Cham Jagdpächter kritisiert "Blutrausch" bei Drückjagd

Bei Drückjagden wie in Albernhof sind Reh und Wildsau im Visier. Foto: dpa Foto: dpa

Den 13. November 2015 hat Josef Macht als schwarzen Freitag in Erinnerung. In der Staatsjagd beim Albernhofer Berg nahe Waldmünchen war zur Drückjagd geladen. Zwei Wildschweine und einige Dutzend Rehe kamen den Jägern vor die Flinte. Macht, Jagdpächter im Nachbarrevier, ist selbst Waidmann durch und durch. Dennoch spricht er von einem „Blutrausch“, der sich an diesem Tag in Wald und Flur abgespielt habe. „Schade, dass viele – nicht alle –, die das große Sagen haben, dem Rehwild den Garaus machen wollen“, zielt Macht in Richtung Staatsforsten. Hubert Meier, Leiter des Forstbetriebes Roding, weist diesen Vorwurf vehement zurück. „Eine Drückjagd ist eine zulässige Jagdart.“
Und sogar eine, die Vorteile habe: Denn auf diese Weise könne ein großer Teil des gesetzlich vorgeschriebenen Abschusses an einem Tag erledigt werden, was wiederum im übrigen Jahr für Ruhe im Revier sorge. So sei es auch an jenem Tag im November gelaufen. „Der Rehwildabschuss im Staatsjagdrevier Albernhofer Berg war damit erledigt“, betont Meier. Er ergänzt, dass die Drückjagd nicht auf das Revier Albernhofer Berg beschränkt gewesen sei, sondern sich über mehrere Staatsjagdreviere erstreckt habe. „Dementsprechend verteilte sich auch die Zahl der erlegten Rehe auf mehrere Reviere.“

Im Visier hatten er und seine Mitjäger aber nicht nur das Rehwild, sondern vor allem die Wildschweine. Die Sauen sorgen regelmäßig für Ärger bei den Landwirten, deren Felder die Vierbeiner verwüsten. Allerdings erweise sich das Schwarzwild als überaus schlau. „Die Sauen lernen schnell dazu“, weiß Meier. Mit den Drückjagden sei den Schweinen erfahrungsgemäß gut beizukommen. Angesichts des hohen Jagddrucks mit dutzenden Jägern und Hunden sowie der großräumigen Vorgehensweise über mehrere Reviere würden die Rotten in Bewegung gebracht. 2013 seien auf diese Weise in dem Revier bei Albernhof elf Wildschweine erlegt worden, erinnert sich Meier. 2015 waren es hingegen zwei. „Das hängt immer davon ab, ob sich gerade Wildschweinrotten in dem Gebiet aufhalten“, sieht Meier den Jagderfolg auch vom Zufall abhängig.

Dafür kam den Jägern bei der Drückjagd im November dutzendweise Rehwild vor die Büchse. Wie viele Tiere es genau waren, würde wiederum Macht interessieren: „Von den an der Jagd Beteiligten hört man Zahlen um die 36. Aber auch 42 habe ich schon zu Ohren bekommen.“ Macht wirft die Frage auf, ob vielleicht sogar die gesetzlichen Abschussvorgaben überzogen wurden. Meier schüttelt den Kopf. „Wir haben die Zahl des erlegten Rehwildes an die Untere Jagdbehörde weitergemeldet. Dort kennt man unsere geforderten Abschusszahlen. Wäre es zu einer Überschreitung gekommen, hätte dies die Behörde sofort moniert.“ Von einer Überschreitung weiß man im Landratsamt Cham nichts. Auch gegen die Vorgehensweise hat die Untere Jagdbehörde nichts einzuwenden. Egal ob Treibjagd, Drückjagd oder Einzelabschuss: „Es gibt keine Vorgaben, auf welche Weise der Abschuss zu erfüllen ist“, versichert Sprecher Friedrich Schuhbauer.

Ob die Deutschen immer sensibler auf Treib- und Drückjagden reagieren, will Meier nicht beurteilen. Er verweist auf das Jagdrecht, das diese Art der Bejagung zulässt. Außerdem sei die Drückjagd in Albernhof längst keine alleinige Veranstaltung der Staatsforsten gewesen. Nur ein Bruchteil der etwa 50 Schützen seien Bedienstete des Freistaats gewesen. Das Gros der Jagdgesellschaft waren private Jäger aus der näheren und weiteren Umgebung. Auch Jäger aus den Nachbarrevieren und von den Hegegemeinschaften im Landkreis seien vertreten gewesen. Und alle seien begeistert gewesen, versichert Meier: „Die gute Organisation der Drückjagd hinsichtlich Ablauf und Sicherheit sowohl für die Teilnehmer als auch die Bevölkerung und den Straßenverkehr wurde von vielen Teilnehmern besonders positiv bewertet. Ebenso die Waidgerechtigkeit, denn fast alle Schüsse saßen am richtigen Fleck und es gab nur wenige Fehlschüsse.“ Macht wäre auch ein Reviernachbar. Doch eine Teilnahme ist für ihn undenkbar. Er macht sich hingegen Gedanken zur „gegenwärtigen Jagdpraxis“. Der Jäger: „Ich kenne die Jagd noch aus den 70er Jahren. Alle waren damals froh, den Staat als Reviernachbar zu haben. Heute denkt man gegenteilig, was ich auch bei Unterhaltungen mit anderen Revierinhabern bestätigt bekomme.“ Den Hinweis, dass das Rehwild dezimiert werden müsste, um den jungen Bäumen eine Lebenschance zu geben, lässt Macht nur bedingt gelten. „Auch früher ist der Wald groß geworden.“

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