Tag 2 in Ghana: Schon um 5 Uhr morgens werden wir auf Anraten unseres Taxisfahrers an unserem Hotel abgeholt, da er sich sicher war, die Busse nach Wa würden schon sehr früh am Morgen gehen. In Wirklichkeit geht der Bus nach Wa erst um 16 Uhr, das heißt also: zehn Stunden Warten. Zehn Stunden hören sich im ersten Moment sehr viel an, aber die Zeit ist doch recht schell vergangen.

Direkt neben dem Busbahnhof war ein Markt, durch den wir abwechselnd geschlendert sind, weil einer auf unser Gepäck aufpassen musste. Der Markt war schon morgens sehr belebt mit Leuten, die etwas zu essen verkauften. Dort habe ich mein erstes Essen in Ghana probiert: Fisch mit Reis. Uns wurde auch nicht langweilig, weil uns ständig die Mentalität der Ghanaer vor Augen geführt wurde. So viele Leute sprachen uns an und redeten oft stundenlang mit uns über unsere Heimat und Ghana. Dort haben wir auch erste Kontakte geknüpft, sodass wir, falls wir mal wieder nach Accra oder Kumasi kommen, jemanden haben, der uns herumführt. Die Gastfreundschaft in Ghana ist einfach atemberaubend. Nach zehn Stunden Wartezeit, ging’s dann endlich los nach Wa. In Wa angekommen kam es natürlich zu erneuten Komplikationen: Keiner holte uns ab. Nach über einer Stunde und einer ewigen Telefoniererei kam dann ein Angestellter der Schule und fuhr uns in die Kaleo Technical Senior High School. Natürlich war keiner da, der von unserer Ankunft wusste, da die Schulleiterin außer Haus war. Wann die wieder kommt? Weiß keiner. Hier verbringe ich also das nächste Jahr.

Als man uns unser Haus zeigte, folgte der nächste große Schock: Das Zimmer war bei unserer Ankunft in einem Zustand, den ich mir so nicht erwartet hätte. Es gibt nur Mehrstockbetten aus Metall mit sehr dünnen Matratzen. Decken, Kissen oder Bettzeug sind nicht vorhanden. Das Bad und die Dusche funktionieren nur spärlich. Zu dem Zeitpunkt konnte sich keiner von uns vorstellen, hier ein Jahr zu verbringen und wir wollten beide einfach nur nach Hause. Aber wir ließen den Kopf nicht hängen und versuchen seitdem das Beste draus zu machen und das klappt. Wir haben die „Möbel“ – heißt die Betten – umgestellt und es uns ein wenig gemütlicher gemacht, sodass es sich ein bisschen mehr wie ein Zuhause anfühlt, aber das ist ein Schritt, der wahrscheinlich erst mit der Zeit kommt.

Am Abend haben wir uns an der Bar neben der Schule noch ein Bier gekauft und sind durch Kaleo gezogen. Dort wurden wir dann auch gleich von einer Gruppe älterer Herren angesprochen, warum wir sie – typisch deutsch – nicht gegrüßt haben. Dies endete dann in einem stundenlangen Gespräch, in dem wir auch erfahren haben, dass es nicht gerne gesehen wird, wenn man auf der Straße trinkt. Wieder was gelernt!