Blog Lisa Luedeck im fremden Sachsen

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Lisa Luedeck. (Quelle: Unbekannt)

Lisa Luedeck, 20 Jahre, aus Moosburg a. d. Isar, studiert in Freiberg/Sachsen Wirtschaftsingenieurswesen im ersten Semster und "wagt" das Experiment: eine Bayerin in Ostdeutschland- was dort alles anders ist.

Ein Reiseblog der besonderen Art.







Ein Jahr Sachsen und etwas anders bin ich schon!

Wie schnell die Zeit vergeht! Jetzt wohne ich schon ein ganzes Jahr hier in Freiberg und die Mentalität der Sachsen ist mir nicht mehr fremd, ich habe mich völlig daran gewöhnt, Brötchen zu bestellen und nicht mehr "Grüß Gott" zu sagen, wenn ich eine Fleischerei (nicht Metzgerei) betrete. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich Menschen anpassen können, einem italienischen Sprichwort nach fühlt man sich erst zuhause, wenn man sieben Handvoll Salz gegessen hat. Die habe ich zwar noch nicht ganz, aber trotzdem ist Freiberg mittlerweile mein Zuhause geworden.

Der Winter war streng, aber dieses Mal nicht nur im Schneeloch Freiberg, sondern auch im Rest Deutschlands. Bei uns in der Stadt sind die drei Seen in der Innenstadt zugefroren und man konnte Eishockey spielen und Schlittschuhfahren. Wir haben es mit Herumschlittern mit unseren Winterschuhen versucht, es können sich sehr viele Teenies nicht vorstellen - aber wir haben fast alle Winterschuhe getragen!

Leider, leider ist es dort auch nicht anders, als in anderen Städten: Geräumt wird entweder erst um 17 Uhr oder einfach garnicht, je nachdem wie es den Räumtraktoren gefällt. Eine Sache ist nämlich in Freiberg anders, als beispielsweise im Landkreis Freising: Es gibt dort keine Räumfahrzeuge, sondern Traktoren, die eine Schaufel vorne dran haben und damit räumen! Man braucht sich also nicht wundern, wenn im Winter plötzlich Bulldogs unterwegs sind. Einen Vorteil hat das gegenüber unseren Räumfahrzeugen: Man darf sie überall auf der Straße überholen und muss nicht hinter ihnen herdackeln.

Ich freue mich auf den Frühling. Endlich wieder Grün und keine vier Jacken ,Handschuhe und gefrorenes Spritzwasser im Auto. Einen wunderschönen Frühling allerseits!

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Pole? Nein Sachse aus dem Erzgebirge und Hackepeter? Aber ich möchte doch Hackfleisch!
Ich bin ja nun mehr schon eine geraume Zeit hier in Freiberg und fühle mich von Woche zu Woche wohler. Ein Problem habe ich nur noch gelegentlich mit der Sprache, wenn wahre sächsische Prachtexemplare auf mich zukommen. Letztens saß ich draußen in meinem Hof im Liegestuhl und 2 Männer nähern sich. Sie gingen einfach in den Hof rein und grüßten mich ganz freundlich. Da ich nicht wusste, was sie von mir wollen (bei mir im Haus wohnt sonst niemand anderes, sprich wir sind alleine dort), habe sie gefragt, wen sie denn suchen würden. Es kam ein alsödfjhlskadfjalskfdj zurück. Ich verstehe rein GARNICHTS. Wieder aslkfjslkadfjsdlakf. Ich war mir sicher, dass die beiden polnischen Gastarbeiter waren und von meinem Vermieter eine Aufgabe bekommen hätten und diese erledigen wollten. Irgendwann haben sie bemerkt, dass ich sie nicht verstehe, und dann kam ein sehr bemühtes "Hallo, wir restaurieren eure Fassade" raus, und - SPANNUNG- es waren Sachsen! Die haben so krass gesächselt, dass selbst ich sie nicht verstehen konnte, sie kamen schätzungsweise aus dem Erzgebirge. Seitdem ist das der Running-Gag und alle lachen darüber, mittlerweile werden sie nur noch als die Polen bezeichnet.

Neben der Suche mit den Bauarbeitern habe ich noch gelegentlich Probleme mit der Jugendsprache. Bestimmte Ausdrücke sind für mich völlig unverständlich, aber "so ein Schmarrn" kennen sie hier eh logischerweise nicht, nur "so ein Rotz". Klingt nicht so toll, mir ist da der Kaiserschmarrnverschnitt schon lieber...
Bleiben wir beim Essen, die Essgewohnheiten hier sind auch anders als zuhause in Bayern. Ich bin es ja eigentlich gewöhnt, dass man viel Fleisch isst, aber hier?! Die absolute Nummer1 sind Flecken, also Kutteln-und die sind auch noch eingelegt beim Kaufland zu kaufen. Dort gibt es sogar eine ganze Abteilung (1 GANG!!) nur mit solchen eingelegten Fleischdingen im Glas oder in der Dose. Die Dose lasse ich mir ja noch eingehen, aber die Gläser-da kann man ja durchschauen! Ich meide mittlerweile diesen Gang, das ist ja echt gruslig.

Noch eine wunderschöne Tatsache, die klassische, was Bezeichnungen für Essen angeht. Das gute alte Hackfleisch. Was ist Hackfleisch? Gehacktes, der erste Begriff-kennt jeder. Mett lasse ich mir ja auch noch eingehen, das ist übrigens auch der offizielle deutsche Ausdruck.. Hier heißt es ganz niedlich Hackepeter. Hackepeter, also der Begriff kommt ursprünglich aus Berlin, und wurde im Jahre 1903 erstmals verwendet. Es ist allerdings nur der Begriff für Schweinemett.

Bleiben wir beim Essen, noch eine nette Kuriosität ist die Bulette, das Fleischpflanzerl. Bulette kennen wir von Benjamin Blümchen, Frikadelle ist die Bezeichnung dafür bei Vincenz Murr, Klöpse heißen sie im Nordosten und hier bei mir?! Heißt es Beefsteak. Klingt nach einem Steak, ist aber keines- ich gehe also zum Fleischer (und nicht zum Metzger) und bestellen mir Beefsteak, habe dann aber nur ein Fleischpflanzerl in der Tüte... und wo wir gerade beim Fleischer sind! Freiberg, meine Stadt hier in Sachsen, hat so unendlich viele Fleischer, dass man denken könnte, die Leute hier ernähren sich ausschließlich von Fleisch und Wurst (Achtung, nicht WURSCHT oder Wuuuurst).

In diesem Sinne, liebste Grüße vom anderen Ende und auch als Nicht-Fleischfanatiker kann man sich super ernähren, es ist ja gerade Erdbeerzeit.

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Von Boden und Restaurationen

Seit vier Wochen lebe ich nun in Sachsen. Viele Bayern sagen dazu ja noch DDR oder im Osten - ich bevorzuge Ostdeutschland!

"Warum gehst du denn dahin? Bei uns ist es doch viel schöner?!" - diesen Satz durfte ich mir gefühlte 1000 Mal anhören, nachdem ich mich dazu entschlossen habe, nach Freiberg, Sachsen, zu ziehen, um dort zu studieren. Wirklich nachvollziehen konnten es nur wenige in meinem Umfeld, gelobt hat niemand meinen Umzug, und trotzdem bin ich auch ein bisschen stolz darauf, jetzt als Bayerin hier in Sachsen zu leben.

Jeden Tag stolpere ich über neue Andersartigkeiten, manchmal unendlich lustiger Natur, manchmal schüttele aber auch ich meinen Kopf und wundere mich. Beispielsweise bei meinem Einzug in meine WG hier meinten meine Mitbewohner (beides originale Sachsen mit ORIGINALEM Dialekt), ich solle doch meinen Sachen, die ich nicht brauche, einfach auf den Boden stellen. Ja wie Boden?! Wieso denn auf den Boden? Nach einem hin und her kam dann heraus, dass sie mit Boden einfach nur den Speicher meinten den Begriff kannten sie natürlich nicht!

Zu meiner Selbstverteidigung ist zu sagen, dass ich dem "Hochdeutschen" (eher ein Oberbayerisch mit möchte-gern hochdeutschen Ausdrücken) durchaus mächtig bin, ich allerdings viele bayerische Begriffe fälschlicherweise als hochdeutsche Ausdrücke ansehe.

Ähnlich war es mit dem "Aufwasch", der noch zu erledigen war. Aufwasch? Ja DAS ist der Abwasch. Wir haben zum Glück hier eine Spülmaschine, aber gelegentlich gibt es ja doch mal ein paar Dinge, die man aufwaschen muss - aha! - dieser Ausdruck kommt auch auf meine Liste.

Als ich letztens auf dem Weg zur Uni war, ist mir ein Schild des Hotelleitsystems aufgefallen, dort war ein Pfeil in Richtung Stübel. Wenn der Ausdruck Stübel nicht auf diesem Schild gestanden hätte, hätte ich sicher nicht gewusst, um was es sich handelt: ein einfaches Stüberl eben! Um beim Thema Essen und Gastronomie zu bleiben, es gibt hier auch vereinzelt Restaurationen. Hier wird allerdings nicht, wie vom Begriff her zu erwarten wäre, eine Werkstatt vorgefunden, sondern ein Restaurant, sprich eine Wirtschaft. Die Wirtschaft kennt man hier auch nicht, das ist doch das mit Geld?! Oh nein, liebe Leute, das ist eine richtig gute Boazn (ich habe bei diesem Wort jedoch schon damit gerechnet, dass das sicher niemand kennt).

Um beim Kulinarischen zu bleiben, die Speisen sind hier ebenfalls verschieden. Eier sind offensichtlich eine sehr typische ostdeutsche Speise, in allen Formen, Farben und Varianten. Egal ob in klumpiger braungrüner Sauce in der Mensa der Universität, oder als Eiersalat mit mehr Zwiebeln als Eiern oder ganz klassisch: Senfeier!
Eier gibt es überall, und in diesem Sinne verabschiede ich mich fürs Erste, fröhliche Osterfeiertage (die ich in Bayern verbringen werde).

  1. Autor

    idowa
  2. Datum

    11.06.2012 14:21 Uhr
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