Viele Fotografen wollen die Welt abbilden, so wie sie ist: ungeschönt, in ihrer ganzen nüchternen Erscheinung. Andere bemühen sich um eine ästhetische Erhöhung, die das Alltägliche ausschließt. Das will auch der 25-jährige Landshuter Fotograf Philip Reichwein.

Gerade ist er aus Italien zurückgekommen - von einem Fashion-Shooting mit seiner Schwester in Jesolo und Venedig. Die 22-jährige Laura Reichwein kümmert sich nicht nur um die Organisation der Fotoagentur, sondern wird auch als Model gebucht. So wurde sie auf dem Markusplatz in Venedig beispielsweise in einem Kleid aus antiken Notenblättern, entworfen von der Mode-Designerin Vita Saccone, fotografiert. Die Aufnahmen sollen als Bilderserie - sogenannte "Editorials" - in Magazinen erscheinen. Schließlich hat es Philip Reichwein mit einem seiner Motive schon einmal in die Vogue geschafft. Ein Anfangserfolg, der den jungen Fotografen ermutigte, "in Richtung Beauty-Fotograf" weiterzumachen. Dabei hat er erst vor drei Jahren mit dem Fotografieren angefangen.

"Lieber selbstständig als angestellt"

Nach dem Marketing-Studium an einer Privat-Uni jobbte er zunächst in einem Werbestudio. Dabei wurde ihm klar, "dass ich lieber selbstständig arbeite, als angestellt zu sein". Und er erkannte, was er eigentlich wollte. Mit seinem besten Freund gründete er eine Design-Firma, gemeinsam bauten sie gemietete Räume über dem Bestattungsunternehmen seiner Eltern am Bismarckplatz aus. Das Studio war fertig, doch die Aufträge blieben aus. Der Freund verabschiedete sich, um in seinem eigentlichen Beruf weiterzuarbeiten, Philip Reichwein blieb und machte weiter, mit gelegentlichen Aufträgen für Flyer, Logos und Briefpapier. Dann kaufte er sich eine professionelle Spiegelreflex-Kamera und begann mit Unterstützung von Youtube-Lektionen damit zu experimentieren. "Ich hab das wie ein Schwamm aufgesogen", erzählt er.

Die Kamera wurde schließlich das Medium, mit dem er sich selbst am besten verwirklichen konnte. Und seine Fotos kamen auch bei anderen gut an. Vor allem, wenn es darum ging, Schönheit auf Bilder zu bannen. "Beauty-Fotografie" wurde seine große Leidenschaft. Denn damit kann er seinen Anspruch verwirklichen: "Perfekte Haut, Emotionen, perfektes Licht schaffen". Schnappschüsse sind nicht seine Sache: Reichweins Fotos sind aufwendig inszeniert, sie verbreiten einen Glamour, wie man ihn von Hochglanzmagazinen kennt.

Dabei will er keine Traumwelt schaffen, sondern "Menschen so zeigen, wie sie perfekt aussehen können". Im Juli 2013 erschien eines seiner Bilder, das beim Shooting mit einer Freundin entstanden war, im Foto-Fachmagazin picture magazine. "Der Chefredakteur hatte das Motiv auf meiner Homepage gefunden und bezeichnete meine Bilder als großes Kino", erzählt Philip Reichwein. Auf der Fachmesse "Photokina" in Köln begegnete ihm sein Motiv als Titelbild am Stand des Magazins. Ein Erfolg, der ihm Türen öffnete: "Plötzlich bekommt man bessere Modelle, bessere Visagisten und mehr Angebote."

Ein Jahr später entdeckte er seinen Namen im Modemagazin Trend Privé unter den zehn talentiertesten Newcomer-Fotografen 2014. Im April 2014 veröffentlichte er einige Bilderserien in diversen internationalen Magazinen, unter anderem in der italienischen Ausgabe von Vogue. Inzwischen erklärt er an der Landshuter Volkshochschule auch als einer der jüngsten Dozenten, die es dort je gab, wie man Fotos bearbeiten und Motive inszenieren kann.