Doping Immer besser werden: Ein Gespräch mit Anti-Doping-Forscher Professor Fritz Sörgel

Professor Fritz Sörgel ist Experte, wenn es um Doping geht. Foto: privat

Schule, Beruf, Sport. Überall sollen wir erfolgreich sein. Kaum zu schaffen. Viele sind zu ehrgeizig, wollen stets ganz oben mitmischen. Sie pushen sich mit Koffein und Pillen. Gefährlich, denn der Übergang zu verbotenen Substanzen ist fließend. Professor Fritz Sörgel ist Pharmakologe und Anti-Doping-Forscher. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Dopingaffären gehören im Hochleistungssport fast schon zum Alltag. Ab wann gilt denn ein Stoff als Dopingmittel?

Prof. Fritz Sörgel: Die Wissenschaft lässt einen da oft im Stich, denn Studien über Dopingstoffe gelten – zurecht – als unethisch. Beispiele für die Problematik sind Koffein und Nikotin. Sie sind seit Jahren auf der sogenannten „Watch-List“ der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur), also der Beobachtungsliste. Koffein war bis 2003 bei bestimmten Mengen im Körper ein Dopingmittel. Nikotin wurde in den vergangenen Jahren im Hochleistungssport gehäuft gefunden. Es ist jetzt auch auf der „Watch-List“. Das muss weiter beobachtet und nötigenfalls verboten werden. Für den Laien mag das unverständlich sein, aber im Hochleistungssport gelten andere Kriterien.

Nikotin ist ein Dopingmittel?

Man hat beobachtet, dass Nikotin in den vergangenen Jahren verstärkt im Eishockey oder Fußball verwendet wird (siehe Artikel zu Snus, unten). Ihm wird eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten zugeschrieben. Dazu gehört auch die Reaktionsgeschwindigkeit, das schnelle Erkennen, Analysieren und Entscheiden in wichtigen Spielsituationen. Man darf nicht vergessen, alle Dopingmittel machen bei austrainierten Hochleistungssportlern den Unterschied nicht, weil sie die Leistung um zehn Prozent erhöhen. An der Spitze sind es oft zwei bis drei Prozent oder weniger, die den Unterschied ausmachen. Wenn ein Spieler in der entscheidenden Phase für eine Zehntel- oder Hundertstel-Sekunde schneller reagiert, kann es das Spiel, die Saison, oder den Olympia-Wettbewerb entscheiden.

In welchen Sportarten wird gedopt?

Die üblichen Verdächtigen sind wohl derzeit Ringer und Gewichtheber, etwa aus Russland mit seiner unrühmlichen Geschichte. Kenia zählt auch dazu. Insgesamt kann man sagen, dass die hochentwickelten Industriestaaten mit einer funktionierenden Demokratie weniger belastet sind.

Wie wirkt sich ein Doping-Mittel aus?

Man kennt wohl die Anabolika und EPO am besten. Anabolika verstärken zusammen mit hartem Training die Muskelmasse. Das Hormon EPO (Erythropoetin) sorgt für eine Überproduktion von roten Blutkörperchen, die mehr Sauerstoff ins Gewebe bringen. EPO kann auch unter die Haut gespritzt werden. Es führt zu einer vermehrten Verbrennung von Energieträgern: Die Leistungsfähigkeit des Muskels erhöht sich.

Wann wird ein Sportler empfänglich für Doping?

Doping ist dann eine Überlegung wert, wenn große Wettbewerbe anstehen. Für diese muss man sich ja lange vorher qualifizieren. Aber auch, wenn der Anschluss an die Spitze nach einer Verletzung oder altersbedingt schwer wird, sind Sportler empfänglich.

Man hört auch, dass Manager und Banker dopen. Aus dem gleichen Grund wie Leistungssportler?

Ja. Sie alle, auch die Freizeitsportler, wollen doch die Nase vorne haben. Manche fragen, warum werden Sportler bestraft, Finanzjongleure aber nicht? Die Antwort ist einfach: Im Sport gelten ethische Grundsätze für Hunderte Millionen Menschen. Schon ab der untersten Liga. Auch das deutsche Anti-Dopinggesetz sieht den Betrug und seine Verhinderung als Ziel. Investmentbanker haben zwar auch so eine Art ethische Codes. Aber wer kontrolliert die? Der Betrug mit Medikamenten-Einnahme ist in diesen Codes nicht enthalten.

Wo liegen die Gefahren für junge Menschen?

Die vielen Nahrungsergänzungsmittel schüren Hoffnungen. Sie sind die Einstiegsdrogen, weil man schnell erkennen muss, dass das Zeug einfach nichts bringt. Aber die Gedanken sind schon gebahnt. Diese Bahn führt zu stärkeren Mitteln. Im Internet kriegt man ja alles.

Was wird getan, um Doping zu verhindern?

Natürlich ist die stete Verbesserung der Analytik ein durchaus erfolgreicher Weg. Zu erkennen ist das daran, dass viele Medaillen der Olympischen Spiele von Peking und London durch Dopingnachweis aberkannt wurden. Ansonsten ist es die Aufklärung, die Doping-Vorbeugung. Doping-Prävention muss gleichgestellt mit der Drogen-Prävention an Schulen betrieben werden.

Immer besser werden: Ein Gespräch mit Anti-Doping-Forscher Professor Fritz Sörgel Immer besser werden: Ein Gespräch mit Anti-Doping-Forscher Professor Fritz Sörgel

Schule, Beruf, Sport. Überall sollen wir erfolgreich sein. Kaum zu schaffen. Viele sind zu ehrgeizig, wollen stets ganz oben mitmischen. Sie pushen sich mit Koffein und Pillen. Gefährlich, denn der Übergang zu verbotenen Substanzen ist fließend. Professor Fritz Sörgel ist Pharmakologe und Anti-Doping-Forscher. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Dopingaffären gehören im Hochleistungssport fast schon zum Alltag. Ab wann gilt denn ein Stoff als Dopingmittel?

Prof. Fritz Sörgel: Die Wissenschaft lässt einen da oft im Stich, denn Studien über Dopingstoffe gelten – zurecht – als unethisch. Beispiele für die Problematik sind Koffein und Nikotin. Sie sind seit Jahren auf der sogenannten „Watch-List“ der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur), also der Beobachtungsliste. Koffein war bis 2003 bei bestimmten Mengen im Körper ein Dopingmittel. Nikotin wurde in den vergangenen Jahren im Hochleistungssport gehäuft gefunden. Es ist jetzt auch auf der „Watch-List“. Das muss weiter beobachtet und nötigenfalls verboten werden. Für den Laien mag das unverständlich sein, aber im Hochleistungssport gelten andere Kriterien.

Nikotin ist ein Dopingmittel?

Man hat beobachtet, dass Nikotin in den vergangenen Jahren verstärkt im Eishockey oder Fußball verwendet wird (siehe Artikel zu Snus, unten). Ihm wird eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten zugeschrieben. Dazu gehört auch die Reaktionsgeschwindigkeit, das schnelle Erkennen, Analysieren und Entscheiden in wichtigen Spielsituationen. Man darf nicht vergessen, alle Dopingmittel machen bei austrainierten Hochleistungssportlern den Unterschied nicht, weil sie die Leistung um zehn Prozent erhöhen. An der Spitze sind es oft zwei bis drei Prozent oder weniger, die den Unterschied ausmachen. Wenn ein Spieler in der entscheidenden Phase für eine Zehntel- oder Hundertstel-Sekunde schneller reagiert, kann es das Spiel, die Saison, oder den Olympia-Wettbewerb entscheiden.

In welchen Sportarten wird gedopt?

Die üblichen Verdächtigen sind wohl derzeit Ringer und Gewichtheber, etwa aus Russland mit seiner unrühmlichen Geschichte. Kenia zählt auch dazu. Insgesamt kann man sagen, dass die hochentwickelten Industriestaaten mit einer funktionierenden Demokratie weniger belastet sind.

Wie wirkt sich ein Doping-Mittel aus?

Man kennt wohl die Anabolika und EPO am besten. Anabolika verstärken zusammen mit hartem Training die Muskelmasse. Das Hormon EPO (Erythropoetin) sorgt für eine Überproduktion von roten Blutkörperchen, die mehr Sauerstoff ins Gewebe bringen. EPO kann auch unter die Haut gespritzt werden. Es führt zu einer vermehrten Verbrennung von Energieträgern: Die Leistungsfähigkeit des Muskels erhöht sich.

Wann wird ein Sportler empfänglich für Doping?

Doping ist dann eine Überlegung wert, wenn große Wettbewerbe anstehen. Für diese muss man sich ja lange vorher qualifizieren. Aber auch, wenn der Anschluss an die Spitze nach einer Verletzung oder altersbedingt schwer wird, sind Sportler empfänglich.

Man hört auch, dass Manager und Banker dopen. Aus dem gleichen Grund wie Leistungssportler?

Ja. Sie alle, auch die Freizeitsportler, wollen doch die Nase vorne haben. Manche fragen, warum werden Sportler bestraft, Finanzjongleure aber nicht? Die Antwort ist einfach: Im Sport gelten ethische Grundsätze für Hunderte Millionen Menschen. Schon ab der untersten Liga. Auch das deutsche Anti-Dopinggesetz sieht den Betrug und seine Verhinderung als Ziel. Investmentbanker haben zwar auch so eine Art ethische Codes. Aber wer kontrolliert die? Der Betrug mit Medikamenten-Einnahme ist in diesen Codes nicht enthalten.

Wo liegen die Gefahren für junge Menschen?

Die vielen Nahrungsergänzungsmittel schüren Hoffnungen. Sie sind die Einstiegsdrogen, weil man schnell erkennen muss, dass das Zeug einfach nichts bringt. Aber die Gedanken sind schon gebahnt. Diese Bahn führt zu stärkeren Mitteln. Im Internet kriegt man ja alles.

Was wird getan, um Doping zu verhindern?

Natürlich ist die stete Verbesserung der Analytik ein durchaus erfolgreicher Weg. Zu erkennen ist das daran, dass viele Medaillen der Olympischen Spiele von Peking und London durch Dopingnachweis aberkannt wurden. Ansonsten ist es die Aufklärung, die Doping-Vorbeugung. Doping-Prävention muss gleichgestellt mit der Drogen-Prävention an Schulen betrieben werden.

Immer besser werden: Ein Gespräch mit Anti-Doping-Forscher Professor Fritz Sörgel Was ist Snus?

Snus wird aus Tabak hergestellt und wirkt ähnlich wie Kautabak. Es wird hinter der Ober- und Unterlippe platziert, von wo aus das Nikotin über die Mundschleimhaut schnell ins Blut und von dort ins Gehirn gelangt. Die Wirkung ist gut steuerbar und Snus kann leicht unbeobachtet angewendet werden. Im Gegensatz zum Zigarettenrauch werden kaum krebserregende Stoffe freigesetzt. Während der Fußball-EM 2016 kam ein Bild des englischen Fußball-Stars Jamie Vardy an die Öffentlichkeit, das ihn mit Kautabak zeigt. Snus ist in der EU außer in Schweden verboten.

Immer besser werden: Ein Gespräch mit Anti-Doping-Forscher Professor Fritz Sörgel Kraftsportler, medizinischer Trainings-Therapeut und Sportfachwirt Florian Trimpl: Meine Meinung

Florian Trimpl (38) ist Kraftsportler, medizinischer Trainings-Therapeut und Sportfachwirt. Er betreibt in Straubing ein Fitness-Studio und trägt den Titel „Strongest Man of Germany 2009“.

Betroffen sind wir alle. Mittlerweile hat sich Doping ins Alltagsleben eingebürgert. Wo fängt Leistungssteigerung an? Die Gefahr liegt im Freizeitsport und im normalen Leben, nicht im Profisport. Hier kümmern sich Ärzte um die Gesundheit des Sportlers. Die Auflagen sind sehr streng. Im Freizeitbereich wird Roulette gespielt. Halbwissen wird herangezogen. Junge Sportler sollten sich mit ihrem Körper beschäftigen, sich an angewandte Trainingswissenschaften halten, die erfahrene Trainer weitergeben. Dafür gibt es Ausbildungsberufe und Hochschulen. Ein Youtube-Video von einem, der von Training keine Ahnung hat, kann das verständlicherweise nicht leisten.

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