Ich habe gerade gefühlt die zwei stressigsten Wochen meines Lebens hinter mir: Mein erster Term mit Klausuren ist vorbei und jetzt in meiner wohlverdienten Woche Pause, komme ich auch endlich mal wieder zum Schreiben.

Die vergangenen neun Wochen fühlten sich so kurz an wie eine Woche, aber doch auch so lang wie ein ganzes Jahr, da ich so viel erlebt habe und mit jeder Woche nochmal ein ganzes Stück in die Uni hineingewachsen bin.

Hier bemerkt man bereits den ersten Unterschied zum deutschen System: In den Niederlanden gibt es keine Semester, sondern Perioden. Normalerweise sind es vier, jeweils zehn Wochenblöcke. In meiner Fakultät Geowissenschaften, haben wir acht Wochen Unterricht, eine Woche Prüfungen und die zehnte dann frei. Somit hat man im Jahr nicht nur zweimal Klausuren, sondern vier Mal und auch viel mehr Kurse. Es gibt dadurch auch nicht zwei Mal Semesterferien wie in Deutschland: Wir haben nur eine zweimonatige Sommerpause, zwei Wochen Weihnachtsferien und die Wochen zwischen den Blöcken.

Das mag vielleicht nach mehr Unterricht klingen, aber es hat auch seine Vorteile: Man kann viel mehr Kurse besuchen und besucht diese dann aber auch nur für zehn Wochen, falls man einen langweiligen Professor oder Kurs erwischt hat. Allerdings muss man dann schon mal ein 600-seitiges Buch in sieben Wochen durcharbeiten oder das gesamte Grundwissen der Algebra innerhalb von drei Wochen wiederholen, aber auch das ist zu schaffen. Durch die Wahl der verschiedenen Kurse kann man seinen Bachelor so gestalten, wie man möchte. Natürlich gibt es aber auch jede Menge Pflichtfächer, die man bestanden haben muss, um seinen Bachelor zu bekommen.

Ein weiterer Unterschied ist, dass hier nur ein Block, also zehn Wochen, für die Bachelorarbeit eingeplant ist und nicht ein ganzes Semester. Braucht man länger, muss man weiter Studiengebühren für den nächsten Block zahlen, obwohl man vielleicht keine Kurse mehr besucht. Dies mag vielleicht nach einem Nachteil klingen, dennoch habe ich das Gefühl, dass durch die Studiengebühren die Universitäten auch viel mehr Möglichkeiten haben. So gilt das Forschungsinstitut Copernikus, das meinen Studiengang betreut, in seinem Fachgebiet (Nachhaltige Entwicklung) als eines der besten weltweit.

Des Weiteren bedeutet natürlich mehr Geld auch mehr Personal, das die Studenten besonders im ersten Jahr begleitet. Jeder Student bekommt einen Tutor, einen Lehrer, der einen persönlich betreut und die Studienfortschritte mitverfolgt. Zusätzlich bekommt man noch Mentoren, Studenten aus dem zweiten Jahr, zur Seite gestellt, die einem alles über Kurswahl, Bücher und ihr erstes Jahr erzählen. Alles in allem fühle ich mich also gut betreut und informiert. Über mein Studium Global Sustainability Science werde ich wohl in einem meiner nächsten Artikel berichten.