Unser nächster planmäßiger Halt wäre Fume in der Volta-Region gewesen, das Dorf, in dem Kathi und Lukas wohnen. Da aber diese Reise von Cape Coast aus sehr lange gedauert hätte und wir uns nicht allzu viel Stress antun wollten, machten Julius und ich noch einen dreitägigen Zwischenstopp in Big Milly’s Backyard in Kokrobite, während unsere zwei Freunde aus Fume schon zurückfuhren. Über Kokrobite habe ich ja in meinem letzten Blogeintrag geschrieben, und weil es bis auf das Reise-Mitbringsel schön war, sind wir einfach nochmal dort hingefahren. Es war sehr schön, dass sich die Leute dort, obwohl ich nur ein paar Tage dort gewesen war, an mich erinnerten. Ich habe mir ja meine Haare lang wachsen lassen, weil ich mir Dreadlocks machen wollte. Zufälligerweise habe ich in Kokrobite einen Rasta getroffen, der das hauptberuflich macht (das hat er mir zumindest gesagt). Jedenfalls bin ich dann mit zu seinem Shop und er hat sich an die Arbeit gemacht… Naja, man siehe selbst das Ergebnis…

Nachdem wir uns genügend entspannt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Volta-Region. Und wer hätte es gedacht, unser Weg führte uns wieder mal nach Accra. Nach ein bisschen Rumgefrage haben wir aber dann die richtigen Tro-Tros gefunden, und langsam fing ich an, Accra gar nicht mehr so zu hassen. Ganz glatt lief natürlich nicht alles: Auf dem viereinhalbstündigen Weg nach Fume ging unser Tro-Tro kaputt. Bei einem Schlagloch ist einfach der hintere Stoßdämpfer abgefallen. Wir saßen eine Weile fest, bis sich der Fahrer entschlossen hat, trotz fehlendem Stoßdämpfer bis zum nächsten Dorf weiterzufahren. Nach über einer halben Stunde Wartezeit sind wir doch zur Erkenntnis gekommen, dass es noch wesentlich länger dauern würde. Wir schnappten also unser Gepäck und sind, begleitet von einem Ghanaer, dem es ebenfalls zu blöd wurde, ein anderes Fahrzeug suchen gegangen.

Die Volta-Region in Ghana ist großenteils sehr bergig, die Landschaft unvergleichbar schön, und Julius und ich hatten jetzt knapp über eine Woche Zeit, uns die schönsten Ecken von Kathi und Lukas zeigen zu lassen. Das erste, was man uns zeigte, war quasi direkt vor unserer Haustür: der Mount Gemi. Zu dritt auf Lukas Motorrad ging es eine hügelige Piste bergauf zum nächsten Dorf. Auf dem Weg wären wir fast ein paar Mal umgekippt. Von dort aus ging es etwa eine Stunde einen kleinen, steilen Trampelpfad mehr oder weniger direkt durch den lichten Wald bis zum Berggipfel. Da der Harmattan mittlerweile auch die Volta-Region erreicht hat und deswegen recht viel Staub in der Luft ist, war die Aussicht eher bescheiden. Doch nichtsdestotrotz war es ein schöner, wenn auch anstrengender Ausflug.

Am nächsten Tag kam eine etwas weniger schöne Aufgabe auf uns zu: Wäsche waschen. Wir hatten zwar beide für mehr als eine Woche Wäsche gepackt, allerdings ist das Klima im Süden anders als im Norden. Im Norden ist es zwar extrem heiß, aber dafür staubtrocken. Man schwitzt nicht viel, trotz hoher Temperaturen. Im Süden ist es anders: Die Temperaturen sind nicht so hoch, dafür herrscht eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Da wir das nicht gewohnt sind, waren unsere T-Shirts und Hemden nach einem Tag komplett durchgeschwitzt und nicht mehr tragbar. Wir schnappten uns ein paar Wannen und liefen zu einem kleinen Wasserfall in der Nähe von Fume. Begleitet von lauten ABBA-Liedern wurde das Waschen lustig und gar nicht mehr so schlimm, vor allem, wenn man nebenbei noch im Wasser badet. Allerdings hatten wir eine Sache nicht bedacht: Nasse Wäsche wiegt mehr als trockene. Wir schleppten sie auf die ghanaische Art zurück: auf dem Kopf. Damit zogen wir allerhand ungläubige Blicke von den Einheimischen auf uns.