Berufsportrait Strahlende Aussichten: Elena und Verena arbeiten als zahnmedizinische Fachangestellte

Vorsichtig setzt Verena Decker ihrer Patientin den Draht für die Zahnspange ein. Foto: David Voltz

In ihrem Beruf verhelfen Elena und Verena Menschen zu einem schönen Lächeln. Auf dem Weg dorthin kommt es auch mal vor, dass ein Patient Angst bekommt, wenn er auf dem Arztstuhl sitzt. Doch die beiden zahnmedizinischen Fachangestellten wissen, was es dann braucht: viel Geduld.

Montagmorgen, Mund auf: Elena Roeder ist heute für die Diagnostik eingeteilt. Die 18-Jährige macht eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten bei der kieferorthopädischen Praxis Kiefl in Straubing. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr. Heute muss sie vom Gebiss einer jungen Patientin einen Abdruck anfertigen. Das macht sie mit einer pinkfarbenen Masse. „Die schmeckt nach Himbeere“, erklärt Elena dem Mädchen auf dem Arztstuhl beruhigend. Sie scheint sehr nervös zu sein und nickt nur aufgeregt als Antwort.

Nebenan setzt Verena Decker einer Patientin gerade eine Zahnspange ein. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das macht. „Am Anfang war diese Arbeit noch sehr komisch für mich. Ich war nervös, aber froh, dass jemand zugeschaut hat, ob ich auch alles richtig mache“, erinnert sich die 17-Jährige. Bei Elena war es ähnlich: „Ich habe damals sehr gezittert.“

Üben mit Seppl

Geübt wird das Einsetzen einer Spange am Anfang der Ausbildung nicht direkt am Patienten. In der Praxis gibt es einen Silikonkopf mit Zähnen, an denen die angehenden zahnmedizinischen Fachangestellten sich ausprobieren können. „Seppel nennen wir ihn“, sagt Verena lachend.

Geschafft: Elena entnimmt dem Mädchen gerade den zweiten Abdruck. Anschließend darf die Patientin sich den Mund ausspülen. Ein Kieferorthopäde schaut sich die fertigen Abdrücke an und segnet sie ab. „Das war doch gar nicht so schlimm“, sagt Elena und klopft ihrer tapferen Patientin auf die Schulter. Sie darf jetzt nach Hause gehen, während Elena den Arbeitsplatz aufräumt und reinigt.

Fotos schießen

Die 18-Jährige hat durch ein Praktikum den Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten entdeckt. „Ich selbst war hier in der Praxis Patientin und hatte eine Spange. Damals kam auch der Schulabschluss immer näher, also wollte ich mal in die Arbeit hier hereinschnuppern“, blickt Elena zurück. Ähnlich ging es auch Verena. Auch sie war Patientin. „Nach mehreren Praktika habe ich mich beworben“, fügt sie hinzu.

Die beiden jungen Frauen befinden sich im zweiten Lehrjahr. „Sie lernen in ihrer Ausbildung alles nach einem Testatheft“, erklärt Dr. Matthias Kiefl, der zusammen mit seiner Frau Dr. Eva-Maria Christ-Kiefl die Praxis leitet. Das Testatheft gibt Richtlinien vor, wann die Mädels in ihrer Ausbildung welche Aufgaben übernehmen können. „Abdrücke machen, Fotos der Zähne unserer Patienten schießen, Instrumente reinigen, Zahnspangen einsetzen oder bei Problemen mit der Zahnspange helfen – das und vieles mehr müssen die Azubis nacheinander lernen“, zählt der Kieferorthopäde auf. Auch ins Labor der Praxis werfen die zahntechnischen Fachangestellten einen Blick.

Einmal in der Woche haben Elena und Verena außerdem Berufsschule. Dort lernen sie, wie sie den Praxisbetrieb, Termine und interne Abläufe planen. Auch zur Arbeit an den Zähnen der Patienten gibt es ein Unterrichtsfach. „Leider dreht sich da fast alles um die Arbeit beim Zahnarzt, weniger um die beim Kieferorthopäden“, bedauert Elena.

Zurück zu Verenas Patientin: Ein paar letzte Handgriffe fehlen, bis die 17-Jährige fertig ist. Ein Kieferorthopäde wirft einen Blick auf die feste Spange. „Sticht oder stört irgendwas in deinem Mund?“, hakt er nach. Die Patientin schüttelt zufrieden und erleichtert den Kopf. Verena zeigt ihr noch, wie sie die Gummis in ihre Zahnspange hängen muss, dann darf das Mädchen nach Hause gehen.

Perfekte Zähne - eine Voraussetzung?

Wer sich für den Beruf zahnmedizinischer Fachangestellter interessiert, fragt sich sicher: Müssen meine Zähne perfekt sein, damit ich die Ausbildung bekomme? „Gepflegte Zähne sollten Bewerber haben“, sagt Kieferorthopäde Dr. Matthias Kiefl. Dagegen sei es aber nicht Pflicht, dass alle Zähne bereits richtig gerade stehen, betont der Arzt. Im Gegenteil: Wer noch keine Spange hatte, bekommt dann eine. „Dadurch können sich die Azubis auch viel besser in den Patienten einfühlen, weil sie wissen, wie es ist, eine Zahnspange zu haben.“

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