Berufsporträt Goldschmied: Etwas Besonderes schaffen

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An dieser Maschine wird der Goldring, den Andreas Reißmüller gerade fertigt, poliert. (Foto: Pfeffer) (Quelle: Unbekannt)

Auf der Werkbank blitzt und glänzt es zwischen Feilen, Poliermaschinen und Zangen. Als Goldschmied arbeitet man mit wertvollen und feinen Edelmetallen und fertigt Schmuckstücke, die nicht nur Frauenherzen höherschlagen lassen. "Die Menschen haben sich immer schon gern mit etwas Schönem geschmückt und werden es auch weiterhin", sagt Andreas Reißmüller. Er ist selbstständiger Goldschmiedemeister in der Goldschmiede Leser in Straubing und ist der Meinung: Goldschmied ist ein Beruf mit Zukunft.

Als Goldschmied arbeitet man aber nicht nur mit Gold, sondern auch mit anderen Metallen wie Silber oder Platin. "Platin ist sogar noch edler als Gold", weiß Reißmüller. Als Anfänger bekommt man aber nicht gleich richtiges Gold in die Finger. "Die Lehrlinge arbeiten erst mit Messing, weil sie noch viel kaputtmachen", sagt der Meister. Üben, üben, üben ist hier erstmal angesagt. Erst wenn die Grundtechniken wie sägen, feilen, bohren, löten und polieren sitzen, darf man erste Einzelanfertigungen fürs Lager machen.

Keine langen Fingernägel

"Das täglich Brot eines Goldschmieds sind Reparaturen", so Reißmüller. Da müssen Kettchen gelötet werden, Ringe geweitet oder Schmuckstücke poliert werden. Dann kommt auch das Schmieden ins Spiel. "Am Anfang sägt, bohrt und schmiedet man nicht nur das Metall, sondern auch mal den eigenen Finger", erzählt der 43-Jährige und lacht. Lange Fingernägel sind dabei übrigens tabu: "Man muss beim Arbeiten kleine Schmuckstücke festhalten. Das kann man mit langen Nägel gar nicht", sagt der Experte. "Nach zwei Tagen sind die aber sowieso ab. Man sägt mal rein oder feilt drüber. Das ist ganz normal." Frauen hält diese Warnung aber dennoch nicht von dem Beruf Goldschmiedin ab. In der Goldschmiede Leser in Straubing arbeiten derzeit genauso viele Männer wie Frauen.

Jedes Stück ein Unikat

Der Beruf des Goldschmieds ist ein Kunsthandwerk. "Jedes Stück ist ein Unikat. Man muss immer wieder neu nachdenken", erklärt Andreas Reißmüller. Viele Kunden haben besondere Wünsche und wollen erst einen Entwurf sehen. Den zeichnet ein Goldschmied mit Bleistift per Hand. "Talent zum Zeichnen, vor allem auch dreidimensional, ist deshalb auch sehr wichtig", weiß der Fachmann. Auch ein kreativer Kopf und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen helfen dabei gut. "Und bei der Umsetzung eine ruhige und vor allem trockene Hand", so Reißmüller. Schwitzt man nämlich zu sehr beim Arbeiten, rutscht einem ständig das Schmuckstück aus der Hand. Das A und O aber sei handwerkliches Geschick. Ob man das mitbringt oder nicht, erkennt man beim Probearbeiten schnell.


Als Goldschmied braucht man keinen bestimmten Abschluss. "Mittlere Reife wäre aber wünschenswert", so der Fachmann. Im Zeugnis wird neben dem Zeichnen besonders auf die Fächer Mathematik, Physik, Chemie und etwas Geschichte Wert gelegt. "Man hat sehr viel mit chemischen Substanzen und Zusammensetzungen zu tun. Ein gewisses Verständnis dafür ist deshalb wichtig." Und die Mathematik braucht man dann, wenn's um den Verkauf, also ums Geld, geht.

Die Ausbildung zum Goldschmied dauert dreieinhalb Jahre. Die Berufsschule findet im Blockunterricht statt. Die Lehre endet mit der Gesellenprüfung und danach kann man sich zum Meister ausbilden lassen. Damit kann man sogar studieren und sich bis zum Geschäftsführer vorarbeiten.

Was genau man als Goldschmied macht, liegt auch am Ausbildungsbetrieb. "In kleineren Betrieben ist man eher ein Einzelkämpfer", so Reißmüller. Man fertigt also nicht nur, sondern designt, spricht mit Kunden und verkauft. Dazu braucht man also auch ein gewisses Maß an Kommunikationsfähigkeit. Als selbstständiger Goldschmied hat sich Andreas Reißmüller auch betriebswirtschafltich weitergebildet, um sein Geschäft führen zu können. In großen Goldschmieden allerdings sitzt man viel in der Werkstatt. Dort hat man weniger Kundenkontakt. Manchmal gibt es auch eigene Schmuckdesigner, die die Entwürfe übernehmen, sodass man sich voll auf das Schmieden konzentrieren kann.
An sein erstes eigenes Schmuckstück erinnert sich Andreas Reißmüller noch genau: "Das war ein Anhänger mit einem Lapislazuli." Damit ist ein blauer Edelstein gemeint. "Der Anhänger war damals innerhalb einer Woche ausverkauft." Das sei auch das Schöne an seinem Beruf, so Reißmüller: "Man darf mit besonders wertvollen Stoffen arbeiten und schafft etwas ganz Besonderes."

Goldschmied - ein alter Beruf
Der Beruf Goldschmied ist schon über 7000 Jahre alt. Schmuck wurde in den Anfängen als Glücksbringer, Ammulet oder Standeszeichen getragen. Hergestellt wurden sie mit einfachen Werkzeuge aus Holz und Stein. Die Kunst, Gold zu schmieden, kam mit Königshäusern, Fürstentum und Kirchenkult auf. Nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere waren Goldschmiede damals angesehene Persönlichkeiten. Gold und Edelsteine strahlen einen besonderen Zauber aus. Klar, dass man die nur denjenigen anvertraut, die perfekt damit umgehen können.

Was verdient man in der Ausbildung?
1. Lehrjahr: 220 Euro bis 818 Euro
2. Lehrjahr: 250 Euro bis 866 Euro
3. Lehrjahr: 305 Euro bis 942 Euro
4. Lehrjahr: 320 Euro bis 1.011 Euro
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Was heißt eigentlich 750er Gold?
Wenn auf deinem Ring eine Zahl steht, zum Beispiel 750, sagt das aus, wie hochwertig das Gold ist, das für deinen Ring verwendet wurde. Der Begriff "Gold" bezeichnet in der Alltagssprache nämlich nicht den reinen Werkstoff Gold, sondern seine Legierung, also Zusammensetzung. Das Gold wird meist verschmolzen mit Silber und Kupfer. Die Zahl 750 bedeutet, dass bei 1000 Gramm 750 Gramm reines Gold und je 125 Gramm Silber und Kupfer zusammengeschmolzen wurden. Warum? "Weil Gold alleine viel zu weich wäre. Man könnte den Ring später ganz leicht zerdrücken", erklärt Goldschmiedemeister Andreas Reißmüller. "Außerdem kann man so die Farbe des Goldes beeinflussen." Mit mehr Kupfer wird das Gold beispielsweise rötlicher, mit weniger Kupfer bleibt es gelber.

  1. Autor

    Tanja Pfeffer
  2. Datum

    05.07.2012 09:00 Uhr

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