Auslandsblog Eintrag 8: Collingwood, Erdbeben und Quads - 20. November 2016

Ein Hoch auf das verlängerte Wochenende! Diesmal verbringe ich gemeinsam mit Freunden ein paar schöne Tage in Collingwood. Collingwood liegt im Norden der Südinsel in der nähe von Nelson. Das Wetter spielt leider nicht ganz so mit, aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen.

Am ersten Tag wollen wir einen Track wandern, kommen aber davon ab, verirren uns, und kriechen demzufolge durch dichte Büsche, um irgendwie weiter zu kommen. Nach ein paar Stunden schaffen wir es, einen kleinen Fluss zu finden und folgen ihm. Wir kommen müde, aber glücklich bei unserem Auto an und beschließen anschließend, noch den eigentlichen, ausgeschilderten Track zu wandern.

Ich bin trotzdem sehr froh, dass wir uns zu Beginn verirrt haben, da der Weg so viel schöner war.

In Collingwood habe ich in den weiteren Tagen außerdem den nödlichsten Punkt der Südinsel besucht und die bekannten, riesengroßen Felsen am Meer, die Windows sogar auf einem Bildschirmschoner zeigt, besichtigt. Dahin bin ich natürlich barfuss, neben Schafen und Kühen gewandert, um das komplette Neuseeland-Feeling einzufangen. Außerdem waren alle unsere Schuhe patschnass, sodass meine Füße so und so nass und dreckig geworden wären.

In Collingwood, dem Ort am Meer, gibt es außerdem ein süßes, rosarotes Schokoladenhaus, in dem man viele unterschiedliche, mit Liebe zubereitete, Schokoladenpralinen kaufen kann. Ich konnte mich gerade noch davor zurück halten, jede Praline einzeln zu probieren, da sie echt zum Anbeißen aussahen.

Die Autofahrt zurück wird dann – zur Abwechslung – mal von sonnigem Wetter begleitet und wir schauen uns auf dem Weg noch ein paar Wasserfälle an.

Todmüde angekommen falle ich ins Bett, möchte Energie sammeln und einfach schlafen. Doch da hat mir aber jemand einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn um Mitternacht, wache ich von einem Schütteln und Ruckeln auf. Zuerst denke ich, dass ich einen Albtraum habe, doch als ich merke, dass die Bewegungen um mich herum nicht aufhören, wundere ich mich. Es fühlt sich an, als würde ein Elefant durch unser Haus trampeln und ich frage mich, warum er ausgerechnet durch unser Haus laufen muss, und was ein Elefant hier überhaupt macht. Schlaftrunken realisiere ich langsam, dass der Elefant eigentlich ein Erdbeben ist, renne aus meinem Zimmer und stelle mich zusammen mit meinem Mitbewohner und einer deutschen Wwooferin, die bei uns übernachtet hat, unter einen Türrahmen. Wir alle hoffen, dass das Rütteln bald aufhört, doch als es immer schlimmer wird, rennen wir gemeinsam im Pyjama aus dem Haus in den Garten, um sicher zu gehen, dass uns nichts passieren kann, falls unser Haus einstürzen sollte. Mein Papa, ein Geologe, schreibt mir wenige Minuten nach Mitternacht nach dem ersten starken Erdbeben und informiert mich sofort über alle relevanten Fakten und Maßnahmen, während ich gemeinsam mit den anderen vor dem Radio sitze und angespannt die Nachrichten verfolge. Wir bleiben von größeren Schäden verschont. Den Grund dafür lese ich in der WhatsApp-Gruppe meiner Familie:

Papa: „Bleibt weg von hohen Gebäuden, es könnten noch Nachbeben in ähnlicher Stärke kommen.“
Schwester: „Ich glaub', in Elisas Dorf gibt’s eh keine hohen Gebäude.“

Durch die Erdbeben haben wir die nächsten zwei Tage schulfrei, weil sich jeder erst einmal von dem Schock erholen muss. Wir nutzen die Zeit und verbringen die letzten Tage der German Wwooferin zusammen mit ihr auf einer Farm, jäten Unkraut, fahren mit Quads durch Flüsse, und geniessen oben auf dem Berg angekommen die Aussicht über alle Hügel der riesengroßen Farm. .. Mein Fazit zu dem Erdbeben: Medien lieben es zu dramatisieren, und ich bin echt erstaunt, wie schnell die Nachricht von den Erdbeben in Neuseeland um die Welt gegangen ist. Mir ist einerseits sehr wichtig, nicht die Augen vor den Tatsachen zu verschließen, andererseits muss man nach dem kleinen Schock auch wieder beginnen, sein ganz normales Leben weiterzuleben, denn das sind Dinge, die keiner beeinflussen kann und es wird nicht besser, wenn man sich da hineinsteigert. Fakt ist, dass es mehrere Erdbeben in verschiedenen Teilen von Neuseeland waren und schlimme Schäden angerichtet wurden, was man allein schon sieht, wenn man die Straße von Kaikoura betrachtet. Fakt ist auch, dass ich momentan noch viele Nachbeben spüre und bis nächsten Monat wohl noch Erdbeben bis zur Stärke 6 kommen können. Trotzdem lebe ich weiter und werde meine Neuseeland-Erfahrung weiter genießen, denn genau dafür bin ich hier.

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