Auslandsblog Eintrag 9: Roadtrip - 30. Dezember 2016

Ich habe Sommerferien! Die freie Zeit nutze ich zusammen mit einer Freundin aus Landshut aus, die mich in Neuseeland besucht. Mit ihr geht es auf einen Roadtrip durch die Südinsel.

Da wir die Straße durch Kaikoura durch das Erdbeben auslassen müssen, fahren wir gleich hoch, über Murchison, nach Nelson, wo wir auf der Matratze im Kofferraum eines kleinen Honda Civic übernachten. Durch Zufall treffen wir am nächsten Tag einen Freund, den ich aus meiner Reise durch die Nordinsel kennengelernt habe. Es ist schön, vertraute Gesichter wiederzutreffen. So verbringen wir den Nachmittag mit ihm, bis wir anschließend unseren nächsten Stop in Richmond einlegen.

Wir haben unseren kleinen Walk durch den Abel Tasman Nationalpark geplant, und somit geht es am Samstag in der Früh ab nach Marahau, um von dort mit dem Watertaxi den ganzen Abel Tasman abzufahren, in Anchorage auszusteigen und dann für zwei Stunden zurück zu unserem Startpunkt nach Marahau zu wandern. Den Nationalpark muss man unbedingt gesehen haben. Er ist ein absoluter Traum mit seinen weißen Stränden, Vogelgesang, Stille und umwerfenden Ausblicken, mit denen man beim Wandern belohnt wird.

Danach fahren wir noch am gleichen Tag nach Kaikerikeri – einem Geheimtipp, den mir eine nette Frau aus der Schule gegeben hat. Und sie hat absolut recht, denn die goldenen Strände sind hier atemberaubend. Wir schlagen unser Zelt im Bethany Park auf und lassen den Abend mit einem leckeren Essen in einer super ausgestatteten Küche ausklingen.

Am nächsten Tag in der Früh machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang und träumen noch ein wenig, bis es anfängt zu regnen und wir entscheiden, Richtung Westport zu fahren. An der Westküste angekommen, machen wir es uns an einem Campingplatz in Gentle Annie gemütlich. Gentle Annie ist der, für mich, bisher schönste Campingplatz. Dort gibt es einen Aufenthaltsraum, welcher wie ein gemütliches Cafe eingerichtet ist. In diesem Aufenthaltsraum gibt es einen kleinen Teich mit Fischen und einen wunderschönen Steinofen, der dem Raum mit vielen weiteren Accessoires und unter anderem vielen Büchern den Flair verleiht. „Gentle Annie“ ist ein kleiner Familienbetrieb, der jeden Morgen frischen Kaffe aus hochwertigen Bohnen für die Gäste zubereitet.

Wir genießen die kurze Zeit dort sehr, wissen aber, dass wir weiter reisen wollen und noch mehr sehen wollen, noch mehr erleben wollen.

Und so machen wir noch einen kleinen Abstecher in die verlassene Stadt Karamea, wo wir die Meereszunge und ganz viele grüne Pflanzen sehen können, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Hector (Richtung Westport) machen, um die Westküste dann nach Süden abzufahren.

In Hector verbringen wir spontan eine Nacht, nachdem wir David, den netten Besitzer des „The old slaughterhouse“-Hostels kennengelernt haben und er uns kostenlos einen Platz angeboten hat, auf dem wir unser Zelt aufschlagen und sicher sind. Die Lage dieses Hostels ist wunderschön, da man nach einem zehnminütigen Wanderweg nach oben einen atemberaubenden Ausblick auf die ganze Küste hat und so neben einer Tasse Tee den Untergang der Sonne in das Meer beobachten kann.

Am nächsten Tag fahren wir von Hector Richtung Greymouth, um dann, ein zweites Mal unerwartet zu halten. Diesmal in Charleston, weilwir eine Goldmine besichtigten, stockdunkle Tunnel mit Glühwürmchen entlang laufen und Dean, den Leiter dieser Goldmine, die seiner Familie gehört, kennenlernen. Zum Abschied beschenkt er uns reichlich mit gutem brasilianischen Cappuccino, Blumenkohl, Eiern von seinen Hühnern und einem kleinen Manuka-Baum, der als unser Weihnachtsbaum umfunktioniert wird. Für Weihnachten sind wir dann also gewappnet. Wir machen noch einen kurzen Abstecher am Strand, nicht weit entfernt von der Goldmine, wo wir gemeinsam mit Freunden von Dean und ihm selbst zusammensitzen, Ideen austauschen und über eine kleine Brücke zwischen zwei Felsen klettern, um eine wunderschöne Aussicht zu haben und die starken Wellen sogar von hinten beobachten zu können, bevor sie brechen. So spüre ich erst richtig wie gefährlich und kraftvoll die Wellen der Westküste eigentlich sein können. Der Sonnenuntergang macht den Blick für diesen Zeitpunkt dann natürlich noch einmal schöner.

Wir verabschieden uns von der Gruppe und es geht weiter an den Pancake Rocks vorbei Richtung Greymouth/Stillwater. Doort übernachten wir für zwei Nächte in dem Ferienhaus einer Teacher Aid meiner Schule und entspannen uns ein wenig.

Wir erkunden die Gegend in und um Greymouth und genießen es, auch mal etwas länger an einem Ort und in einem Haus zu bleiben.

Von Stillwater fahren wir am siebten Tag unserer Reise dann nach Hokotika, um dort die anscheinend besten Fish and Chips zu probieren und anschließend mit einem Eis aus der „Alice Fudge Kitchen“ in der Hand durch Hokitika zu schlendern.

Wir schlafen in Okartio, um am nächsten Morgen um 5:30 Uhr den Okarito Trick Walk hoch zu wandern und den bilderbuchgezeichneten Sonnenaufgang auf einer Plattform auf der Spitze eines Berges zu genießen.

Wir machen einen Stopp im Franz Josef Village sowie am Fox Glaciar, um dann am Gillespies Besch auf einem schönen DOC-Campingplatz direkt am Meer anzukommen. Wir schauen uns den Sonnenuntergang von einem vom Meer angespülten Baumstumpf an und lernen am Abend an dem Campingplatz am Lagerfeuer Menschen aus aller Welt kennen.

Kurz vor dem Schlafen gehen, passiert dann etwas unerwartetet. Ein großes Possum schleicht an einem Baumstamm entlang und wird von einer Familie aus Neuseeland gesichtet. Dazu muss man wissen, dass die Possums aus Australien nach Neuseeland gebracht wurden und hier als Pest gelten, da sie den einheimischen und vom Aussterben bedrohten Kiwi-Vogel angreifen und fressen. Der Junge reagiert auf das Possum, in dem er sich einen Stock schnappt und das Possum totschlägt. Ich erschrecke, weil diese Situation sehr brutal auf mich wirkt und ich das nicht gewöhnt bin. Jedoch verstehe ich, dass er mit dieser Aktion den Kiwi retten möchte. Wir Menschen sind selbst schuld, dass wir Possums nach Neuseeland gebracht haben. Aber ist es nun die richtige Lösung, sie für unseren Fehler zu töten?

Andererseits frage ich mich auch, ob es die richtige Lösung ist, sie leben zu lassen und damit indirekt den vom Aussterben bedrohten Kiwi auszurotten. Ich finde es ist sehr schwer, darüber ein Fazit zu ziehen. Was ist schon richtig und was ist falsch? Ich kann euch darauf keine Antwort geben.

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