzt scheint alles nach Plan zu verlaufen. Flo erreicht mit einer Radzeit von 5 Stunden und 23 Minuten die Wechselzone. Ab auf die Laufstrecke! Flo klatscht mich im Vorbeilaufen ab – euphorisch, grinsend, fit! Die Triathleten laufen vier Runden am Main entlang.

Jedes Mal, bevor Flo vorbeikommt, macht sich ein gespanntes Kribbeln in meinem Bauch breit. Ständig ist die Rede von Sebastian Kienle, der allem Anschein nach dabei ist, einen Weltrekord aufzustellen. Bei seinem Anblick tobt das Publikum. Aber zurück zu Flo: Bei Kilometer 20 bleibt er das erste Mal kurz bei mir stehen und ich sehe ihm an, dass der „gute Lauf“ vom Anfang versiegt ist. Die 180 Radkilometer machen sich in seinen Beinen bemerkbar, es ist unerträglich heiß und er hat noch 22 Kilometer vor sich. Ich spreche ihm gut zu, feuere ihn an und sage ihm, dass er gerade dabei sei, sich seinen großen Traum zu erfüllen. Auch den anderen Läufern sehe ich an, dass sie schon seit neun Stunden unterwegs sind. Ich blicke in schmerzverzerrte Gesichter, verzweifelte Augen und auf blutige Füße. Vor unseren Augen spielen sich Dramen ab. Teilnehmer sind kurz davor, aufzugeben. Sie alle kämpfen um ihren Traum.

Tränen in den Augen

Auch Flo wird immer langsamer, geht abschnittsweise und bleibt immer länger bei mir stehen. Ich begleite ihn ein paar hundert Meter und rede ihm ein, dass er weitermachen muss, dass das Ziel nicht mehr weit sei, dass ihm den Titel Ironman nie mehr jemand nehmen könne und dass er ihn sich schon in ein paar Minuten holen würde. Während ich ihm das sage, laufen ihm Tränen übers Gesicht. Ich schicke ihn auf seine letzten Kilometer.

Und er schafft es: Glücklich, erschöpft, mit Tränen in den Augen und völlig überwältigt läuft er ins Ziel ein. In mir spielt alles verrückt. Am Ziel muss ich noch zwei lange Stunden warten, bis ich meinem Ironman gratulieren kann: Er musste sich übergeben und hat im Sanitätszelt eine Infusion bekommen. Ich umarme ihn, als ich ihn endlich sehe. „Mein Kopf hat meinem Körper gerade sehr, sehr weh getan. Die beiden streiten jetzt“, erklärt er mir geistesabwesend.

  1. Autor

    Carina Ziegler
  2. Datum

    11.08.2017 15:02 Uhr
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