Eine kleine Ewigkeit ist’s her, seit ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben hab. Der Grund dafür ist zum einen die Ereignislosigkeit in der Vorweihnachtszeit und zum anderen der Stress, den ich hatte. Dafür entschuldige ich mich.

Zunächst einmal: Warum war denn die Zeit vor Weihnachten so ereignislos und doch so stressig? Vor den Weihnachtsferien haben die Schüler der Kaleo Senior High Technical School die sogenannten „End-of-Term-Examinations“ geschrieben. Nach jedem „Term“ (es gibt drei davon in einem Jahr) kommt ein Examen auf die Schüler zu. Genauso, wie die Schüler dafür lernen und sich vorbereiten mussten, hatte ich auch nicht wenig zu tun. Ich, als „vollwertiger Lehrer“, musste mir Fragen für die Examen ausdenken, ein paar extra Unterrichtsstunden geben, damit meine Schüler bestehen, und dann so gut wie jeden Tag bei anderen Examen Aufsicht machen. Privat wurde es passend zur Vorweihnachtszeit auch alles andere als entspannt. Ich habe mich bemüht, unser Haus etwas weihnachtlich zu dekorieren, damit auch bei über 30 Grad Weihnachtsstimmung aufkommt. Als dann aber kurz vor Weihnachten die Beziehung mit meiner Freundin ein Ende gefunden hat, war es natürlich endgültig vorbei mit der Weihnachtsstimmung, und da konnte auch kein Plastik-Christbaum, kein Lametta, nicht die selbstgemachten Platzerl, die mir meine Mama geschickt hat, und auch nicht die Weihnachtsmusik, die ich seit November gehört habe, mehr helfen. Somit konnte ich mich nur damit begnügen, über 200 Examen meiner Schüler zu korrigieren und bei gefühlt jedem zweiten meine Kompetenz als Lehrer in Frage zu stellen. Nein, natürlich war es nicht ganz so schlimm. Dennoch musste ich mich bei manchen Schülern fragen, ob diese überhaupt meinem Unterricht beigewohnt haben…

Doch glücklicherweise war die ersehnte, freudige Ablenkung und auch das Hauptthema dieses Blogeintrags nahe: eine Reise durch halb Ghana. Als die Ferien für die Schüler und somit auch für uns anfingen, machten wir uns abends mit dem Nachtbus auf die Reise zu unserem ersten Ziel: Cape Coast. Wie bei so gut wie jeder Reise, die man von der Upper-West-Region in den Süden unternimmt, führen alle Wege erst mal in die Hauptstadt Accra, mit der wir ja anfangs so gute Erfahrungen hatten (man siehe den zweiten Blogeintrag). Dieses Mal ging es überraschenderweise eher reibungslos vonstatten. Wir fragten einen Mann, der mit uns im Bus gefahren ist, einfach nach dem Weg. Der setzte sich mit uns in ein Taxi zur nächsten Tro-Tro-Station. Nach einer halben Stunde Wartezeit ging es also los und wieder raus aus Accra. Auf dem Weg Richtung Cape Coast stehen am Straßenrand Schilder, die vor dem Zuschnellfahren warnen sollen. Diese Schilder zeigen eine grausame Wahrheit: Dort standen Sätze wie „6 persons died here – Overspeeding kills“. Und von diesen Schildern gibt es auf dem Weg leider Gottes nicht gerade wenig, und der Fahrstil unseres Tro-Tro-Fahrers ließ erahnen, warum es so viele Schilder gibt. Nach drei Stunden unter teilweise Todesangst konnten wir unbeschadet in Cape Coast aussteigen, wo wir vorhatten, Weihnachten mit den anderen Ghana-Freiwilligen unserer NGO zu verbringen. Nachdem wir unsere aufregende Fahrt am Strand und im Meer verdaut hatten, trafen wir uns mit Lisa, die in Cape Coast ihren Freiwilligendienst absolviert und bei der wir für die Zeit unterkamen, Lukas und Kathi, die beide in der Volta-Region wohnen. Ganz besonders habe ich mich auf Kathi gefreut, weil ich endlich wieder jemanden hatte, mit dem ich bayrisch reden kann!