Während ich hier diesen Artikel schreibe, sitze ich auf meinem Balkon und genieße die Aussicht auf kleine, grüne Hintergärten, Reihen roter Backsteinhäuser und die Spitze des Kurhauses, ein Fünf-Sterne-Hotel am Strand und Wahrzeichen Scheveningens, dem Stadtteil in dem ich wohne. Wenn ich Den Haag mit drei Worten beschreiben müsste, würde ich sagen: internationaler Flair, Meer und grün. Wieso?

Den Haag zählt für mich zu den Hauptstädten Europas, da nicht nur Europol (Europäisches Polizeiamt) und Eurojust (Einheit für justizielle Zusammenarbeit der EU) hier ihren Hauptsitz haben, sondern auch unterschiedlichste Ethnien hier zusammen kommen und friedlich nebeneinander leben. Natürlich ist die erste Sprache Niederländisch, jedoch spricht beinahe jeder akzentfreies Britisch. NGOs, zahlreiche Botschaften, sowie der Internationale Gerichtshof und auch Strafgerichtshof der UNO sind hier zu finden. Ebenso hat Den Haag auch für die Niederländer selbst eine große Bedeutung, da sie Sitz der Regierung und Residenz des Königshauses ist. Dies mag erst einmal nach viel unglaublich großen Ausmaßen klingen, trotzdem macht sie mit circa 500 000 Einwohnern nur ein Drittel von München aus und verliert ihren Charme durch ihre einzigartige Lage keineswegs. Die Stadt wird gegen Westen hin vom Meer begrenzt, weite Dünenlandschaften prägen den Norden und im Süden ist der Hafen Rotterdams zu sehen. Unzählige große, teilweise verwilderte Stadtparks machen Den Haag zu einer der grünsten Städte Europas. Dies zusammen mit den kleinen verwinkelten Straßen und Gassen in den Wohngegenden lassen mich oft vergessen, dass ich doch in einer Großstadt lebe. Lediglich das großzügig angelegte Zentrum verweist darauf.

Eigentlich kann ich also nur schwärmen von dieser Stadt. In fünf Minuten bin ich zu Fuß am Strand oder in den Dünen, in 40 Minuten mit dem Zug in Amsterdam oder Utrecht. Allerdings kenne ich nur die schönen, reichen Viertel Den Haags. Hier werden mindestens einmal die Woche die Straßen gefegt und der Müll regelmäßig eingesammelt.

Viel von den politischen Organisationen bekomme ich nicht mit. Der Friedenspalast, Sitz des Internationalen Gerichtshofes sowie Europol, ist bis auf Ausnahme weniger Führungen für Besucher unzugänglich. Jedoch entdecke ich noch stets neue Botschaften und auf dem Weg zu meiner wöchentlichen Tanzstunde radele ich an den Ministerien und Organisationen wie UNICEF vorbei. Auf dem Weg zum Kino immer durch den Binnenhof, der Sitz des Parlaments.

Obwohl ich nun schon über acht Monate hier lebe, gibt es immer noch viele Museen, die ich noch nicht kenne und schöne Plätze, die meine Freunde und ich erst jetzt entdecken. Mir bleibt also nur eins zu tun: Meine letzten zwei Monate hier in Den Haag, der Stadt des Friedens und der Gerechtigkeit, zu genießen.