Auslandsblog Ramona Pinkl in Ecuador

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Ramona Pinkl ist 21 Jahre alt und geht für ein Jahr nach Ecuador. (Quelle: Unbekannt)

Ramona Pinkl ist 21 Jahre alt und eine von 20 Jugendlichen, die sich ab 7. August 2012 in lateinamerikanischen Ländern in sozialen und entwicklungspolitischen Projekten der katholischen Kirche engagieren. Die gelernte Industriekauffrau wird von der Erzdiözese München und Freising - Referat Weltkirche - nach Ecuador in das Kinderdorf "Pueblito la Ternura" gesandt. Dort unterrichtet sie Kinder in Englisch, gibt ihnen Nachhilfe oder unterstützt die anderen Lehrer dort während des Unterrichts. In dem Dorf leben hauptsächlich Kinder, deren Eltern ausgewandert sind oder dem Alkoholismus oder der Kriminalität zum Opfer gefallen sind.
Was Ramona in Ecuador dabei alles erlebt, das könnt ihr hier in ihrem Blog lesen.
 

Neues aus Ecuador

Seit meinem letzten Eintrag hat sich wieder jede Menge getan. Die Zeit hier vergeht mir viel zu schnell. Jetzt sind es noch genau 53 Tage, die mir in meinem geliebten Ecuador bleiben. Am 4. August geht es schon wieder nach Hause und es gibt so viele Orte, die ich bis dahin noch gerne kennenlernen würde. Aber jetzt erst einmal zu meiner aktuellen Aufgabe im Pueblito...

Nach fast sechs Monaten Kartoffelschälen und Zwiebelschneiden in der Küche war endlich ein Tapetenwechsel angesagt und so bin ich seit Mitte Februar im dazugehörigen Kindergarten beschäftigt. Ich gebe von Montag bis Donnerstag zwei Stunden pro Tag in den drei Kindergartenklassen und einer ersten Grundschulklasse Englischunterricht und helfe den Lehrerinnen beim Hausaufgabeneintragen. Die Aktivitäten im Kindergarten sind sehr schulisch aufgebaut. Der Unterricht dauert von acht bis zwölf und die Kinder haben nur eine Stunde Pause, in der sie sich draußen beim Spielen austoben können. Die restliche Zeit lernen sie, ihren Namen zu schreiben, Vokale, Zahlen und eben auch schon die ersten englischen Vokabeln (Farben, Tiere, Früchte, usw.) Dies ist eine besondere Herausforderung für mich. Zum Einen muss ich den Unterricht so einfach wie möglich gestalten, weil die Kinder ja teilweise noch sehr klein sind (zwischen drei und sechs Jahren). Zum Anderen muss er aber auch interessant und spannend sein. Hinzu kommt, dass die Klassen mit zwischen 18 und 25 Kindern ziemlich groß sind und die kleinen Amores (Lieblinge), wie sie von den Lehrerinnen liebevoll genannt werden einen unglaublichen Lärm veranstalten. Bei dieser Gelegenheit: Respekt an alle Lehrer!! Jetzt weiß ich, wie anstrengend es ist, die ganze Zeit laut zu reden. Man möchte meinen, zwei Stunden Unterricht pro Tag ist nicht viel aber danach bin ich meistens heiser. Während die Grundschulklasse große Fortschritte macht, gibt es in den Kindergartenklassen leider nur so zwei bis drei interessierte Kinder pro Klasse, die aufmerksam sind und sich die Wörter merken können. Der Rest hat bis zur nächsten Stunde schon wieder alles vergessen. Was die kleinen Amores aber auf alle Fälle wissen, ist, wie man einen zur Weißglut bringt - und das mit einem engelsgleichen Lächeln. Auch die Kunst des Petzens beherrschen sie perfekt. Aufmerksamkeit soll belohnt sein und so bekommen die Kinder von mir für richtige Antworten einen Smiley und bei drei Smileys gibt es Süßigkeiten und einen Tiersticker. Ein wenig Bestechung muss sein! Ein weiteres Muss: Geduld, Geduld, Geduld!

Geduld lautet auch die Devise bei der nachmittäglichen Hausaufgabenbetreuung. An manchen Tagen bin ich echt der Verzweiflung nahe. Viele Kinder haben eine Lernschwäche und die Probleme fangen schon beim Lesen und beim Einmaleins an. Ein Beispiel für so einen Härtefall ist der siebenjährige Kevin. Den muss ich erst einmal einfangen und ins Haus zerren. Dann muss ich seine Klassenkameradin fragen, ob sie denn Hausaufgaben haben und welche diese wären, weil der in der Schule anscheinend unaufmerksame Kevin das selber nicht weiß. Wenn er dann endlich einmal sein Buch gefunden hat und wir uns von jemandem einen Bleistift und einen Radiergummi ausgeliehen haben, muss ich ihm die Aufgabenstellung vorlesen, weil er selber nicht lesen kann. Die Lösung muss ich dem bleistiftlutschendem Kevin Buchstabe für Buchstabe diktieren. Und so kämpfen wir schon einmal drei Stunden miteinander, inklusive den Unterbrechungen, in denen ihm der Bleistift hinunterfällt, er vor Müdigkeit fast einschläft oder einen Weinanfall bekommt, weil er nicht mehr will. Genau das Gegenteil von ihm ist seine Klassenkameradin Maria-Christina, die schon fast fließend lesen und schreiben kann und auch in Mathe keine Probleme hat. Den meisten Kindern jedoch fehlt es an Motivation. Oftmals schalten sie auf stur, lassen sich nicht helfen und dann gehen sie eben ohne Hausaufgaben in die Schule.

Eine wahre Freude ist, zu sehen, wie der zweieinhalb-jährige Matthias und sein eineinhalb-jähriger Bruder Marlon wachsen und gedeihen. Die beiden sind im Februar zu uns ins Pueblito gekommen. Die Polizei hat sie verwahrlost in der Wohnung der alkohol- oder drogenabhängigen Mutter gefunden. Diese hat ihnen angeblich Alkohol in die Milchflasche gemischt, damit sie schlafen. Beide haben ganz gelbe und verdorbene Zähne aufgrund der Fehlernährung. Während der ältere Matthias schon etwas mehr Leben zeigte, reagierte der kleine Marlon am Anfang auf gar nichts. Er jammerte nur tränen-los vor sich hin und schlief sehr viel. Wir gingen ein paar mal mit den beiden zu einer Therapie nach Quito, was aber eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Denn hier im Kinderdorf entwickeln sie sich wie ganz normale Kinder. Sie haben ordentlich an Gewicht zugenommen, Marlon hat Laufen gelernt und Matthias macht große Fortschritte beim Sprechen.

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Weihnachten in Ecuador

Wahrscheinlich befindet ihr euch gerade im alljährlichen Weihnachtsstress. Auch hier im circa 20 Grad warmen San Antonio macht sich Weihnachten bemerkbar, auch wenn es nicht zu vergleichen ist mit der "staaden Zeit" in der Heimat. Fast jeden Tag scheint die Sonne, auf den Straßen herrscht wie immer reges Treiben und von überall her ertönt laute Reggaeton-Musik anstatt "Last Christmas" oder "Jingle Bells". In vielen Geschäften gibt es jede Menge hässliche, kitschige Weihnachtsdeko aus Plastik und in den Fenstern sieht man Weihnachtsbeleuchtung, was aber in das trocken-staubige San Antonio einfach nicht passt und für mich absurd aussieht. Im Pueblito haben die Kinder in jedem Haus einen Krippe aufgebaut, in der sich vom Miniatur-Ochsen bis hin zur Riesenameise so ziemlich jedes Tier befindet.

In der letzten Zeit fand eine Veranstaltung nach der nächsten statt. Vor zwei Wochen waren die Fiestas de Quito, bei denen alljährlich die Gründung der Hauptstadt gefeiert wird. Im Kinderdorf wurde deshalb ein Wettbewerb veranstaltet, bei dem jede familiäre Gruppe ihr Haus mit Bändern und Luftballons in den Farben rot und blau dekorieren, einen Kanton von Quito vorstellen und eine Legende von Quito präsentieren musste. Außerdem hatten die Kinder einen traditionellen Tanz einstudiert. Die Gewinner-Familie bekam einen 20-Dollar-Schein überreicht, um Eis essen zu gehen. Auch im Kindergarten des Pueblito waren wir eingeladen, mit ihnen die Fiestas de Quito zu feiern. Die Kinder kamen alle verkleidet und es wurde die Quiteña Bonita - also Miss Quito - gewählt, die Geschichte Quitos vorgelesen, ein "Stierkampf" und Tänze aufgeführt.

Am 6. Dezember bekamen wir Besuch von San Nicolas, seinem Elfen und Knecht Ruprecht. Bevor die Kinder eine Tüte Süßigkeiten geschenkt bekamen, las San Nicolas das Verhalten der einzelnen Kinder aus seinem golden Buch vor und sie mussten eine Frage zum Glaubensbekenntnis beantworten. Es war schon lustig, in die verschreckten Gesichter der sonst so frechen Kinder beim Anblick von Knecht Ruprecht zu sehen. Aber sie sind ja nicht dumm und so hatten sie bald erkannt, dass es Sebastian, mein Freiwilligenkollege, war.

Am Samstag darauf feierten wir die Taufe von 20 Kindern. Ich bin Taufpatin von einem achtjährigen Jungen namens Nicolas. Ich fand es zwar ein wenig komisch, gefragt zu werden, ob ich Taufpatin sein will, weil das ja eine Aufgabe fürs ganze Leben ist und nicht nur für ein Jahr aber schließlich willigte ich ein. Ein paar Tage vor der Taufe bekamen alle Paten und Kinder einen ausführlichen Vortrag darüber, was die Taufe für den Täufling bedeutet und was es bedeutet, Taufpate zu sein. Am großen Tag wurden die Kinder dann hübsch gemacht und bekamen ein weißes Taufgewand. Nach der Kirche gab es noch ein gemeinsames Mittagessen und Kuchen und dann war die Feier auch schon vorbei.

Letzten Samstag war eine kleine Weihnachtsfeier mit allen Angestellten des Kinderdorfs. Auch das darf man nicht mit den Weihnachtsfeiern bei uns in Deutschland vergleichen. Die Kinder führten die Geburt Jesu auf, sangen und tanzten. Zum Essen gab es dann wie fast immer Reis mit Hähnchen. Gegessen wurde von Styroportellern mit Plastikbesteck und nach ca. zwei Stunden war auch dieses Fest wieder vorbei.

In dieser Zeit bringen viele Unterstützer des Pueblitos säckeweise Geschenke für die Kinder. Leider ist es meist Billigspielzeug aus China und die Kinder haben nie gelernt, auf ihre Sachen aufzupassen und sie wertzuschätzen und so liegen schon jetzt abgerissene Puppenköpfe oder Autoreifen im ganzen Kinderdorf verstreut.

Den Heiligen Abend werde ich mit Sebastian bei einer ecuadorianischen Freundin und ihrer Familie in Quito verbringen. Wahrscheinlich werden wir auch ein paar Kinder mitnehmen. Manche Kinder werden über Weihnachten von ihren Familien nach Hause geholt. Für die Kinder, die in der Einrichtung bleiben müssen ist natürlich gerade jetzt eine besonders traurige Zeit.

Das ist mein erstes Weihnachten, das ich nicht bei meiner Familie in Deutschland verbringen werde und ich bin schon sehr gespannt, was mich erwartet. Ich freue mich schon darauf, davon zu berichten.

Zum Abschluss meines Eintrags möchte ich euch nun allen ein einigermaßen stressfreies, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2013 wünschen.

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Überwältigende Natur

Ich bin überwältigt von der Vielfalt, die dieses kleine Land bietet. Es lässt sich in vier geografische Zonen aufteilen: die westliche Küstenregion (Costa), die zentrale Andenregion (Sierra), das östliche Amazonasbecken (Oriente) und die Galapagos-Inseln. San Antonio liegt in der Andenregion. Dort ist es sehr trocken und staubig und morgens und abends ziemlich kühl, aber bereits nach eineinhalb Stunden Fahrt Richtung Costa oder Oriente findet man eine komplett andere Vegetation vor. Die Luftfeuchtigkeit nimmt zu, es wird wärmer, die Berge sind bedeckt mit Palmengewächsen, Farnen und Orchideen und zwischen all dem Grün stehen vereinzelte Bambushütten auf Holzpfählen. Die Natur Ecuadors ist wunderschön, die Ortschaften hingegen sind sehr laut und den ganzen Tag herrscht viel Verkehr. Der Verkehr ist überhaupt ein Kapitel für sich: Zu dritt auf einem Motorrad ohne Helm, Leute auf den Ladeflächen der Pick-Ups, die Autos und Busse sind teilweise total überfüllt, die Kinder turnen auf den Rücksitzen herum, überholt wird von links und von rechts und es ist ein ständiges Gehupe. Von der Rikscha bis zum Porsche ist alles unterwegs. Ich bin froh, dass ich hier keine Fahrerlaubnis habe. An den roten Ampeln gehen Straßenverkäufer mit Früchten, Getränken oder Süßigkeiten durch die wartenden Autos, in der Hoffnung etwas verkaufen zu können. Unter ihnen sind auch viele Kinder, obwohl Kinderarbeit in Ecuador eigentlich verboten ist. Der Müll häuft sich am Straßenrand und viele Flüsse werden durch das Abwasser der Haushalte und der Industrie verschmutzt. Auf den Gehsteigen streunen viele Straßenhunde herum. Auf den Mauern der Anwesen der wohlhabenden Leute sind scharfe Glasscherben oder ein elektrischer Zaun angebracht. Viele Häuser sind noch zusätzlich mit einer Alarmanlage gesichert, weil die Kriminalität in den letzten Jahren zugenommen hat.

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Ausflug mit den Kindern nach Puyo

Den letzten Feiertag haben wir drei Freiwilligen mit zwei Schwestern, einer Tagesmutter und sechzehn Kindern in Puyo verbracht. Bereits um drei Uhr morgens machten wir uns mit unserem Pueblito-Bus, in dem bequem fünfzehn Leute und zu solchen Anlässen eben schon mal unbequem zweiundzwanzig Leute Platz haben, auf den Weg. Doro hatte ein Mädchen auf den Schoß, das sich schon nach ein paar Minuten Fahrt übergeben musste und das sollte auch noch die ganzen sechs Stunden Fahrt anhalten. Ansonsten war die Reise relativ ruhig, weil alle schliefen. In dem grünen, wunderschönen Baños machten wir nach einer kurzen Andacht in der Kirche Frühstückspause und dann ging es weiter nach Puyo in ein Schwimmbad mit Wellen. Ich verstehe zwar bis heute nicht, warum man für ein Schwimmbad sechs Stunden Fahrt auf sich nimmt aber die Kinder hatten eine wahre Freude und waren an diesem Tag auch dementsprechend brav. Nach dem Mittagessen besuchten wir noch einen Papageienpark, in dem das Highlight ein kleines Totenkopfäffchen war, das nur wenige Zentimeter von uns entfernt in einem Baum saß. Und dann mussten wir auch schon wieder den langen Nachhauseweg antreten. Wir machten noch einmal einen Zwischenstopp in Salcedo, um dort das hausgemachte Eis am Stiel zu verköstigen, für das der Ort bekannt ist. Spät abends kamen wir dann müde aber zufrieden wieder im Pueblito an.

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Die erste Zeit im Pueblito

Am 31.08. bin ich im Pueblito la Ternura eingezogen. Zurzeit leben ca. 40 Kinder zwischen vier und 16 Jahren dort, die in fünf familiären Häusergruppen zusammenwohnen. Von Montag bis Freitag werden sie von vier Tagesmüttern betreut. Geleitet wird das Pueblito von vier Franziskaner-Schwestern. Zum Kinderdorf gehören auch ein Kindergarten, eine Bäckerei, eine kleine Meerschweinchen- und Hasenzucht und eine kleine Hühner- und Wachteleierproduktion.

Das Wochenende nach meinem Einzug hatte ich auch gleich meinen ersten Arbeitseinsatz, denn ein Wochenende im Monat sind die Freiwilligen für die ganzen Kinder zuständig. Wir mussten sie am Samstag um sechs Uhr morgens wecken und sie für den Gottesdienst um sieben Uhr in der kleinen Kapelle im Kinderdorf fertig machen. Nach dem gemeinsamen Frühstück stand Haus aufräumen und Wäsche waschen auf dem Programm. Jedes Kind hat hier seine Aufgabe und jedes Kind wäscht seine Wäsche selber; und das mit kaltem Wasser, Seife und einer Bürste in einem Steinbecken vor dem Haus! Natürlich muss man sie immer wieder zu ihren Arbeiten auffordern und vor allem den Kleinen dabei helfen aber ich war sehr erstaunt, wie selbstständig die Kinder schon sind und wie sehr sie sich gegenseitig unterstützen. Nach dem Mittagessen, das die älteren Mädchen zubereitet hatten, sammelten wir noch gemeinsam den Müll ein und dann durften die Kinder zur Belohnung fernsehen. Auch für uns war das eine Wohltat, denn wir hatten - wenn auch nur für kurze Zeit - unsere Ruhe. Um 18 Uhr versammelten wir uns dann wieder alle in der Kapelle zum Rosenkranz und um 20 Uhr nach dem Abendessen brachten wir sie ins Bett. Während wir Freiwilligen uns unser Bett herbeisehnten, dachten die Kinder an alles andere als Schlafen. Aber schließlich hatten wir auch das irgendwann geschafft.
Am Sonntag war der Tagesablauf nicht ganz so streng. Wir mussten die Kinder erst um acht Uhr wecken, frühstücken und wieder alles aufräumen und Wäsche waschen. Es ist unglaublich, wie viel Wäsche sich nach nur einem Tag ansammeln kann! Um 12 Uhr gingen wir mit ihnen in die ca. ½ Stunde Fußmarsch entfernte Kirche im Ort. Vom Gottesdienst habe ich nicht sehr viel mitbekommen, weil ich andauernd als Streitschlichter im Einsatz war. Wer glaubt, Mädchen seien ruhiger als Burschen, der irrt sich gewaltig! Mit den wenigen Kinder, die sich in der Kirche gut benommen hatten, gingen wir nachmittags als Belohnung auf den Spielplatz und so ging mein erstes turbulentes Wochenende schnell zu Ende.

Momentan helfe ich vormittags immer einer Hausmutter beim Kochen und nachmittags betreue ich ein Haus mit neun Kindern, für die es zur Zeit keine Hausmutter gibt. Ich esse mit ihnen zu Mittag und helfe ihnen bei der Hausarbeit, beim Wäschewaschen und bei den Hausaufgaben. So vergehen die Tage recht schnell und es bleibt keine Zeit für Heimweh. Mir macht die Arbeit hier sehr viel Spaß; auch wenn es nicht immer einfach ist. Manche Kinder sind geistig etwas zurückgeblieben, andere sind besonders streitsüchtig und wollen überhaupt nicht gehorchen. Aber viele Kinder haben eine tragische Vergangenheit hinter sich: von häuslicher Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigungen; manche Eltern sind wegen Drogenmissbrauch im Gefängnis oder sogar ermordet worden, andere haben kein Geld oder sind noch zu jung, um sich um ihre Kinder kümmern zu können. Eine Gruppe von Mädchen aus dem Oriente ist im Pueblito, weil sie hier eine bessere Bildungsmöglichkeit haben. Die Kinder sind also aus den verschiedensten Gründen hier aber alle haben den selben Wunsch, nämlich in einer intakten Familie zu leben.

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Besuch im "Pueblito la Ternura"


Am Sonntag war ich zusammen mit meiner Gastmama kurz zu Besuch im "Pueblito la Ternura". Als ich durch die Pforte ging liefen mir schon ein paar Kinder entgegen und fragten mich neugierig, wo ich her bin und was ich hier mache. Nachdem ich ihnen erzählt hatte, dass ich die neue Freiwillige bin, nahmen sie mich auch gleich an der Hand und führten mich zu Madre Pascalina, einer 82-jährigen Franziskaner-Schwester aus der Schweiz. Mit einer Umarmung hieß sie mich herzlich willkommen. Ich lernte auch zwei weitere Freiwillige - Doro aus der Schweiz und Sebastian aus Liechtenstein - kennen, die gerade mit einer Truppe von Kindern vom Spielplatz kamen. Von ihnen werde ich bereits sehnsüchtig erwartet, weil es sehr viel zu tun gibt. Zum Abschied wurde ich von ein paar Kindern nochmal fest gedrückt. Es hat mich sehr bewegt, wie anhänglich die Kinder von der ersten Minute an waren. Jetzt freue ich mich schon auf meinen Einsatz, der - wenn alles klappt - diesen Freitag beginnt.

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Kurzurlaub im Oriente

Das zweite Wochenende machten wir einen Kurzurlaub im Oriente. Dies war ein besonders schönes Erlebnis. Bei der Anreise machten wir einen Zwischenstopp in Papallacta. Dort entspannten wir uns in 3220 m Höhe in den heißen Thermalquellen inmitten der Natur. Anschließend ging es weiter nach Archidona. Wir übernachteten in Bambushütten einer Hotelanlage; Grillengezirpe und unbekannte Vogellaute trugen zum Dschungelfeeling bei. Beim Frühstück bekamen wir Besuch von Äffchen,die darauf hofften, etwas vom Essen abzubekommen. Nach einer Kanufahrt auf dem Río Napo, vorbei an plantschenden Kindern, legten wir an einem Dorf der Quechua-Indianer an. Dort bekamen wir einen kleinen Einblick in ihr Leben. Wir probierten Chicha, das Bier aus Yuca (schmeckt recht gewöhnungsbedürftig), sahen einen traditionellen Tanz, machten Fotos mit einem Kaimanen und einer Boa und ließen zum Schluss unsere Seele von einem Schamanen "reinigen". Als wir auf dem Nachhauseweg durch die Ortschaft Baños fuhren sahen wir zufällig den Ausbruch des Vulkans Tungurahua. So etwas sieht man auch nicht alle Tage!

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Ausflug nach Otavalo

Mit zwei Schülerinnen und zwei Lehrerinnen der Sprachschule unternahm ich vorletzte Woche einen Tagesausflug nach Otavalo. Nachdem wir den Wasserfall von Peguche bestaunt hatten, bummelten wir durch den berühmten Indiomarkt. Dieser Markt ist ein absolutes Muss für jeden Ecuador-Besucher! Die Otavalo-Indianer verkaufen dort echtes Kunsthandwerk: Ponchos, Pullis und Decken aus Alpaka-Wolle, Taschen in allen möglichen Farben, Schmuck, Souvenirs u. v. m. Natürlich haben wir gleich tüchtig eingekauft.

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Ausflüge: Hochzeit an der Costa

Das erste Wochenende durfte ich die Hochzeit des Neffen meines Gastpapas mitfeiern. Das lief auch etwas anders ab als in Bayern. Die kirchliche Trauung begann erst spät nachmittags. Nach dem Gottesdienst wurden Seifenblasen in die Luft geblasen und Reis gestreut; als Symbol für Glück und Fruchtbarkeit. Anschließend fanden sich die Gäste in einer festlich geschmückten Halle ein, um die ganze Nacht durchzutanzen. Auch ich habe mich im Cumbia-Tanzen geübt aber den Hüftschwung der Ecuadorianer macht so schnell keiner nach. Der Vater des Bräutigams hätte uns dann noch für Sonntag eingeladen, ein Schwein zu schlachten und zu grillen. Glücklicherweise hatten wir schon geplant, an den Strand von Pedernales zu fahren, so dass ich dem Spektakel nochmal entkommen bin.

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Erste Eindrücke von der Ernährung Ecuadors

Die Vielfalt Ecuadors spiegelt sich auch in der Ernährung wider. Hier gibt es das ganze Jahr über die verschiedensten Früchte und Gemüsearten. Für viele gibt es nicht einmal eine Übersetzung, weil sie nur hier zu finden sind. Zum Beispiel gibt es viele verschiedene Bananenarten, die dann entweder als Chips frittiert, gebraten oder als Knödel in der Suppe serviert werden. Eine Spezialität in der Sierra ist "Cuy asado" - gebratenes Meerschweinchen, während an der Costa viele Meeresfrüchte gegessen werden. Aber was bei keinem Mittag- oder Abendessen fehlen darf ist Reis. Getrunken wird meistens frisch zubereiteter Fruchtsaft mit viel Zucker.

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Erste Eindrücke von den Menschen

Die Menschen hier sind im Allgemeinen sehr herzlich, kontaktfreudig und aufgeschlossen. Als ich eines Abends zusammen mit ein paar Schülern und Lehrern der Sprachschule in einer Karaoke-Bar in Quito saß, setzte sich eine junge Ecuadorianerin zu ans an den Tisch, unterhielt sich mit uns, erzählte uns Witze und gab uns ihre Handynummer. Wir sollten uns bei ihr melden, wenn wir Lust haben, etwas mit ihr und ihrer Familie zu unternehmen. Ich bin mir aber noch nicht sicher, wo ich diese Freundlichkeit einordnen soll, weil es für mich ungewöhnlich ist, einer Person, die ich erst seit einer halben Stunde kenne, meine Handynummer zu geben.

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Erste Eindrücke von Natur und Ortschaften

Ich bin überwältigt von der Vielfalt, die dieses kleine Land bietet. Es lässt sich in vier geographische Zonen aufteilen: die westliche Küstenregion (Costa), die zentrale Andenregion (Sierra), das östliche Amazonasbecken (Oriente) und die Galapagos-Inseln. San Antonio liegt in der Andenregion. Dort ist es sehr trocken und staubig und morgens und abends ziemlich kühl aber bereits nach 1,5 Stunden Fahrt Richtung Costa oder Oriente findet man eine komplett andere Vegetation vor. Die Luftfeuchtigkeit nimmt zu, es wird wärmer, die Berge sind bedeckt mit Palmengewächsen, Farnen und Orchideen und zwischen all dem Grün stehen vereinzelte Bambushütten auf Holzpfählen.

Die Natur Ecuadors ist wunderschön, die Ortschaften hingegen sind sehr laut und den ganzen Tag herrscht viel Verkehr. Der Verkehr ist überhaupt ein Kapitel für sich: zu dritt auf einem Motorrad ohne Helm, Leute auf den Ladeflächen der Pick-Ups, die Autos und Busse sind teilweise total überfüllt, die Kinder turnen auf den Rücksitzen herum, überholt wird von links und von rechts und es ist ein ständiges Gehupe. Von der Rikscha bis zum Porsche ist alles unterwegs. Ich bin froh, dass ich hier keine Fahrerlaubnis habe. An den roten Ampeln gehen Straßenverkäufer mit Früchten, Getränken oder Süßigkeiten durch die wartenden Autos; in der Hoffnung etwas verkaufen zu können. Unter ihnen sind auch viele Kinder obwohl Kinderarbeit in Ecuador ja eigentlich verboten ist. Der Müll häuft sich am Straßenrand und viele Flüsse werden durch das Abwasser der Haushalte und der Industrie verschmutzt. Auf den Gehsteigen streunen viele Straßenhunde herum.

Auf den Mauern der Anwesen der wohlhabenden Leute sind scharfe Glasscherben oder ein elektrischer Zaun angebracht. Viele Häuser sind noch zusätzlich mit einer Alarmanlage gesichert, weil die Kriminalität in den letzten Jahren zugenommen hat. La Mitad del Mundo ist glücklicherweise eine ruhige Gegend.

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Ankunft in Ecuador

Mein Abenteuer in einem für mich bisher fremden Land hat vor gut drei Wochen angefangen. Nach dem ca. 12-stündigen Flug bin ich zusammen mit fünf weiteren Freiwilligen sicher in der Hauptstadt Quito inmitten der Anden angekommen. Am Flughafen wurde ich herzlich von meiner Gastfamilie mit Blumen, Luftballons und einem "Bienvenida Ramona"-Schild begrüßt. Jetzt wohne ich also bei meiner super fürsorglichen fünfköpfigen Gastfamilie in San Antonio de Pichincha nahe des Äquatordenkmals "La Mitad del Mundo", um mich erst einmal einzugewöhnen bevor meine Arbeit im Kinderdorf "Pueblito la Ternura" beginnt. Die ersten zwei Wochen habe ich einen Sprachkurs in Quito besucht um mein Spanisch aufzufrischen. Es ist trotzdem noch schwierig für mich, eine Unterhaltung zu führen.

  1. Autor

    Ramona Pinkl
  2. Datum

    01.08.2012 14:55 Uhr

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